In Ortenberg hat Jukka Korkeila das schönste Atelier gefunden, das er je hatte, sagt er. Seit 2015 lebt und arbeitet der finnische Künstler in der Wetterau. FOTO: SDA
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In Ortenberg hat Jukka Korkeila das schönste Atelier gefunden, das er je hatte, sagt er. Seit 2015 lebt und arbeitet der finnische Künstler in der Wetterau. FOTO: SDA

Liebe oder Hass

Jukka Korkeila aus Finnland lebt und arbeitet in der Wetterau

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Jukka Korkeila aus Finnland lebt und arbeitet seit einigen Jahren in der Wetterau. Der Künstler hat hier das beste Atelier gefunden, das er je hatte, wie er sagt.

Liebe oder Hass - dazwischen gibt es nichts, sagt Jukka Korkeila. Er meint die Reaktion auf seine Bilder. Einmal zum Beispiel, er hat in Amsterdam ausgestellt, kam ein Ehepaar in die Galerie. Der Mann sagte am Ende, er wolle ein Bild kaufen. Die Frau intervenierte: "Dann kannst Du ausziehen." Oder, ein andermal in Stockholm: Jukka Korkeila bereitete seine Ausstellung vor. Ein Bild allerdings musste er wieder abhängen. "Wir sind eine Familiengalerie", sagte die Leiterin. Das Bild thematisiert etwas, was viele Bilder von Korkeila thematisieren: Männer und Sexualität. "Anfang der 2000er waren viele darüber schockiert."

Doch nicht alle seine Bilder setzen sich damit auseinander. Es gibt auch andere. Wer zum Beispiel sein Ortenberger Atelier betritt, sieht viele Bilder, auf denen bekannte Köpfe sind: Kim Jong-un, Donald Trump - in modifizierter Form natürlich. Mit roter Nase, buntem Gesicht oder Penis auf der Backe.

Durch die Liebe in die Wetterau

Jukka Korkeila wollte eigentlich Architekt werden. So hatte er es zumindest geplant, als er 1988 in Helsinki sein Studium begann. Doch er entschied sich um. "Architekten müssen zu viele Kompromisse eingehen", sagt er. Unter anderem finanzielle. "Die Gebäude müssen funktional sein." Muss bildende Kunst nicht. Und so kam er zur Malerei. Zuerst in Helsinki, dann, durch ein Auslandssemester, in Berlin. Ende der 90er war das.

Deutschland, weil es ihn kulturell interessiert hat: "Die Musik von Kraftwerk, die Filme von Rainer Werner Fassbinder, die zeitgenössische Kunst."

Heute lebt der Finne in der östlichen Wetterau - in Stockheim. Wie er dorthingekommen ist? "Die alte Geschichte", sagt er. "Die Liebe." 2015 lernte er den Schauspieler Markus Karger kennen - übers Internet. Die Frage, ob das Paar in Deutschland oder in Finnland leben möchte, stellte sich nicht. Jukka Korkeila, der ohnehin eine Wohnung in beiden Ländern hatte (und noch immer hat) ist flexibler, was seine Arbeit angeht. "Als Schauspieler ist es wegen der Sprache schwieriger, in einem anderen Land zu arbeiten."

Also Stockheim - mit dem schönen Nebeneffekt, dass Jukka Korkeila das beste Atelier hat, das er je hatte, wie er sagt. Sechs Kilometer von seinem Zuhause entfernt in der Ortenberger Altstadt. Ein großer Raum, alles voller Bilder. Manche fertig, manche in Arbeit.

Jukka Korkeila kommt jeden Tag her, um zu arbeiten. "Das ist die Strafe für den Künstler." Dass er tagein, tagaus alleine vor sich hinarbeiten müsse. Und dann plötzlich in einem Raum voller Menschen stehe - Ausstellungseröffnungen. Davon hat der Finne viele und auf der ganzen Welt. Vor einigen Jahren zum Beispiel in Südamerika. Einmal auch in Russland, vor allem aber in Finnland.

Finnischer Kulturpreis

Vergangenes Jahr ist er mit dem höchsten Kulturpreis für bildende Kunst seines Heimatlandes ausgezeichnet worden. In der Begründung zur Preisverleihung wurde sein 30 Jahre währender Einsatz mit seinen Bildern und Installationen für Toleranz und Vielfalt gewürdigt.

Vergangenes Jahr haben er und Markus Karger zudem die Ausstellung "in situ" organisiert. Die Werke von 37 Künstlern aus 15 Ländern waren in Hirzenhain und in Gedern zu sehen. Zudem in Finnland.

In seinem Heimatland stellt Jukka Korkeila ohnehin oft aus. So kann er auch regelmäßig seine Familie besuchen, die in einer südfinnischen Kleinstadt lebt.

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