Vom früheren Führerhauptquartier "Adlerhorst" sind noch Gebäude vorhanden.
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Vom früheren Führerhauptquartier »Adlerhorst« sind noch Gebäude vorhanden.

Dorf zerstört

Vor 75 Jahren: Bomben auf Hitlers »Adlerhorst«

  • vonMatthias Pieren
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Am 19. März 1945 - vor genau 75 Jahren - hoben 30 Jagdbomber der US-Luftwaffe in drei Staffeln mit dem Ziel östlicher Taunus/Wetterau von einem französischen Militärflugplatz ab. Sie brachten Tod und Zerstörung.

Sie sollten wenige Stunden später ihrem furchteinflößenden Namen gerecht werden: In Ziegenberg brachten die drei Staffeln viel Leid und Zerstörung. Wie Blitze aus heiterem Himmel jagten sie über Ziegenberg und Langenhain und warfen ihre todbringenden Bomben ab.

Davon weiß Bernd Vorlaeufer-Germer zu berichten, der wie kein anderer die Zeit des Nationalsozialismus im Hochtaunuskreis und der östlichen Wetterau erforscht hat.

Hitlers »Adlerhorst«: Bunker-Umfeld komplett zerstört

Ob der gezielte Bombenangriff der Tiefflieger militärstrategisch als Erfolg zu bezeichnen war, soll hier nicht bewertet werden. Tatsache ist, dass bei den drei Angriffswellen um 13.35 Uhr mit 16 »Thunderbolts«, um 13.45 Uhr mit 14 und um 13.55 Uhr mit 11 »Thunderbolts« nicht nur die militärischen Anlagen im Umfeld des Bunker-Systems »Adlerhorst« komplett zerstört wurden.

Was war der Grund für diesen 30-fachen »Donnerschlag? Vorlaeufer-Germer erläutert die geschichtlichen Zusammenhänge: »In der Endphase des Zweiten Weltkrieges verhörte der amerikanische Militärgeheimdienst CIC systematisch deutsche Kriegsgefangene, um zu erfahren, wohin die Nationalsozialisten das Oberbefehlskommando West nach der Landung der Alliierten in der Normandie verlagert hatten«, so der Lokalhistoriker.

Blick vom (unversehrten) Schlossturm über den in drei Luftangriffen zerstörten Ort Ziegenberg in Richtung Osten. Die zum Führerhauptquartier gehörende Garage im Hintergrund blieb unbeschädigt.

Im Oktober 1944 wurde das für die Westfront verantwortliche Kommando aus dem Kölner Raum tatsächlich an den Westrand des Wetteraukreises verlegt. Dort wurde noch vor Kriegsbeginn im sicheren Windschatten des Taunus und für französische Ferngeschütze nicht erreichbar das Führerhauptquartier »Adlerhorst« errichtet. Das gigantische Bunkersystem zieht sich noch heute von der Abzweigung im Usatal in Ziegenberg in Richtung Wiesental unterhalb des Schlosses Ziegenberg beginnend durch den Schneiderwald. In der militärischen Planung der Nazis war der »Adlerhorst« als Oberbefehlszentrale für die geplante, aber nie realisierte Invasion Englands vorgesehen.

Dann der Angriff: Die drei Jagdbomberstaffeln des Typs »Thunderbolt« erreichten nacheinander Bad Nauheim, drehten eine Schleife um sich von Osten her entlang der damaligen Reichsstraße 275 der kleinen Ortschaft am Osthang des Taunus zu nähern. »Durch die Verhöre wurden exakte Skizzen von Schloss Ziegenberg und dem ›Adlerhorst‹ angefertigt. Ebenso brachte die Einsatzleitung der amerikanischen Besatzungstruppen in Erfahrung, dass die Bunkerbesatzung zur Mittagszeit fast geschlossen das Bunkersystem verließ, um in Holzbaracken im Eingangsbereich des Adlerhorstes das Mittagsessen einzunehmen. Das war der Moment, in dem die Jagdbomber zuschlagen sollten«, berichtet Vorlaeufer-Germer.

Hitlers »Adlerhorst«: 1500 Gallonen Napalm

Vor allem der Ort Ziegenberg wurde durch die Bombardierung mit herkömmlichen Sprengbomben und mehr als 1500 Gallonen Napalm in Schutt und Asche gelegt. Neben dem Schloss wurden 16 Häuser völlig zerstört. Fünf Bürger des Ortes wurden bei dem Luftangriff getötet.

Alliierte Streitkräfte bei Reparaturarbeiten in der Usinger Straße in Langenhain-Ziegenberg, wo am 19. März 1945 Bomben einschlugen.

Der Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion, Albert Speer, und das gesamte Oberbefehlskommando konnten sich rechtzeitig aus dem Schloss Ziegenberg über Rettungsstollen in das Bunkersystem zurückziehen. Sie überlebten die komplette Zerstörung des Schlosses.

Die Zahl der getöteten Soldaten und Mitarbeiter der Wehrmacht wird auf acht beziffert. Kurz vor dem Einrücken der amerikanischen Heeres-Besatzungstruppen am 31. März 1945 von Usingen aus kommend, verließ das Oberbefehlskommando den »Adlerhorst« und die Wehrmachtssoldaten zerstörten den Eingangstrakt und die Funktionsräume des Bunkersystems.

Eine spezielle, äußerst widerstandsfähige und im Laufe der Jahre immer stabiler werdende Stahlbetonarmierung des Bunkersystems führte dazu, dass das Bombardement keinerlei Schaden erlitten hatte. Im April kamen sowjetische und amerikanische Luftwaffenoffiziere nach Ziegenberg und zu dem Bunker, um ihren militärischen Erfolg in Augenschein zu nehmen.

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