Am Tag danach: Auf den Hinweisschildern kann man lesen, dass Geschäftskunden die Volksbank zu deren Öffnungszeiten durch den hinteren Eingang betreten können.
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Am Tag danach: Auf den Hinweisschildern kann man lesen, dass Geschäftskunden die Volksbank zu deren Öffnungszeiten durch den hinteren Eingang betreten können.

Ober-Mörlen

Überfall auf Volksbank: Explosion weckt Nachbarn – Online-Video ärgert Polizei

  • VonAnnette Hausmanns
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Eine laute Detonation weckt die Nachbarn des Ober-Mörler Volksbankgebäudes aus dem Schlaf. Einer vermutet einen Unfall und will helfen. Doch dann steht er einem Bankräuber gegenüber.

Ober-Mörlen – »Wer denkt denn daran, dass da gerade Geldautomaten gesprengt wurden?«. Als der Nachbar der Volksbank in Ober-Mörlen (Wetterau) Dienstagfrüh gegen 3.30 Uhr einen lauten Knall hört und eine derartige Erschütterung spürt, dass die Gläser im Regal klirren, fällt ihm als Erstes ein Unfall ein.

Als er aus dem Fenster nichts sehen kann, zieht er sich schnell an, um draußen zu schauen, was passiert ist. »Ich glaubte, vielleicht Erste Hilfe leisten zu können«, berichtet er. Bald muss er erkennen, dass die Detonation von der Volksbank zwei Häuser weiter herrühren muss - und dass das kein Unfall war. Schlagartig wird dem »Ersthelfer« bewusst, dass hier die Geldautomaten gesprengt worden sein müssen. Davon höre man ja in letzter Zeit oft. Vor dem Volksbankgebäude sieht er einen Wagen mit offenem Kofferraumdeckel stehen, aus dem Gebäude quillt dichter Rauch.

Geldautomaten in der Wetterau gesprengt: Wie in billigem Ganoven-Film

Der Zeuge geht näher ran, um sich von dem Überfall so viele Details wie möglich einprägen und sie später der Polizei berichten zu können. Auch die Nachbarn an den Fenstern rundum nimmt er wahr. Da er in der Eile seine Brille nicht aufgesetzt hat, nähert er sich dem Wagen »so auf zweieinhalb Meter ungefähr«, um das Nummernschild entziffern zu können.

Vier Männer rennen seiner Schilderung zufolge dann laut in ihrer Muttersprache rufend (»die konnte ich nicht identifizieren«) aus der Bank heraus, drei hätten sich ins Auto geschwungen und einer sich auf Englisch schimpfend an ihn selbst gewandt.

»Der hob den Arm und die Hand in meine Richtung so wie in einem billigen Ganovenfilm«, berichtet Euler. Es müsse tatsächlich so ausgesehen haben, als wolle der Unbekannte schießen. »Angst hatte ich nicht, ich habe noch überlegt, den Mann zu schnappen und bin einen Schritt vorwärts gegangen«, erzählt der unerschrockene Nachbar.

Raubüberfall in Wetteraukreis: Gefährliche Lage erst später erkannt

Dass der maskierte Räuber bewaffnet sein könnte, daran habe er in dem Moment nicht gedacht, nur so viel: »Die anderen wären sicher ohne ihren Komplizen losgefahren, das hätte sonst alles zu lange gedauert.« Dann habe jemand aus dem Auto gerufen, der Mann habe sich umgewandt und sei ins Auto gesprungen, bevor dies sofort losgebraust sei. Wie gefährlich die Lage eigentlich war, sei ihm erst später im Gespräch bewusst gemacht worden. Einige Nachbarn seien hinausgekommen, als das Fluchtfahrzeug weg war.

Das Gebäude habe verheerend ausgesehen, überall seien noch Geldscheine herumgeflogen. Niemand habe den Tatort betreten. Dann seien Polizei und Feuerwehr gekommen. Bei dem nächtlichen Überfall auf das Geldinstitut entstand erheblicher Sachschaden, den die Polizei auf mehrere Hundertausend Euro bezifferte. Von den Tätern fehlte auch gestern noch jede Spur, wie die Polizei in Friedberg auf Anfrage mitteilte.

Videos gehören zur Wetterauer Polizei und nicht ins Netz

Von dem Überfall auf die Volksbank Ober-Mörlen gibt es auch ein Video, dass im Internet fleißig wahrgenommen und geteilt wird - nicht gerade zur Freude der Ermittler. »Das ist nicht besonders glücklich für uns«, sagt Pressesprecher Tobias Kremp von der Polizei in Friedberg. Durch die Veröffentlichung gelange zum einen Täterwissen in die Öffentlichkeit. Zum anderen kann es sein, dass die Täter nach Ansicht des Videos sich beispielsweise auffälliger Kleidungsstücke entledigen könnten, die den Ermittlern aber zur Identifizierung der Beteiligten dienlich wären.

Es sei prinzipiell gut, wenn eine solche Tat gefilmt wird und als Beweismaterial zur Verfügung stehen kann, so Kremp. Es sei aber schlecht, wenn es in die Öffentlichkeit gelange anstatt zur Polizei. Und: Es sei nicht ausgeschlossen, dass Rückschlüsse möglich sind, von wo aus gefilmt wurde oder wer die Aufnahmen gemacht hat. »Das Internet vergisst nichts«, warnt der Polizeisprecher. (rüg)

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