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Pfarrer Jürgen Rump ist seiner ersten Pfarrstelle in Ober-Mörlen 32 Jahre treu geblieben.

Nach 32 Jahren

Pfarrer Jürgen Rump verabschiedet sich aus Ober-Mörlen

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Seiner ersten Pfarrstelle in Ober-Mörlen blieb Pfarrer Jürgen Rump 32 Jahre lang treu. Kurz vor seiner Verabschiedung in den Ruhestand weiß er mit dem Kürzel i. R. noch nicht so recht etwas anzufangen.

D er Wunsch, Pfarrer zu werden, fällt nicht vom Himmel, vermute ich", schmunzelt Pfarrer Jürgen Rump. Mit Blick auf seinen Ruhestand hat er sich Gedanken gemacht über die Wurzeln für sein Berufsleben. "Das waren vermutlich Kleinigkeiten, die man als Kind nicht so wahrnimmt", dreht der Protestant Rump die Zeit um fast sechs Jahrzehnte zurück ins beschauliche Steeden, einen Ortsteil von Runkel an der Lahn. "Wir haben neben der Küsterin gewohnt", erinnert sich der heute 63-Jährige, der genau genommen seit dem 1. Februar das Kürzel i. R. hinter dem Pfarrer stehen hat. Nach der Messe sei Kindergottesdienst gewesen und er immer dabei. Bald drückte die Küsterin dem Steppke den Kirchenschlüssel in die Hand: "Bub, blas bloß die Kerzen aus und schließ ab." Jürgen Rump hat das große Kastenschloss noch vor Augen und wie er den Schlüssel zurückgab, "durchs Speisezimmerfenster".

Prägendes Zitat aus dem Römerbrief

Am Ende seiner Konfirmandenzeit habe ihm der Pfarrer prophezeit: "Du studierst mal Theologie und wirst Pfarrer wie ich". Das sei ihm zwar fremd gewesen, "ist aber hängen geblieben". Nach dem Abitur habe er geahnt, was er studieren wollte, habe sich aber gegen das Privileg für Theologiestudenten gestellt, weder Zivil- noch Wehrdienst leisten zu müssen. Fast zwei volle Jahre als "Zivi" beim Diakonischen Werk öffenten ihm die Augen. Auch damals habe es schon Priestermangel gegeben. Den Werbeslogan der Landeskirche fürs Theologiestudieren habe er im Zivildienst wiedergefunden: "Weil Menschen Menschen brauchen." Vom Facettenreichtum sozialer Hilfe habe er viel erfahren und sich sofort in sein Studium gestürzt. "Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden": Das Zitat aus dem Römerbrief begleite ihn bis heute.

Geprägt habe ihn schon das Grundstudium in Frankfurt: Im Reformstudiengang lernten evangelische und katholische Studenten zusammen. Während des Hauptstudiums in Marburg habe er mit Wolfgang Huber, dem späteren Berliner Bischof und Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, einen der bedeutendsten Ökumeniker als jungen Professor für systematische Theologie erlebt. "Huber war nur 13 Jahre älter als wir, er sprach unsere Sprache und brachte frischen Wind." Es sei an der Zeit gewesen zu begreifen, dass das Trennende Vergangenheit ist und dass Verschiedenheit Bereicherung bedeuten kann.

Für Ober-Mörlen bedeutete das vor allem in den 17 gemeinsamen Jahren mit Pfarrer Ferdinand Winter von katholischer Seite, aber auch in Zusammenarbeit mit dessen Nachfolgern und dem ökumenischen Arbeitskreis, dass an der Basis erquickliche Aufbauarbeit geleistet wurde und das ökumenische Leben aufblühte.

"Ich wollte in meiner Dienstzeit erleben, dass alle gemeinsam zum Abendmahl gehen." Dass dieser Wunsch nicht in Erfüllung ging, lag nicht in den Händen vor Ort. "Was uns trennt, sind keine theologischen Unterschiede, sondern Tradition", ist Rump überzeugt. Heute fehle der zündende Gedanke, wie es mit den Kirchen weitergehen könne.

"Es mag Zufall sein, dass meine Pensionierung an dem Punkt passiert, wo neue Strukturen geschaffen werden", macht sich Rump Gedanken. "In Zukunft wird es keinen Ober-Mörler Pfarrer mehr geben, sondern einen Pfarrer, der für Ober-Mörlen zuständig ist", sagt Rump mit Blick auf den geplanten "Kooperationsraum Bad Nauheim". Rumps Vermutung: Dienste werden anders zugewiesen, eher als Dienstleistung.

Rump hinterlässt ein gut bestelltes Feld. Auch wenn er zurück ins Elternhaus gehe: "Der Faden nach Ober-Mörlen wird nicht so schnell abreißen."

Pfarrer Jürgen Rumps Werdegang

Pfarrer Jürgen Rump wurde 1957 in Runkel-Steeden an der Lahn geboren und studierte Theologie in Frankfurt und Marburg. Sein erstes Examen legte er 1983 ab, ging als Vikar ans Theologische Seminar Friedberg und hatte Gemeinde-Einsätze in Griedel und Rockenberg. Lehrpfarrer war Dieter Bertram. Das zweite theologische Examen folgte 1987, Rump wurde Assistent im Theologischen Seminar bei Professor Dr. Artur Rühl im Fach Religionspädagogik und trat nach einem Jahr seine erste Pfarrstelle an: Am 3. Juli 1988 ordinierte ihn Probst Helmut Grün in der Langenhain-Ziegenberger Pfarrkirche. Nach 18 Jahren als evangelischer Pfarrer für beide Ober-Mörler Ortsteile auf einer 1,5-Stelle ist Jürgen Rump seit 2006 Pfarrer in Ober-Mörlen gewesen. Nach 17 Jahren Wohnen im Pfarrhaus Langenhain-Ziegenberg und 15 Jahren mit Wohnung in Ober-Mörlen wird der Pfarrer i. R. in sein Elternhaus in Runkel-Steeden zurückkehren.

Am Sonntag, 16. Februar, um 14 Uhr wird Pfarrer Rump in einem Festgottesdienst mit Dekan Volkhard Guth in den Ruhestand entpflichtet. Der Gottesdienst wird von der kleinen Gustav-Adolf-Kirche aus auch in ein beheiztes Zelt übertragen, so auch der anschließende Festakt im Albert-Schweitzer-Gemeindehaus. hau

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