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Auf den Spuren der Römer

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Ober-Mörlen(hau). Im dritten Mörler Maigang hatte im Vorfeld der Wurm gesteckt: Zweimal musste die von Naturexperte Robert Scheibel ausgekundschaftete Vorbegehung wegen schlechtem Wetter oder Krankheit verschoben werden, dann wegen Sturmschäden auch die Wanderung selbst. Der Nachholtermin am Muttertag entschädigte für das Bibbern: Durch den Wintersteinwald bis hinauf zum Amphibienpfad schien auf die 60 Maigänger trotz Kälte die Sonne vom stahlblauen Himmel.

Bürgermeisterin Kristina Paulenz zeigte sich angetan von dem riesigen Zuspruch. Ihr Dank galt der Initiativgruppe "Wir für ein Dorf", die den acht Kilometer langen Rundweg ausgewählt und spannende Infos zu Natur, Kultur und Geschichte recherchiert hatte.

Am Forsthaus Winterstein blickte Reinhold Burk auf die Geschichte der einstigen Bleibe für Forstarbeiter und auf die bis heute bewährte Tradition als uriges Gasthaus zurück. Als Jägerhaus hatte es die Burggrafschaft zu Friedberg 1754 erbaut. Seit 265 steht es in seiner Grundsubstanz an seinem Platz. Nachdem Erna und Walter Langsdorf dem Hessischen Staat das Forsthaus 1963 abgekauft hatte, eröffneten sie zwei Jahre später ihre Waldgaststätte, bauten an und sorgten vor 30 Jahren für einen Anschluss ans Stromnetz.

Reichhaltige Bodenschätze

Robert Scheibel hielt Informationen zu naturkundlichen Themen und den Besitzverhältnissen im Wintersteinwald bereit. Auch in die Geschichte des Bergbaus hatte er sich eingearbeitet. Angeblich wurde hier zwischen 1837 und 1901 nach Blei, Bleiglanz, Silber und Kupferkies gegraben.

Besonders interessiert zeigten sich die Maigänger am Amphibienpfad auf einem schönen Hochplateau. Wo jetzt Molche und Gelbbauchunken schwimmen und sich seltene Blühpflanzen in der Sonne wiegen, donnerten noch vor wenigen Jahren die Panzer über das Übungsgelände der amerikanischen Streitkräfte. Von den römischen Streitkräften, die hier einst ihren Limes mit Wachtürmen und Kastellen anlegten, erzählte Dr. Vera Rupp. Dass sich mitten durch den Wald Wall und Graben einer uralten römischen Anlage ziehen, öffnete die Augen fürs UNESCO-Weltkulturerbe Limes.

Am 550 Kilometer langen Obergermanisch-Raetischen Limesabschnitt gelte der steinerne Limesturm auf dem Gaulskopf als der am schönsten rekonstruierte, erklärte die Archäologin zu Füßen des mächtigen Turmes, den 1923 der aus Deutschland stammende amerikanische Strumpffabrikant Gustav Oberländer hatte aufbauen lassen.

Original römische Fundstücke und Repliken hatte Vera Rupp zur näheren Ansicht und Erläuterung neben dem Turm drapiert. Ebenfalls am geschichtsträchtigen Ort erwartete die Wanderer im Alter zwischen acht und 93 eine überraschende Stärkung. Kaffee, Kuchen und Bänke hatten die Organisatoren für eine kurze Rast zusammengestellt, und auch die Sonne legte sich in diesen Momenten besonders ins Zeug.

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