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Verfolgungsjagd

Waghalsige Flucht im Stau: 47-Jähriger muss in Haft

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Ein 47-Jähriger ist derart waghalsig vor einer Polizeikontrolle auf der A 5 bei Friedberg geflohen, dass er dabei einen Beamten in der Autotür mitschleifte. Dafür geht er nun ins Gefängnis.

Bis zur Urteilsberatung beharrte der dreifache Familienvater, mit Wohnsitz in Bukarest, auf seiner Version des Vorfalls: "Das ist alles eine Verwechselung. Ich war noch nie in meinem Leben vorher in Friedberg und deshalb kann ich das alles, was mir hier zur Last gelegt wird, gar nicht gewesen sein", beschwor der Angeklagte.

Vorgeworfen wird ihm vorsätzliche Gefährdung und der Eingriff in den Straßenverkehr in Tateinheit mit Körperverletzung, Fahrerflucht und Widerstand gegen einen Vollziehungsbeamten.

Mit Vollgas und in Schlangenlinien

Im Juli 2016 wurde in Frankfurt nach einem grünen ?koda mit polnischem Kennzeichen und den zwei Insassen gefahndet, die sich als falsche Polizisten ausgegeben hatten. Kurz vor der Abfahrt Friedberg entdeckte die Polizei den ?koda mitten im Stau.

Zunächst schien der Fahrer der Aufforderung, an den Rand zu fahren und anzuhalten, nachzukommen. Doch als die Beamten aus ihrem Fahrzeug aussteigen wollten, um die beiden Insassen des ?kodas zu kontrollieren, gab der Fahrer plötzlich Vollgas und fuhr in Schlangenlinien, jede freie Lücke nutzend, zwischen den Fahrzeugen im Stau hin und her – bis zur Abfahrt Bad Nauheim. Dort verließ er die Autobahn, wurde dann aber sofort von der Polizeistreife gestellt. Er fuhr in einem gewagten Fluchtversuch zurück auf die Autobahn in Richtung Kassel.

Beamten einige Meter mitgeschleift

Doch die Polizei war auch dieses Mal schneller. Der Streifenwagen konnte das Fluchtfahrzeug erneut stoppen. Dieses Mal zog einer der Beamten seine Dienstwaffe, während der andere startbereit im Streifenwagen blieb. Zunächst machte der Fahrer des ?kodas auch Handzeichen, dass er aufgeben wolle. Als aber der Beamte mit erhobener Waffe die Wagentür öffnete, um die Insassen zum Aussteigen zu bewegen, gab der Fahrer des Fluchtfahrzeuges erneut Gas, fuhr rückwärts und schleifte den Polizeibeamten einige Meter mit der offenen Autotür mit über die Autobahn. Weil er seine Fahrt in entgegengesetzter Fahrtrichtung fortsetzte, gefährdete er dabei auch eine ganze Reihe Fahrzeuge, die auf der A 5 in Richtung Kassel unterwegs waren. Da die Polizeibeamten nicht gegen die Fahrtrichtung fahren durften, entkam der ?koda mit den beiden Insassen.

Das Fahrzeug wurde Tage später bei einem Autohändler vorgefunden, der das Auto aber vor dem Tattag gekauft und auch gleich weiter in Richtung Italien verkauft haben will. Die Frage, vor dem das Gericht in Friedberg nun stand: War der Angeklagte der Fahrer und steht er deshalb zu Recht vor Gericht? Der einzige Zeuge, der den Fahrer des ?koda beim Öffnen der Fahrertür auf der Autobahn von Angesicht zu Angesicht gesehen hatte, war der Polizist, der mit erhobener Waffe auf das Fluchtfahrzeug zugegangen und die Tür geöffnet hatte.

Eindeutig identifiziert

Er war sich 100 Prozent sicher, dass es sich bei dem Angeklagten um den Fahrer handelte. Er hatte ihn schon vorher unter den Fahndungsfotos nach den falschen Polizisten identifiziert, woraufhin gegen den Angeklagten Haftbefehl erging. Für die Staatsanwaltschaft und auch später für das Gericht reichte die Aussage des Beamten. "Die Polizei weiß, worauf sie bei Festnahmen achten muss und welches Merkmal für die spätere Identifizierung wichtig ist und welche nicht", sagte Richter Dr. Markus Bange in seiner Urteilsbegründung. Die Aussage eines geschulten Polizeibeamten wiege für das Gericht schwerer als das Leugnen des Angeklagten. Und weil durch die Fluchtversuche so viele Menschen ernsthaft gefährdet waren, schloss sich der Richter der Forderung der Staatsanwaltschaft nach zwei Jahren und acht Monaten Gefängnis an.

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