Ewige Ruhe wird teurer: Die Friedhofsgebühren sollen zum Teil erheblich steigen.
+
Ewige Ruhe wird teurer: Die Friedhofsgebühren sollen zum Teil erheblich steigen.

Sterben kommt teuer zu stehen

Ober-Mörlen (en). Zu komplex, um ad hoc entschieden zu werden, war für das Gemeindeparlament die neue Friedhofsordnung einschließlich der Gebühren. Die steigen zum Teil erheblich.

Wie bei solch umfangreichen Vorlagen üblich, wurde der Punkt direkt zur Weiterbehandlung in die Ausschüsse verwiesen.

Zuletzt geändert worden ist die Friedhofsordnung 2008, die jetzt vorgesehenen Gebührenanhebungen sind jedoch oft im zweistelligen Prozentbereich angesiedelt, manche Sätze gehen um die Hälfte nach oben. Einige Gebühren sollen dagegen sogar sinken.

So kostet zum Beispiel – wenn das Parlament den Vorschlägen des Gemeindevorstands folgt – die Erdbestattung statt 1046 künftig 1238 Euro, die Gebühr für 25 Jahre Reihengrabnutzung klettert von 350 auf 530 Euro, beim Urnenreihengrab von 198 auf 300. Beim Wahlgrab (für 35 Jahre) sind es statt 733 nun 1109 Euro. Ein Platz in einem Feld für anonyme Urnenbeisetzungen ist nun für 161 Euro zu haben, im Moment sind es noch 64, auch die Einzelurnenkammer wird erheblich teurer: 204 statt 122 Euro, ebenso die Baumgrabstätte für eine Urne: von 245 auf 370 Euro. Die Beseitigung eines Reihengrabes muss künftig mit 514 Euro (bislang 316) bezahlt werden, beim Wahlgrab steigt diese Gebühr von 427 auf 695 Euro, beim Urnengrab von 83 auf 136. Noch tiefer in die Tasche greifen muss im Vergleich zur aktuellen Gebührenordnung, wer sein Nutzungsrecht an einer Urnenkammer verlängern will: 13 Euro pro Jahr statt 3, bei der Familienbaumgrabstätte sind das sogar 19 statt 4 Euro.

Etwas günstiger wird die Urnenbeisetzung: Sowohl in einem Urnengrab als auch in einem Sarggrab (zusätzlich zu einem früher Verstorbenen) sind statt 632 nur noch 604 Euro zu zahlen, für die anonyme Beisetzung nur noch 311 statt 441 Euro. Die Beisetzung in der Baumgrabstätte wird etwas teurer und kostet künftig 763 Euro.

Ob die Vorstellungen des Gemeindevorstands durchkommen, wird sich wohl erstmals am 1. Oktober im Haupt- und Finanzausschuss zeigen.

Wenig Chancen haben zwei Bestattungsformen, die der Gemeindevorstand auf Antrag der CDU-Fraktion überprüft hat: Sarggräber unter Rasen und alle Bestattungen im Wald. Auch darüber kann in Ausschuss und Parlament noch diskutiert werden.

Der Gemeindevorstand erkenne durchaus die steigende Nachfrage nach pflegearmen und pflegefreien Grabarten, heißt es in der Antwort, er stehe der Schaffung der Möglichkeiten hierzu auch positiv gegenüber. Urnenwände und Areale für Urnen unter Bäumen seien in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut worden.

Rasenflächen über Särgen seien jedoch mit einem erheblich erhöhten Arbeits- und Kostenaufwand für die Gemeinde verbunden: Immer wieder senke sich die Erde über dem Sarg, Erde müsse aufgefüllt werden und neuer Rasen eingesät. Zudem müsse man langfristig damit rechnen, dass beim Verrotten des Sarges schlagartig tiefere Absenkungen entstünden und zur ernsthaften Gefahr für Menschen werden könnten, die gerade auf dem Rasen über dem Grab seien.

Von Rasengräbern für Erdbestattungen rät der Gemeindevorstand demzufolge »dringend« ab.

Auch ein sogenannter Friedwald ist laut diesem Schreiben »derzeit nicht empfehlenswert«. Die Ausweisung sei an vielfältige Grundvoraussetzungen geknüpft. Um eine verkehrstaugliche Zufahrt zu haben, müsse die Wintersteinstraße ab dem Tannenhof von Grund auf erneuert werden, Parkplätze für die Trauergäste seien anzulegen, ein überdachter Unterstand für Trauer- und Gedenkfeiern sei erforderlich. Auch müsse ein Bebauungsplan erstellt und genehmigt werden. Vor allem fehle aber auch ein Waldstück mit mächtigen Bäumen, das eines Bestattungswaldes würdig sei.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare