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Mit den Jahreszeiten ändert sich das Wetter - und genau das mag Andreas Geck. »Ich würde nicht gerne an einem Ort leben, an dem das Wetter das ganze Jahr gleich ist«, sagt.

Wetterstation

Vom Wetter und Wechsel

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Andreas Geck erfasst Wetterdaten mit seiner privaten Station auf dem Dach seines Hauses in Ober-Mörlen. Er erzählt von seiner Station und wie er versucht hat, das Wetter am Tag des Dorfbrandes vor über 300 Jahren zu rekonstruieren.

Es muss ein heißer Sommertag gewesen sein. Der 27. Juli 1716, der Tag des großen Dorfbrands. Die meisten Dorfbewohner arbeiten draußen auf dem Feld, als ein Feuer im Ort ausbricht. Innerhalb von zwei Stunden brennt ganz Ober-Mörlen.

300 Jahre später, im Jahr 2016, gedenkt die Gemeinde dieses Ereignisses mit Veranstaltungen, zum Beispiel mit Vorträgen. Auch Andreas Geck bereitet etwas vor - zu seinem Spezialgebiet: dem Wetter.

Der Hobbymeteorologe kann eine Menge über das Wetter erzählen: wie es heute ist, wie es vor zehn Tagen, Wochen oder Jahren war. Aus welcher Richtung der Wind weht und wie stark. Oder wie viel Regen fällt.

Seit Jahren hat er auf seinem Dach in der Sandgasse eine private Wetterstation. Die Messwerte veröffentlicht er auf seiner Web-Seite.

Als 1716 das komplette Dorf abgebrannt ist, gab es noch keine Wetteraufzeichnungen. »Man kannte damals zwar schon Flüssigkeitsthermometer, aber das war nichts, was man auf dem Dorf hatte«, sagt Geck. »Ich bezweifele, dass es in Ober-Mörlen damals ein einziges Thermometer gab.« Dennoch recherchierte der Hobbymeteorologe, wollte herausfinden, ob es Faktoren gab, die die schnelle Ausbreitung des Feuers begünstigt hatten. Die Quellen dazu fand er hauptsächlich im Stadtarchiv in Friedberg - Berichte über die Ernte im Sommer 1716 beispielsweise, über die sich Informationen zum Wetter herleiten lassen. »Ich habe ein paar Indizien gefunden, die darauf hindeuten, dass es ein sehr trockener Sommer gewesen ist.«

Heutzutage ist das anders. Um das Wetter an einem bestimmten Tag herauszufinden, braucht es keine aufwendige Archivsuche mehr. Schon seit 150 Jahren nicht, erklärt Geck. So lange reichen die Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes zurück. Wer also wissen möchte, wie das Wetter am 23. März, allerdings im Jahr 1921 oder 1955 gewesen ist, kann dort eine Anfrage stellen (allerdings kostenpflichtig).

Ganz so weit gehen die Daten von Andreas Geck nicht zurück. Mit seinen Messungen hat er Mitte der 1990er begonnen; zuerst ganz klassisch: Temperatur, Luftdruck, Feuchtigkeit. Später rüstete er auf elektronische Messgeräte um, seine jetzige Anlage hat er seit 2013. Die Daten, die dort erfasst werden, werden direkt auf den PC übertragen und auf der Web-Seite dargestellt.

Dort finden sich die Messwerte sowie errechnete Werte. Dazuzählt zum Beispiel die Angabe der gefühlten Temperatur. Gestern zum Beispiel betrug die Lufttemperatur am Vormittag 7,0 Grad. Gefühlt waren es jedoch 5,5 Grad. Wie man das feststellt? Mit einer Formel, erklärt Geck. Um die gefühlte Temperatur zu errechnen, fließen Messwerte ein, etwa die Luftfeuchtigkeit. Wenn also an einem ohnehin kalten Wintertag die Luftfeuchtigkeit hoch ist, kommt es einem kälter vor, als es eigentlich ist.

Eine weitere Angabe auf der Web-Seite ist der UV-Index. Auch ein errechneter Wert, der auf einer Skala von 0 bis 9 die Intensität der Strahlen darstellt.

Als es minus 24 Grad waren

Die Daten rund ums Wetter archiviert der Ober-Mörler - auch auf der Web-Seite. In einem »Logbuch« hält er zudem besondere Wetterereignisse fest. Zum Beispiel ist dort nachzulesen, dass das Thermometer im Winter 2007 einmal minus 24 Grad angezeigt hat. Und dass am 11. Juni 2014 ein Starkregen über Ober-Mörlen niederprasselte.

All das macht Andreas Geck in seiner Freizeit. »Mich interessieren grundsätzlich Naturwissenschaften«, sagt er. »Überhaupt alles, was man messen kann.« Das Wetter eigne sich dafür besonders. »Es ist interessant, es zu verfolgen.« Das finden übrigens auch viele Ober-Mörler. »Der Zuspruch ist groß«, viele schauten regelmäßig auf der Wetterseite vorbei, auf der auch eine Drei-Tage- Vorhersage eingeblendet wird (die allerdings ist von einem externen Dienst).

Andreas Geck hat viel Freude an der Arbeit mit der Wetterstation - die Beobachtungen, die Rückblicke, die Zusammenhänge. Zu sehen, wie sich das Wetter verändert und wie die Jahreszeiten kommen und gehen. »Ich mag die Veränderung. Ich würde nicht gerne an einem Ort leben, an dem das Wetter immer gleich ist.« FOTOS: NIC/SDA

Dass sich das Wetter im Laufe der vergangenen Jahre verändert hat, sieht auch Andreas Geck anhand seiner relativ kurzen Messdauer. »Im Frühjahr und im Herbst regnet es weniger«, sagt er. Und vor allem fehlten die verschneiten Winter, die dafür sorgten, dass Wasser in den Boden sickere und die Grundwasserstände erhöhe. Überhaupt sei es zu trocken. Starkregenereignisse helfen da wenig. Diese sorgten eher dafür, dass der Usa-Pegel steige. Viel mehr, erklärt Geck, müsste über Wochen ein leichter Landregen fallen. Nur so könne ausreichend Wasser in der Erde versickern und die Grundwasserspei- cher könnten sich auffüllen. sda

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