Optimistisches Abwarten

  • VonUdo Dickenberger
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Wenn sich das Leben normalisiert, kann wieder Vereinssport getrieben werden. Doch welche Auswirkungen hat die Pandemie auf Turnvereine? Wie könnte ein Neustart aussehen? Welche Abteilungen sind am stärksten betroffen, welche am wenigsten? Wöllstädter und Niddataler Vereinsmitglieder erzählen.

Raimund Klingl, der Vorsitzende des Tennisclubs Wöllstadt, hat angesichts der aktuellen Situation den Eindruck, dass es bald wieder zu einer normalen Situation der Vereine kommen wird. Entscheidend sei, dass die Sportvereine vorwiegend im Freien ihre Vereinstätigkeiten durchführen können. Der Tennisclub habe im Winter eingeschränkte Möglichkeiten gehabt, Tennis zu spielen. Aber es habe gespielt werden können. Eine vom Tennisclub für den Sommer angebotene Ballschule für Kinder zwischen drei und fünf Jahren sei nach wenigen Tagen mit drei Kursen komplett belegt.

Alle Eltern und Kinder seien froh, wieder die Freizeit normal zu gestalten, sei es auch nur für eine Stunde. Diese Möglichkeit gelte leider nicht für Gesangvereine oder Vereine, die in Hallen ihre Aktivität ausüben. Diese Vereine seien gleichwohl tragende Säulen der Kultur in den jeweiligen Städten und Gemeinden.

Heinz Malek ist der Vorsitzende des Sportvereins Nieder-Wöllstadt und des Sozialausschusses der Gemeindevertretung Wöllstadt. Er glaubt, wenn die Impfaktionen zügig voranschreiten, gegen Ende des Jahres wieder ein halbwegs normales Dorfleben möglich sei »und die Bürger dann etwas nachzuholen haben«. Ein Neustart könne möglicherweise mit Weihnachtsfeiern der Vereine, Karneval und einer Kerb beginnen.

Nur geringer Mitgliederschwund

Vereine, die Outdoor-Sportarten betreiben, würden eher mit Aktivitäten beginnen können. Ein Vereinssterben infolge der Pandemie erwarte er nicht. Ob alles wieder sein werde wie früher, könne man schlecht sagen, da sich auch ohne Corona einiges verändert hätte, »aber für die Zukunft bin ich optimistisch«.

Harald Bolte ist der Vorsitzende des Tischtennisclubs (TTC) Ilbenstadt. Er erläutert, der Trainings- und der Spielbetrieb ruhten seit März 2020. Der TTC warte sehnlichst darauf, einen geregelten Betrieb aufnehmen zu können. Er hofft, dass gerade Schüler und Jugendliche dann den Weg ins Training finden. Durch die Pandemie fehlten dem TTC die Einnahmen aus den Veranstaltungen, aus der Kerb und dem Martinsmarkt; die Gebühren und Kosten vom Landessportbund (LSB) und dem Hessischen Tischtennisverband (HTTV) liefen jedoch weiter. Der Neustart hänge von den Vorgaben des HTTV ab und sei noch unklar. Für den TTC sei wichtig, dass er ein geregeltes Training aufnehmen könne, alles Weitere müsse sich ergeben. Ein erfreulicher Aspekt sei, dass nur ein geringer Mitgliederschwund zu beklagen sei. Bolte fasst zusammen: »Die Mitglieder halten dem TTC auch in schweren Zeiten die Treue - das ist das Positive, das wir aus der Pandemie mitnehmen können.«

Ulrich Domes ist Sportwart des TTC Assenheim. Der fehlende Wettkampfbetrieb und teilweise ausgesetzte oder stark eingeschränkte Trainingsmöglichkeiten hätten den Verein und die Mitglieder in ihrem sportlichen Engagement sehr belastet.

Hoffentlich bald wieder boßeln

Dennoch sei anhand persönlicher Rücksprachen, jedenfalls im Erwachsenenbereich, eine sehr hohe Bereitschaft und der Wunsch zu erkennen, wieder am regulären Wettkampf- und Trainingsbetrieb unter normalen Umständen teilnehmen zu dürfen. Auf Schüler- und Jugendebene müsse abgewartet werden, wie sich gegebenenfalls die Interessen verschoben hätten. Einen größeren Mitgliederschwund verzeichne der TTC nicht, sodass finanzielle Engpässe vermieden werden konnten. Sobald es die gesundheitlichen und rechtlichen Möglichkeiten zulassen, könne eine kurzfristige Rückkehr in den Trainingsbetrieb erfolgen. Für den Mannschaftswettkampfbereich werde dann mit einem Regelbetrieb geplant.

Die Boßelsportler des Turnvereins Vorwärts Ilbenstadt gelten als Aushängeschild des Clubs. Manfred Steidl, der Übungsleiter, stellt fest, dass die Gymnastiktruppe bis jetzt alles gut überstanden hat. Von 15 Aktiven sei lediglich einer in Quarantäne gewesen, aber vollkommen gesund. Alle anderen erfreuen sich bester Gesundheit. Sobald Hessen den Sport freigibt, seien die Sportler wieder auf der Matte, »und natürlich auch wieder auf der Boßelstrecke an der Nidda«.

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