Mit einem Stock in der Hand watet ein Mann durch das etwa knietiefe Wasser der "Bleiche" in Bergheim bei Ortenberg in der Wetterau. Hier hatte ein Bewohner des Ortes nach eigenen Angaben ein etwa einen Meter großes Krokodil entdeckt und fotografiert. FOTO: DPA
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Mit einem Stock in der Hand watet ein Mann durch das etwa knietiefe Wasser der "Bleiche" in Bergheim bei Ortenberg in der Wetterau. Hier hatte ein Bewohner des Ortes nach eigenen Angaben ein etwa einen Meter großes Krokodil entdeckt und fotografiert. FOTO: DPA

Echtes Krokodil oder Attrappe?

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Ortenberg(dpa/bf) Ein angeblich lebendiges Krokodil sorgt für Schlagzeilen und Rätselraten. Das Reptil war vor wenigen Tagen in der "Bleiche" zwischen Bergheim und Bleichenbach gesichtet und fotografiert worden - ist möglicherweise aber eine Attrappe. Nach Hinzuziehung eines weiteren Experten seien "ernsthafte Zweifel" an der Echtheit aufgekommen, teilte der Leiter des Haupt- und Ordnungsamtes, Lars Wagner, am Dienstagnachmittag mit. Eine abschließende Einschätzung sei jedoch erst möglich, wenn "konkrete Beweise" für den Fall vorliegen.

"Bis dahin ist es aber im Rahmen der Verhältnismäßigkeit angebracht, unsere gestrige Einschätzung der Lage zu überdenken und ein Stück weit Entwarnung zu geben." Die Stadt war zunächst davon ausgegangen, dass es sich um ein echtes Krokodil handelt und hatte ebenso wie die Polizei dazu aufgerufen, weitere Sichtungen zu melden. Eine Gefahr für Menschen gehe nicht von dem Tier aus, hatte noch am Vormittag eine Polizeisprecherin gesagt. Jedoch sollten Viehhalter aufmerksam sein und Hundebesitzer ihre Tiere anleinen. Die Warnung wurde auch auf der Facebook-Seite der Stadt gepostet.

Der Stadt zufolge hatte ein Bürger das Reptil vergangenen Donnerstag gesehen, mit seinem alten Smartphone aufgenommen, das Foto entwickelt und der Stadt übergeben. Durch die Mäharbeiten des Mannes sei das Reptil verscheucht worden. Ein zoologischer Berater habe die Echtheit des Jungtieres bestätigt.

Auf dem Foto ist ein kleines Krokodil zu sehen, das mit seinem Kopf aus einem Schilfversteck hervorschaut. Zweifel seien dann aber nach einem längeren Gespräch mit dem Kurator des Frankfurter Zoos, Johannes Köhler, aufgekommen, teilte die Stadt weiter mit. "Ich halte es nach wie vor für ein Plastikkrokodil", sagte Köhler. Er ist nach eigenen Angaben auch für Reptilien zuständig. Die Fotoaufnahme sei zwar schlecht. Doch man könne beispielsweise besonders große Augenwülste erkennen und fast sechseckige Schuppen, was ungewöhnlich für ein Krokodil sei. Zudem seien die Pupillen des Tieres rund und geweitet, tagsüber hätten diese aber schlitzartig sein müssen. Das alles mache ihn sehr sicher, dass es sich um eine Attrappe handele - solche würden übrigens auch im Online-Handel angeboten.

PETA fordert harte Strafe

Auch Uwe Ringelhan, Leiter Reptilienauffangsstation für die Länder Nordrhein-Westfalen und Hessen in Sontra, äußerte in der Radiosendung "hr4 am Nachmittag" Zweifel an der Geschichte. Die Beschuppung über den Augen stimme nicht, ebenso wenig die großen schwarzen Pupillen. Bei einem gestressten Tier könnten sie schon mal schwarz werden, allerdings nicht so groß. Für Ringelhan steht fest, dass da jemand mit Photoshop am Werk war.

Ob echt oder nicht: Der Fall verweist auch auf einen ernsten Hintergrund. Immer wieder werden gerade kleinere Krokodile ausgesetzt, wie Frank Velte berichtet, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Darmstädter Zoo Vivarium. Die Haltung von Reptilien könne Besitzern zu teuer werden. Diese sei zudem angesichts diverser Mindeststandards aufwendig. Ausgesetzte Krokodile hätten in Deutschland keine Überlebenschance, da die Tropen- und Subtropentiere nicht mit dem Frost hiesiger Breiten klarkämen. Die Tierrechtsorganisation PETA forderte unterdessen in einer Mitteilung harte Strafen für den möglichen Halter und ein generelles Haltungsverbot von exotischen Tieren in Privathaushalten.

Eine andere Sichtung eines Krokodils gab es in Unstrut in Sachsen-Anhalt. Krokodile seien wechselwarme Tiere, die sich Temperaturen von über 20 Grad ebenso wie dem einstelligen Bereich anpassen könnten, berichtet der promovierte Forscher Oliver Wings von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Ein aus einem Terrarium stammendes Tier würde sich vermutlich in Freiheit erst einmal irgendwo am Fluss verstecken und abwarten, bis die Sonne scheint, um für den Körper ausreichend Wärme zu tanken. Zudem sei es im Gegensatz zu frei lebenden Tieren an die Fütterung durch den Menschen gewöhnt.

Und wie geht es im Fall des Ortenberger Krokodils weiter? Wenn es sich nicht um ein echtes Reptil handelt, dann womöglich um einen "bösen Streich", überlegt Lars Wagner vom Haupt- und Ordnungsamt. Ermittlungen würde man in dem Fall aber wahrscheinlich nicht anstellen.

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