sda_hirsch_260521_1
+
Der »Goldene Hirsch« in Ober-Mörlen ist seit über 200 Jahren ein Treffpunkt im Ort.

»Zum Goldenen Hirschen«

Treffen, kegeln, feiern

  • Sabrina Dämon
    VonSabrina Dämon
    schließen

Die Geschichte des »Goldenen Hirschen« ist gleichzeitig die Familiengeschichte von Kai Schraub. 1801 haben seine Vorfahren die Gaststätte in Ober-Mörlen gegründet.

Jede Generation hat etwas hinterlassen. 1845 zum Beispiel: Josef I. Jeckel und seine Frau Dorothea führen den »Goldenen Hirsch« in zweiter Generation. Wegen der vielen Feste, die in Ober-Mörlen gefeiert werden, erweitert das Ehepaar den Saal im ersten Stock. Oder über 100 Jahre später, als Anni und Josef Roth 1957 die Gaststätte übernehmen, gehen auch sie mit der Zeit. Immer mehr Kegelclubs gründen sich, und so lässt das Wirtsehepaar im Jahr 1964 eine vollautomatisierte Kegelbahn bauen.

Es sind diese Veränderungen, die die lange Tradition des Ober-Mörler Gasthauses prägen. Kai Schraub kennt diese Geschichten sehr gut. Der Ober-Mörler gehört selbst zur Familie, die in siebter Generation den »Hirschen« betreibt. Albrecht und Waltraud Schraub, die den »Hirschen« 1985 übernommen haben, sind seine Eltern. Und die Gründer, Gastwirt Georg Philipp Jeckel und seine Frau Maria, die das Gasthaus in der Frankfurter Straße 14 eröffnet haben, sind seine Großeltern mit fünf »Ur« davor.

In einem Text hat Kai Schraub die Geschichte des »Goldenen Hirschen« und seiner Besitzer aufgeschrieben, die im Jahr 1801 beginnt.

Damals, als der »Goldene Hirsch« zum ersten Mal seine Türen öffnet (in den Kirchenbüchern vermerkt als »Caupona ad Cervus« - »Schenke zum Hirsch«), gibt es nebenan ein weiteres Gasthaus. »Zum weißen Schwan« heißt es und wird von der Familie von Georg Philipp Jeckel betrieben - der Gründer des »Hirschen«.

Über 150 Jahre heißen die Betreiber Jeckel mit Nachnamen, da der Gasthausbetrieb stets an die Söhne übergeben wird. Erst 1957 übernimmt eine Tochter - Anni - mit ihrem Mann Josef Roth den Betrieb. Das Wirtsehepaar Roth baut die erste Kegelbahn.

Im Archiv der Wetterauer Zeitung lässt sich einiges darüber lesen, wie beliebt Kegeln damals gewesen ist. In einem Artikel vom 30. März 1968 heißt es: »Seit einigen Jahren wird auch in Ober-Mörlen eifrig gekegelt. Aus Anlaß der Eröffnung der zweiten vollautomatischen Scherenbahn im Gasthaus ›Goldner Hirsch‹ stiftete eine Firma aus Hannover einen Wanderpokal, ein Bronzepferd.« Die Namen der Clubs, die beim Wettstreit antreten, sind bspw. »Blaue Kugel« (die Gewinner mit 5627 Holz), »Holzwurf 64« oder »Alle Neun«.

Aber nicht nur das Kegeln ist in dieser Zeit eine beliebte Beschäftigung. Kai Schraub schreibt: »Auch die Ober-Mörler Fassenacht erlebte eine regelrechte überörtliche Bekanntheit, und somit fanden Feierlichkeiten wie bunte Kappenabende oder Fassbieranstiche in den Gasträumen statt. Skatspieler, Würfelfreunde, Sängermänner, Frühschoppler und Stammtischler fanden sich zu ihren wöchentlichen Sitzungen ein. Familienfeiern, von Geburtstagsjubiläen bis Hochzeiten war alles vertreten. Im ›Hirschen‹ war immer etwas los!«

Schraub berichtet weiter: »Schon von alter Zeit her war es Sitte und Brauch, nach den närrischen Tagen in ›Mörlau‹ (wo sich sonntags der Festzug als Lindwurm durch die engen Gassen windet), am Rosenmontag dann bei Faschingsfrühschoppen dies rückwirkend zu begießen. Am Faschingsdienstag folgte das innerörtliche ›Hüppe‹ durch die Mirler Kneipen.«

Als Kai Schraubs Eltern Waltraud und Albrecht die Gaststätte 1985 übernehmen, bauen sie erneut um. Gasträume und Kegelbahn werden neu gestaltet, im Hof gibt es nun einen Biergarten. »Mit gutbürgerlicher Küche und kühlem Bier im Ausschank knüpften beide an das an, was schon Generationen vor ihnen taten.«

Zum 200-jährigen Jubiläum im Jahr 2001 wird groß gefeiert - die Festwoche beginnt mit einem Kommersabend und endet mit einem musikalischen Frühschoppen. »Sicherlich eines der schönen Feste im Ort, an das sich viele noch gut und gerne zurückerinnern.« In der Folgezeit wurde es etwas ruhiger um den »Hirschwirt«, berichtet Schraub: »Der Saal wird nicht mehr als solcher genutzt, die Öffnungszeiten wurden weiter reduziert auf drei Tage in der Woche.« Durch die Corona-Pandemie ist nur eine Außer-Haus-Verkauf möglich gewesen. »Wirt Albrecht hat unlängst seinen beruflichen Ruhestand angetreten, Sohn Andree hilft heutzutage im Gasthaus oftmals mit aus.« In zwei Jahren, 2023, kann der »Goldene Hirsch« ein »Schnapszahlenjubiläum« feiern. 222 Jahre. »Es ist abzuwarten, was die Zukunft für den ›Goldenen Hirschen‹ im dritten Jahrhundert seiner Existenz vorgesehen hat.«

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare