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Generationenkonflikte: Das Stück um das scheinbar unmögliche Zusammenleben einer Alters- und einer Jugend-WG im gleichen Haus enthält jede Menge Stoff für Erinnerungen.

Gemeinsam statt gegeneinander

  • VonInge Schneider
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Ortenberg (im). Nach der umjubelten Premiere im Oberhof sorgte der Büdinger Verein »Eine Stadt spielt Theater« auch im Ortenberger Schlosshof und auf Einladung des Kulturkreises Altes Rathaus mit der Komödie »Wir sind die Neuen« für große Begeisterung beim Publikum.

Das Stück um das zu Beginn schier unmögliche Zusammenleben einer Alters- und einer Jugend-WG im gleichen Haus enthält jede Menge Stoff für Erinnerungen an die eigenen jungen Jahre, erlebte Generationenprobleme und hoffnungsvolle Zukunftsperspektiven. All das verpackt in rasante und treffsichere Dialoge, eine Fülle prägnanter Szenen, die ohne Kulissenwechsel auskommen. Alles unterlegt mit perfekt zur jeweiligen Stimmung passenden Songs der 60er und 70er Jahre, von »Born to be Wild«, »Locomotive Breath« und »Highway to Hell« bis »Imagine« und »My Lady d’Arbanville«.

Das Dreigespann Anne, Johannes und Eddie (Edeltraud Ferger, Wilhelm Schember, Michael Henrich) - aus dem Off unterstützt durch Tonaufzeichnungen von Büdingens Bürgermeister Erich Spamer als Günter und Dieter Egner als Paul - rührte vor allem die Älteren unter den Zuschauern in seiner Verletzlichkeit, dem trotzigen Stolz auf Erlebtes, Erreichtes und die eigene Ideale, dem Rückblick auf Fehlschläge und Verluste, der Vorausschau auf die noch verbleibenden Jahre und die eigene Endlichkeit.

Das junge, strebsame Studentinnentrio Franziska, Barbara und Katharina (Sabrina Link, Ramona Gaigl, Eleonora Pförtner) zog - sehr gestresst durch Prüfungen und den Alltag- zunächst vor allem das Verständnis des jungen Publikums auf sich. »Kurz vor dem Bachelor war ich genauso - nur keine Störung!«

Das Thema Belastbarkeit sollte tatsächlich den zweiten Teil des Abends beherrschen. Nachdem in den ersten Einblendungen vor allem Gräben zwischen Jung und Alt aufgerissen wurden, brach die Fassade der ehrgeizigen Studentinnen schlagartig zusammen: Blackout vor dem Jura-Examen, Rückenschmerzen und Kontrollticks, Liebeskummer und eine nahezu geplatzte Verlobung: Als die jungen Frauen vor den Scherben ihres durchgetakteten Alltags stehen, wird die Hilfe und Nähe der Alten auf einmal wichtig. Und so fand man zum Ende des Stückes hin über Gräben zusammen und konnte sogar gemeinsam feiern.

Berührender Schluss, den niemand utopisch fand. »Ich denke, so sollte es sein und nur so kann es funktionieren: Gemeinsam statt gegeneinander.« »Die Welt ist hart genug, die Generationen sollten zusammenhalten.«

Film kommt auf die Bühne

Ein gelungener Abend, die herausfordernde Aufgabe, das nach dem Film »Wir sind die Neuen« von Regisseur und Autor Ralf Westhoff (2014) verfasste Theaterstück auf der Bühne zu realisieren, wurde herausragend gelöst. »Es ist ungewöhnlich, dass ein Film, so wie hier geschehen, zu einem Bühnenstück umgeschrieben wird, meist ist es umgekehrt«, erläutert Regisseurin Sylvia Oster von »Eine Stadt spielt Theater« nach der Aufführung.

Die Schauspielerin wurde dabei von Regieassistentin und Schauspielerin Renate Britten unterstützt.

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