Der Vorsitzende Richter Klaus Bergmann muss im Prozess viel Geduld zeigen. FOTO: KHN
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Der Vorsitzende Richter Klaus Bergmann muss im Prozess viel Geduld zeigen. FOTO: KHN

Drogenprozess als Geduldsprobe

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Gießen(khn). Ein Montagmorgen kann schon für sich eine lästige Angelegenheit sein. Noch unerquicklicher ist es, wenn man an einem Montag in einem Strafverfahren sitzt, in dem zwei Anwälte Antrag um Antrag zum Verfahrensablauf stellen, die der geduldige Richter Dr. Klaus Bergmann jeweils nach kurzer Beratung mit seinen Kollegen zurückweist. Der Prozess kommt so inhaltlich nur langsam voran.

So auch am Montag in der Kongresshalle. Dort stehen nach einer mehrwöchigen Pause wieder sieben Männer vor Gericht. Sie sollen unter dem Namen "Chemical Revolution" bandenmäßig unerlaubt mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge gehandelt zu haben.

Die Frankfurter Anwälte Till Gutsche und Florian Dick, die den Hauptangeklagten und mutmaßlichen Kopf der Gruppe Daniel B. vertreten, hatten bereits an vorherigen Verhandlungstagen immer wieder den Prozess durch penetrante Verteidigerarbeit ins Stocken gebracht. Dabei bleiben sie aber inkonsequent, weil sie trotz der Ablehnungen erneut keinen Befangenheitsantrag gegen das Gericht stellen. Ziel dürfte vor allem eine mögliche Revision nach dem Urteil des Landgerichts sein. Denn es ist ein Revisionsgrund, wenn Anwälte aufzeigen können, dass die Verteidigung ihres Mandanten durch das Gericht erschwert worden ist.

Kein Wunder: Am Ende des Prozesses könnten hohe Haftstrafen stehen. Der Strafrahmen liegt zwischen fünf und 15 Jahren. Die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt wirft den Angeklagten zwischen 25 und 44 Jahren vor, unter anderem mit 130 Kilogramm Amphetamin, 42 Kilo Cannabis und sechs Kilo Kokain gehandelt zu haben. Die Drogen sollen über Kuriere von den Niederlanden aus nach Deutschland transportiert und dort in Ferienwohnungen deponiert worden sein - unter anderem in Ortenberg in der Wetterau.

"Kunden" des im Internet und Darknet ansässigen Shops konnten die Betäubungsmittel bestellen und erhielten sie per Post. Die Angeklagten sind deutsche, niederländische und polnische Staatsbürger. Sie sollen zwischen 2017 und 2019 umgerechnet eine Million Euro in der Kryptowährung Bitcoin erlangt haben.

Kritik an Verhör

Im Mittelpunkt des Verhandlungstags am Montag standen die Aussagen zweier Ermittler des Bundeskriminalamts. Sie hatten einen der mutmaßlichen Kurierfahrer unabhängig voneinander vernommen. Der Grund: Es habe Widersprüche zwischen den Aussagen der beiden mutmaßlichen Drogentransporteure gegeben, sagt ein 48 Jahre alter BKA-Beamter. Dessen zehn Jahre jüngerer Kollege berichtet dem Gericht, in seiner ersten Vernehmung habe der Angeklagte mehrere Personen, die an "Chemical Revolution" beteiligt sein sollen, auf Lichtbildern erkannt. Auch den Autohandel des Niederländers, der die Betäubungsmittel besorgt haben soll, habe er identifizieren können. Deutliche Kritik an den zwei Vernehmungen äußerten die Gießener Rechtsanwälte Alexander Hauer und Frank Richtberg wegen diverser handwerklicher Unzulänglichkeiten. - Der Prozess wird fortgesetzt.

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