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Am Puls des Wetters mit Hobby-Meteorologe Andy Geck

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Andreas Geck hat das Ober-Mörler Wetter im Blick. Wo früher ein Riesenrechner stand, kommt er nun mit einer kompakten Station und Laptop aus. 	(Fotos: hau)
Andreas Geck hat das Ober-Mörler Wetter im Blick. Wo früher ein Riesenrechner stand, kommt er nun mit einer kompakten Station und Laptop aus. (Fotos: hau) © Annette Hausmanns

Ober-Mörlen (hau). Seit Andreas Geck vor 30 Jahren im Schulunterricht sein wissenschaftliches Interesse fürs Wetter entdeckte, hat der Hobby-Experte nicht locker gelassen. Was die Messgeräte auf dem Dach seines Hauses auskundschaften, kann jeder auf der Website der privaten Wetterstation finden. Und demnächst live erleben.

Seine Homepage dürfte die meist besuchte nicht-kommerzielle Seite rund um Ober-Mörlen sein, vermutet Andreas Geck: 30 000 Zugriffe im Monat sind viel. Der Professor für Bio-Mechanik gehört zu Netzwerken der Amateur-Wetterbeobachtern.

Man muss genau hinschauen, um die kleine Station im Herzen Ober-Mörlens zu entdecken. Auf dem Dach von Gecks Hofreite in der Sandgasse steht ein Mast mit ebenso unscheinbaren wie präzisen Messgeräten. Eine Wetterkamera gehört dazu. Die Sensoren messen neben Temperatur und Niederschlag Luftdruck und -feuchte, Richtung und Geschwindigkeit des Windes oder die Intensität der Sonneneinstrahlung. Alle Daten wandern in eine Konsole auf Gecks Schreibtisch.

»Davis Vantage Pro 2 Plus« nennt sich die Kombination aus Messgeräten und Hochleistungs-Wettercomputer. Der ist ein Alleskönner, sogar Wettervorhersagen errechnet er. Via Datenlogger kann der Hobby-Meteorologe am Laptop alles ausgelesen und ins Internet laden. Automatisch leitet der Rechner weitere Werte wie etwa den Taupunkt ab und stellt Verlaufskurven zusammen. Mit einem Click sind auch diese via Internet von jedem Punkt auf der Welt abrufbar.

Unter www.wetter-ober-moerlen.de findet man aber nicht nur aktuelle Werte und Diagramme, auch ein Archiv mit Details aus den letzten zehn Jahren hat Geck zusammengestellt. Demnach war es in Ober-Mörlen in diesem Jahr bislang am 19. Januar am kältesten, gemessen wurden -9,7 Grad Celsius. Den Hitzerekord des Jahres hält der 20. Juli mit 34,9 Grad. Im vergangenen Jahr war es mit 38,8 Grad am 4. Juli am heißesten. Einsame Spitze war der 2. Juli 2009: da stieg die Kurve laut Gecks Rechner auf 40,9 Grad, und das abends um 18.51 Uhr.

Auch Starkregen wie den vom 11. Juni 2014, als innerhalb einer Stunde 41 Liter Wasser auf den Quadratmeter prasselten, hat der Wetterbeobachter noch gut in Erinnerung. Zum Vergleich: Im vergangenen, vergleichsweise trockenen Jahr fielen bis Ende Juni nur 150 Liter auf den Quadratmeter. »Die Extremwetterlagen nehmen zu«, bestätigt der Wissenschaftler. Eine Tendenz in Richtung Erderwärmung gebe es nachgewiesenermaßen, lasse sich für seinen kleinen Beobachtungsraum aber nicht ablesen.

Anders als die Profis vom Deutschen Wetterdienst (DWD) kann und will Geck keine überregionalen Klimaschwankungen aufzeichnen. Vielmehr freut er sich in seiner Freizeit über die Wetter-Beobachtungen am eng begrenzten Ort und daran, sie mit anderen Interessierten übers Internet zu teilen. Überdies tangieren die Messwerte den Bio-Mechaniker auch beruflich, wenn auch eher indirekt. »Mein Steckenpferd ist die Korrelation zwischen menschlichem Wohlbefinden und Wetter«, erklärt Geck.

Zum zielgerichteten Auswerten der Datenmengen fehlt dem angestellten Professor an der Hochschule Rhein-Main in Rüsselsheim die Zeit. Gleichwohl findet man auf der Homepage der privaten Ober-Mörler Wetterstation auch Daten des DWD, darunter einen Regenradar und Satellitenbilder. Diagramme zum Pegelstand der Usa stammen vom Landesamt für Umwelt und Geologie, und selbst Erdbeben und das Weltraumwetter sind verlinkt. Unter dem Motto »Wissen, was das Wetter macht« führt ein Link schließlich zum Automatischen Wetterkartensystem.

Einblick am Tag der offenen Höfe

Nachdem Geck in der neunten Klasse auf den Wettertrichter kam ließ er sich die ersten analogen Geräte schenken. In den 90er Jahren legte er sich die ersten elektronischen Messgeräte zu. Regelmäßig gemessen wird seit 1995. Das neue System nahm Geck vor drei Jahren in Betrieb.

Ein Faible hat der Bio-Mechaniker auch für die Geschichte der Wetteraufzeichnungen. »Das meteorologische Observatorium auf dem Hohen Peißenberg ist die älteste Bergewetterwarte der Welt.« Seit 1781 sei die Station ununterbrochen in Betrieb. Mit etwas Glück könne er im Archiv des Deutschen Wetterdienstes vielleicht uralte »Wetterberichte« für Ober-Mörlen finden. Für den 27. Juli 1716 beispielsweise – den Tag, an dem Gecks Heimatdorf abbrannte.

Wenn Geck dann einmalig beim Wochenende der offenen Höfe am 27./28. August in seine Wetterstation einlädt, können sich Besucher auf spannende Beobachtungen freuen.

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