Mitarbeiter Christian Geis-Schäfer bei der Popcorn-Produktion für die "Helden des Alltags" in der Corona-Krise. Verkaufsleiter Thomas Bogdoll (M.) und Firmengründer Helmut Haase schauen zu.	FOTO: NICI MERZ
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Mitarbeiter Christian Geis-Schäfer bei der Popcorn-Produktion für die »Helden des Alltags« in der Corona-Krise. Verkaufsleiter Thomas Bogdoll (M.) und Firmengründer Helmut Haase schauen zu. FOTO: NICI MERZ

Popcorn-Präsent

Süße Überraschung für »Helden des Alltags«

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Grund zur Freude gibt es bei der Haase Food GmbH in Ober-Mörlen derzeit eigentlich nicht. Wegen Corona liegt der Umsatz fast bei null. Trotzdem wird »Alltagshelden« eine süße Überraschung bereitet.

Seit Mitte März ging es bei der Haase GmbH, die sich in Ober-Mörlen auf sogenanntes Funfood spezialisiert hat, schnell bergab. Kein Wunder, denn zu den Kunden des innovativen Unternehmens gehören riesige Freizeiteinrichtungen wie der Europa-Park, Kinos, Zoos oder Schausteller, die wegen des Coronavirus alle schließen mussten. »Wir machen gerade noch zwei oder drei Prozent unseres normalen Umsatzes«, sagt Helmut Haase, der das Unternehmen vor 47 Jahre gegründet hat.

Einen schnellen Aufschwung erwartet Haase nicht, eher eine längere Durststrecke. Selbst wenn Firmen der Unterhaltungsbranche in absehbarer Zeit wieder öffnen sollten. Zunächst müsse abgewartet werden, wie viele der kleineren Kinos und Schausteller-Betriebe die Krise überlebten. Viele Bürger hätten zunächst sicher andere Sorgen, als ein Kino- oder Freizeitpark-Besuch.

»Den verlorenen Umsatz können wir nicht wieder aufholen. Ich rechne damit, das wir im Herbst wieder 20 Prozent erreichen, im Winter vielleicht 40«, erklärt der Firmengründer. Trotzdem wird das Ober-Mörlener Unternehmer nicht ins Straucheln geraten, kann auf Unterstützung aus Förderprogrammen zurückgreifen, die 33 Angestellten machen Kurzarbeit.

Gelassen in der Krise

Optimistischer als sein Chef blickt Verkaufsleiter Thomas Bogdoll in die Zukunft, denn die Hoffnung sterbe zuletzt. Manche Schausteller und Eisdielen orderten wieder ein wenig Ware. »Ich bin sehr zuversichtlich, dass es bald wieder losgeht. Auch Freizeitparks entwickeln Konzepte, wie sie mit weniger Besuchern öffnen können«, sagt Bogdoll. Gleichwohl werden die Zeiten, in denen pro Woche mehrere Lkw zum Hauptkunden Europa-Park in Baden-Württemberg fuhren, nicht so schnell zurückkehren.

Helmut Haase hat in den 47 Jahren seiner geschäftlichen Tätigkeit einiges erlebt und wirkt deshalb trotz der größten Krise seit Bestehen des Unternehmens recht gelassen. »Manche stecken in so einer Situation den Kopf in den Sand, andere werden verrückt, wieder andere setzen sich positive Ziele.« Er gehört zur letztgenannten Kategorie. Den Vorschlag seines Geschäftsführers Lars Röhrig, »Helden des Alltags« kostenfrei mit Popcorn zu versorgen, griff Haase denn auch sofort auf.

Am 3. April kündigte das Unternehmen die Aktion kurz auf Facebook an - das reichte völlig. »Es entwickelte sich sofort ein riesiger Run«, berichtet Verkaufsleiter Bogdoll. Seitdem hat die Firma rund 70 Abnehmer - Kliniken, Pflegeheime, Rettungsorganisationen, Kitas oder Sozialdienste - mit 10 000 Portionen karamelisiertem Popcorn versorgt. Für die Produktion werden Vorführmaschinen genutzt, denn Haase stellt normalerweise nicht selbst her, sondern beliefert Kunden mit Geräten, Rohstoffen, Werbemitteln, Konzepten und Serviceleistungen - ein Rundum-Sorglos-Paket.

Durchweg positive Reaktionen

Popcorn ist das Hauptthema, Haase bietet aber auch Technik und Grundstoffe für Artikel wie Zuckerwatte, Waffeln, Churros oder Donuts an. Zurzeit wird der vor allem aus den USA gelieferte gentechnikfreie Mais, der sich in den Lagerräumen stapelt, ausnahmsweise selbst verarbeitet.

Die Reaktionen auf die Aktion, die jetzt langsam ausläuft, waren laut Bogdoll durchweg positiv. Auch der Firmengründer ist begeistert. »Wir wollten etwas zu tun haben, positive Akzente setzen. Wenn man anderen eine Freude bereitet, hat man selbst Freude.« Es zeige sich, wie eine solche Krise die Leute zusammenschweiße und für ein neues Gemeinschaftsgefühl sorge.

Helmut Haase, der das Rentenalter eigentlich längst erreicht hat, weiß aufgrund seiner vielen Auslandsreisen zu Lieferanten in Amerika, Asien und Afrika aber auch, wie privilegiert deutsche Unternehmen und Angestellte sind. »Wie ich bei vielen Telefonaten mit Freunden und Geschäftspartnern im Ausland höre, gibt es nirgendwo auf der Welt eine solch gute Absicherung.« Darauf kann auch das Unternehmen aus Ober-Mörlen bauen - bis die Geschäfte endlich wieder laufen.

»Wir verschenken Freude!«

Überwältigt von den Reaktionen auf die Aktion »Wir verschenken Freude!« zeigt sich die Belegschaft der Haase Food GmbH in Ober-Mörlen. »Jeden Tag bekomme ich per WhatsApp, E-Mail, Facebook oder Telefon Danksagungen und positive Kommentare«, sagt Verkaufsleiter Thomas Bogdoll. Viele Botschaften seien mit Fotos versehen, die meist einige »Helden des Alltags« mit den Popcorn-Tüten zeigen. Mitarbeiter der Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik haben sich sogar die Mühe gemacht, ein kleines Video zu drehen.

Besonders gut angekommen ist die süße Überraschung laut Bogdoll auch auf der Kinderkrebsstation der Universitätsklinik Gießen. In der Wetterau wurden unter anderem die Feuerwehr Bad Nauheim, mehrere Kitas, DRK, Johanniter und Altenheime kostenfrei beliefert. Stellvertretend für die vielen Reaktionen sei aus einem Schreiben von Rosbachs Bürgermeister Steffen Maar an die Firma Haase zitiert: »Mit Ihrer Spende haben Sie einigen Menschen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert und deren Tag im wahrsten Sinne des Wortes ›versüßt‹. Gerade in der momentanen Situation ist es mehr als erfreulich zu sehen, wie Menschen es schaffen, bei anderen Menschen positive Momente zu kreieren und damit gute Gefühle zu erzeugen. Solch nette Gesten sind einfach großartig und für mich persönlich unbezahlbar.«

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