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Kloster Konradsdorf: Baufälliges Gemäuer mit Aura

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Die Basilika mit der Probstei des ehemaligen Klosters ist im 12. Jahrhundert gebaut worden. Inzwischen bröckelt der Mörtel aus den Fugen. 	(Foto: sax)
Die Basilika mit der Probstei des ehemaligen Klosters ist im 12. Jahrhundert gebaut worden. Inzwischen bröckelt der Mörtel aus den Fugen. (Foto: sax) © Oliver Potengowski

Ortenberg-Konradsdorf (sax). Die Stadt sieht die Reste des Klosters Konradsdorf vom Verfall bedroht. Beim Ortstermin, zu dem Politiker, Bürger und ein Vertreter der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen kamen, forderten die Ortenberger dringend Sanierungsmaßnahmen. Eigentümer der Anlage ist das Land.

Die Schäden an den beiden von der ursprünglichen Klosteranlage erhaltenen Gebäuden sind auch für den Laien offensichtlich: Tiefe Risse ziehen sich durch das Mauerwerk der romanischen Basilika. Algenbewuchs zeugt von einem Feuchtigkeitsproblem. Aus den Fugen ist der Mörtel herausgebröckelt. Rostige Eisen sprengen den aufwendig bearbeiteten Sandstein. In der benachbarten Probstei, dem sogenannten Nonnenhaus, wurde vor etwa 100 Jahren eine Zwischendecke eingezogen. Inzwischen ist sie abgesackt. Es ist unklar, ob sie statisch sicher ist. Bewuchs an den Giebelmauern lockert die Steine, Wasser dringt ein.

Dr. Thomas Ludwig, bei der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen für die Denkmalpflege zuständig, weiß um die Schäden. Jedes Jahr prüfe ein Sachverständiger die Standsicherheit der Gebäude. »Wenn der Tragwerksplaner uns sagt, es ist einsturzgefährdet, dann werden wir handeln.« Ludwig räumt jedoch ein, dass der Westgiebel der Basilika sich vom Kirchenschiff löse.

»Zustand ist untragbar«

»Der Zustand hat sich massiv verschlechtert«, sagt Hans Schwab. Er kennt die Klostergebäude, betrieb dort seit 1989 ein Sommertheater. Wegen der Schäden sei das nicht mehr möglich gewesen. Das Dachgebälk arbeite unter der Windlast, zwar sei der Dachstuhl selbst nicht vom Einsturz bedroht. Jedoch lösten die Bewegungen Steine aus der Mauerkrone. Netze sollen Putz und kleinere Steine auffangen.

»Dieser Zustand ist eigentlich untragbar«, gesteht Ludwig ein. Dass dennoch kaum in den Substanzerhalt investiert wird, begründet er mit der Vielzahl der zu betreuenden Objekte. Um 400 Stück kümmere sich die Behörde. Viele zeigten ähnliche Schäden. Um alle zu sanieren, fehle spätestens seit der Einführung der Schuldenbremse das Geld. »Wir bemühen uns immer wieder um Mittel für unsere Bauwerke«, sagt er.

Kunsthistorikerin Dr. Waltraud Friedrich, die umfangreich zu dem ehemaligen Prämonstratenserkloster geforscht hat, betont beim Ortstermin den Denkmalwert der Anlage: Basilika und Probstei seien die letzten beiden aus dem 12. Jahrhundert erhaltenen Immunitätsbauten der Mainzer Erzbischöfe in Hessen. Bei archäologischen Grabungen habe man unter anderem eine steinerne Saalkirche als Vorgängerbau der Basilika nachweisen können. »Um diese Zeit hatte man im Allgemeinen Holzkirchen«, sagt sie. Der Herrenhof, an dessen Stelle das Kloster um 1150 gegründet wurde, könne als eine der Raststationen des Leichenzugs des Bonifatius besondere Bedeutung erlangt haben.

Ortenbergs Erster Stadtrat Uli Heck sieht die Klosteranlage als besonders geeignet, um eine Verbindung von Baudenkmälern mit einer touristischen Entwicklung in Gang zu bringen. »Wir haben das Schlüsselerlebnis mit dem Keltenmuseum, wo viele sich nicht vorstellen konnten, dass so viele Besucher in den ländlichen Raum kommen«, weist Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring darauf hin, dass sich Investitionen in Geschichte und Denkmalschutz touristisch lohnen können. Ludwig schätzt, dass ein siebenstelliger Betrag notwendig sei, um die beiden Klostergebäude zu restaurieren.

Pfeiffer-Pantring kann sich dagegen auch günstigere Lösungen durch den Einsatz ehrenamtlicher Helfer vorstellen. Schließlich gebe es in der Region auch durch ehemalige Schüler eine große Identifikation mit Konradsdorf

Der Bundestagsabgeordnete Dr. Peter Tauber verspricht, Kontakte knüpfen zu wollen, damit die Sanierungsbedürftigkeit der Klosteranlage bekannt werde. Tauber forderte aber auch die regionalen Vertreter auf, sich zu engagieren. »Wenn es in Wiesbaden und Berlin niemand mitbekommt, wird es keine Fördergelder geben.« Er beschrieb die besondere Atmosphäre des Ortes. »Das Kloster hat eine eigene Aura, die wirkt. Das Gebäude macht etwas mit einem, deshalb ist es wichtig, dass man Entscheidungsträger her holt. Dinge, die man selbst erlebt hat, sind einem näher.«

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