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»Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys« bringen einen hinreißenden Mix aus Jazz, Oldies und Eigenkompositionen auf die Ortenberger Schlossbühne.

»Eine kuriose Art von Swing«

Ortenberg (mez). Der kühle Abend schreckte die Zuhörer nicht: Warm angezogen trotzten sie dem Wetter und warteten gespannt auf »Ulrich Tukur & die Rhythmus Boys«. Ein Teil des Vorapplauses galt auch den Aktiven des »Kulturkreises Altes Rathaus« und seiner engagierten Vorsitzenden Dörthe Herrler, die als Gastgeber zum 40-jährigen Bestehen des Vereins die Sommerbühne samt Programm organisiert hatten.

Unterstützung kam auch vom »Mittelhessischen Kultursommer«. Eine »Gruppe mit Rhythmus im Blut« kündigte Herrler an und hatte nicht zu viel versprochen.

Schon 1995 fanden sich vier Spieler zur »Tanzkapelle« zusammen: Ulrich Mayer (Gitarre, Gesang), Kalle Mews (Schlagzeug, Gesang), Günter Märtens (Kontrabass, Gesang) und Ulrich Tukur (Klavier, Akkordeon, Gesang), schon damals ein bekannter Schauspieler. In dieser Band haben sich musikalisches Talent und Selbstironie zusammengefunden. Die vier beschreiben die eigene Musik als »eine kuriose Art von Swing«, nennen sich die »älteste Boy Group der Welt« und wollen ihr Publikum mit einem »poetisch-witzigen Programm verzaubern.« Mit ihrem Repertoire aus Jazz Standards, Titeln der Roaring Twenties und der 30er Jahre samt Eigenkompositionen sind sie schon in der ganzen Republik aufgetreten. »Eigentlich sollte dieses Programm Liebe, Jazz und Übermut heißen« - Tukur schlüpft mit verschmitztem Charme in die Rolle des Geschichtenerzählers.

Völlig skurrile Geschichte

Während seine Finger bei Cole Porters »Anything goes« über die Tasten huschen, zeigt er sich in seinen Geschichten als Zeitreisender quer durch die Jahrzehnte, war mal eben bei Irving Berlin, flunkert eine haarsträubende Lebensgeschichte von Cole Porter zusammen, singt dazwischen, erzählt dann von Franz Grothe und schon wird »Ein Senor und eine schöne Senorita« in hinreißendem Rumba-Rhythmus gespielt. Kalle Mews entlockt seinem Schlagzeug Kastagnetteneffekte.

Vollblut-Jazz wie »Between the devil and the deep blue sea« steht neben einer Hommage an die Provinz, der Eigenkomposition »Am Steinhuder Meer«. Tukur: »Wenn Sie in der Gemeindeverwaltung Steinhude anrufen und in die Warteschleife kommen, bekommen Sie unweigerlich dieses Lied zu hören, wieder und wieder!« Und so wird selbst dieses überschaubare Binnengewässer in maritime Romantik getaucht:

Schließlich in die 40er Jahre mit Rudi Schurickes »Von acht bis um acht«. »Goody Goody« brauchte Refrainverstärkung und das Publikum fiel selbstverständlich ein. Gitarrist Ulrich Mayer kann Ansagen so dröge wie ein Telefonbuch machen und traktierte doch beim nächsten Titel seine Gitarre in einem furiosen Solo wie ein Vollblut-Rockmusiker.

Zu Glen Millers »To dance a live a way« imitierte Tukur ein Trompetensolo und erfand eine völlig skurrile Geschichte, verortete die Wurzeln der Familie Miller zwischen Trochtelfingen und Burladingen auf der Schwäbischen Alb.

Mit Gerhard Winklers »So wird’s nie wieder sein« stimmten »Tukur & die Rhythmus Boys« auf das nahende Kon-zertende ein. Sie entließen ein Publikum, das zwei Stunden lang blendend unterhalten wurde.

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