Strafe für Verfolgungsjagd

  • VonKim Luisa Engel
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Ortenberg (keh). Am Abend des 11. November 2020 hatte eine rasante Verfolgungsjagd von Selters bis nach Beienheim für Aufsehen gesorgt. Der heute 37-jährige Autofahrer musste sich dafür nun vorm Landgericht in Gießen verantworten. Da er sich zur Tatzeit offenbar in einem schuldunfähigem Zustand befand - er leidet an paranoider Schizophrenie -, sollte im Sicherungsverfahren geklärt werden, ob der Beschuldigte in einer Psychiatrie untergebracht werden muss.

Nun erging das Urteil: Eingewiesen wird der Mann nicht.

Was war vor knapp einem Jahr passiert? Laut Polizeibericht erregte der Mann gegen 20.45 Uhr die Aufmerksamkeit von Polizeibeamten, als er deren Streifenwagen in Selters innerorts überholte. Nach dem Überholmanöver war er so lange auf der linken Spur geblieben, bis Gegenverkehr kam. Als die Beamten den Fahrer zum Anhalten aufforderten, raste er davon.

Auf seiner Flucht legte der Mann knapp 20 Kilometer zurück - von Selters über Ranstadt, Dauernheim, Blofeld und Reichelsheim bis nach Beienheim. Dabei hatte er laut Polizei 120 bis 160 Kilometer pro Stunde auf dem Tacho.

Nach Ansicht der beteiligten Polizisten kam es zu mehreren gefährlichen Situationen, etwa als der 37-Jährige vier vorausfahrende Fahrzeuge überholte - trotz Gegenverkehr. Es sei ausschließlich dem umsichtigen Fahrverhalten anderer zu verdanken, dass es zu keinem Unfall gekommen sei, sagte eine Polizeibeamtin vor Gericht (die WZ berichtete).

Zur Bewährung ausgesetzt

In Beienheim endete die Verfolgungsjagd dann abrupt: Der Mann stellte sein Auto vor einer Garage ab »und erwartete uns mit einem Lächeln«, erinnerte sich die Polizistin. Nach seiner Verhaftung wurde der Fahrer wegen seines auffälligen Verhaltens in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht, wo er Pflegekräfte bedrohte.

Ein Gutachter bestätigte, dass bei dem Mann zur Tatzeit eine Psychose vorgelegen habe. Daher war der Wetterauer auch ein Beschuldigter, kein Angeklagter - eine Anklageschrift bestand daher nicht.

Dank seiner Behandlung in zwei psychiatrischen Krankenhäusern habe er mittlerweile ein Einsehen in seine Taten, diese würden ihm leidtun, sagte der Mann. Auch Medikamente benötige er inzwischen nicht mehr.

Als sogenannte Anlasstat ordnete das Gericht den gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und die Bedrohung ein. Laut Landgericht-Pressesprecher Dr. Alexander Schmitt-Kästner wurde die Unterbringung des Wetterauers in einer Erziehungsanstalt zur Bewährung ausgesetzt - wegen guter Führung des 37-Jährigen in seiner vorherigen Einrichtung.

Damit das so bleibt, muss der Mann folgende Auflagen erfüllen: fünf Jahre Führungsaufsicht sowie Nachweise negativer Drogen-Screenings und regelmäßige Besuche einer ambulanten psychiatrischen Einrichtung.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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