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Zwischen Ökologie und Ökonomie

  • vonAnnette Hausmanns
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Ober-Mörlen(hau). Seit wenigen Jahren ist es üblich, dass sich das Ober-Mörler Gemeindeparlament jährlich im Kommunalwald vor Ort ein Bild über dessen Pflege und Bewirtschaftung macht.

Am Samstag trafen sich Politiker und interessierte Bürger am Winterstein, um mit den Fachleuten vom zuständigen Forstamt Weilrod auf Entdeckungsreise zu gehen. Sie freuten sich über die Gelegenheit, den neuen Forstamtsleiter Jörg Deutschländer-Wolff kennenzulernen, mit Revierförster Bernd Pogodda und auch mit Uwe Nein, Bereichsleiter Produktion, ins Gespräch zu kommen.

Alle zeigten sich dankbar für den fachlich begleiteten Ortstermin, noch dazu bei goldenem Oktoberwetter. Wald- und Wegeschäden standen ebenso auf der Tagesordnung wie Artenvielfalt, Wasserhaushalt und Wirtschaftlichkeit. Im Auftrag der Gemeinde kümmere sich das Forstamt um 350 Hektar Wald, riefen die Experten in Erinnerung. Schwerpunkte der Nutzung werden laut Gesetz über die "Forsteinrichtung" in einem Zehn-Jahresplan festgelegt.

Fichtenbestand schrumpft extrem

Natürlich halte man sich an die Vorgaben der Gemeinde, der langfristige Plan sei aber nicht in Stein gemeißelt. Dank der jährlichen Anpassung im Waldwirtschaftsplan könne man auf Entwicklungen und Wünsche eingehen. Foren wie die Waldbegehung seien hilfreich, um Zielvorstellungen gemeinsam zu entwickeln und den Spagat zwischen den verschiedenen Funktionen des Waldes (Wirtschaftlichkeit, Ökologie, Freizeit) zu schaffen.

Die Politiker erfuhren, dass Ober-Mörlen in der glücklichen Lage sei, über drei Viertel Laubwald (davon drei Viertel Eichen) und ein Viertel Nadelwald (davon die Hälfte Fichten) zu verfügen. Bisher habe man gute Gewinne erzielen können. Für das kommende Jahr müsse man nach derzeitigem Kenntnisstand mit einem Minus von rund 25 000 Euro rechnen. Trockenheit, geschwächte Bäume und der Borkenkäfer hätten dazu geführt, dass heuer 3000 Festmeter Fichten eingeschlagen werden mussten. "Zu hundert Prozent Schadholz", berichtete Revierförster Pogodda. Der Fichtenbestand sei auf ein Viertel geschrumpft.

Den Einschlag anderer Baumarten habe man deshalb gebremst. Fürs kommende Jahr plane man die Versorgung der Bürger mit Brennholz sowie die Ernte von etwas Laubholz, um Einnahmen zu generieren. "Sonst lägen die Verluste schnell bei 100 000 Euro." Sie versuchten, bei der Wiederbewaldung möglichst viele Baumarten einzubringen, auf eine Vielfalt zu setzen, die zum Standort passe und mit der Klimaentwicklung hoffentlich zurechtkomme.

Am Beispiel eines abschüssigen Grenzweges zwischen Gemeinde- und Privatwald veranschaulichten die Forstleute die Bedeutung des Wegebaus im Wirtschaftswald, aber auch die verheerenden Auswirkungen von zunehmenden Starkregen, noch dazu auf staunassen Böden. Dem Weg hatten heftige Regengüsse übel zugesetzt. Die Wiederherstellungskosten auf 700 Metern Länge bezifferte Pogodda mit 14 000 Euro, davon würden 9000 Euro aus EU- und Landesfördermitteln finanziert.

Ein gepflegtes Eichenwaldstück diente Pogodda und Deutschländer-Wolff als Beispiel für die natürliche Verjüngung des Baumbestandes. Begünstigt durch zwei frostarme Winter, habe sich der Eichennachwuchs hier schon prima gemacht. Die kostbaren Pfahlwurzeln der Eiche könnten sich vor Ort tief in die Erde bohren - anders als bei der Kunstverjüngung, bei der sie für den Transport gekappt würden.

Keine Infos zum Windpark

In der Debatte um Windkraftanlagen im Wintersteinwald bedauerte der neue Forstamtsleiter, noch nicht in das Thema eingearbeitet zu sein. Dazu aber so viel: Ober-Mörlen habe keine eigenen Waldflächen im Vorranggebiet. Umgekehrt liege ein Vorrangflächenteil auf Ober-Mörler Gemarkung. Falls hier Anlagen entstünden, bekomme die Gemeinde eine Dividende ausgezahlt. Die interkommunale Entscheidung über den Bebauungsplan stehe noch aus. Nähere Informationen werde sein seit Langem mit dem Thema befasster Stellvertreter, Thomas Götz, der Kommune zukommen lassen.

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