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Närrisch: Um die besten Plätze für die Fastnachtssitzungen des MCC in Ober-Mörlen zu bekommen, "stehen" manche auch mal zwei Tage und Nächte lang an. 

Fassnacht beim MCC Ober Mörlen

Party vor der Party: Fans campieren zwei Tage in der MCC Halle - "Man muss schon bekloppt sein"

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Beim MCC in Ober-Mörlen hat mittlerweile sogar der Kartenvorverkauf Kultcharakter. Wer gute Plätze für die Fastnachtssitzungen ergaqttern will, sitzt gut und gerne auch mal zwei Tage (und Nächte) lang an.

Draußen ist es stockfinster. Geschlafen habe ich kaum, als ich am frühen Samstagmorgen zur MCC-Halle fahre. Der Picknickkorb mit heißem Tee und Knabberkram und eine warme Decke kommen mit. Die Halle ist hell erleuchtet. Till Eulenspiegel wirft einen Riesenschatten auf die Hausfront und reckt mir seinen Spiegel entgegen. Recht hat er ja: Man muss schon ein bisschen närrisch sein, um den Kartenvorverkauf in Ober-Mörlen zu verstehen. Bis zum Start des Ticketverkaufs am Sonntagmorgen sind es immerhin noch 28 Stunden.

Aber ich bin nicht die erste in der Halle. Auf der provisorischen Namensliste an der Eingangstür stehen schon acht Startnummern. Ich geselle mich zu den "Ansitzern". Warm ist es hier. Jemand geht seine "Einkaufsliste" durch - maximal 20 Karten je Fastnachtssitzung und für die Kindersitzung dürfen pro Startnummer erstanden werden - und den Ansitzplan. In zwei Stunden kommt schon die Ablösung. Große Gruppen sind im Vorteil, da sind die Schichten kurz.

Die ersten haben ihre Schicht schon am Freitagmorgen gestartet. Das sorgt für Gesprächsstoff. "So früh war’s noch nie", erzählt man sich. "Ich hab da meine Schmerzgrenze, für mich ist der Freitag tabu", sagt jemand. "Wo soll das denn hinführen?". Andere kamen am Freitagabend, schneidern beim Ansitzen Kostüme oder haben im Souterrain Feldbetten aufgestellt und Matratzen ausgelegt. Die einen lesen stillvergnügt, andere spielen Mensch Ärgere dich nicht, kloppen Skat oder batteln sich am Mikrobildschirm der Konsole mit den "Super Smash Brothers".

MCC Ober-Mölen: Gäste aus der ganzen Republik

Alte Hasen sitzen einträchtig neben "Greenhorns". Alle sind sich einig: "Man muss schon ganz schön bekloppt sein, aber wir ziehen’s durch." Weil es eine Gaudi ist, weil man sich viel zu erzählen hat und ja auch ein Ziel vor Augen: Einen ganzen Tisch im Saal für die Gruppe ergattern. "Meine Leute kommen seit vielen Jahren aus der ganzen Republik zur Fastnachtssitzung nach Ober-Mörlen", erzählt einer. Denen möchte er natürlich gute Plätze bieten. Nach Sitzungen in Berlin, Köln oder Mainz wollen die Freunde lieber wieder in Mörlau feiern. "Die wissen die Qualität zu schätzen."

"Kleinere Kartenkontigente bekommt man ja auch später noch, Einzelkarten erst recht", erzählt man sich und sinniert gleichwohl über Vorverkaufs-Reformen. Der Online-Ticketverkauf kommt ins Gespräch, vielleicht mit Bonuspunkten für engagierte Fassenachter. Man könne vielleicht auch mehr Sitzungen anbieten, Karten verlosen, Nummern am 11.11. vergeben. "Woanders geht das doch auch." Doch ernsthaft glaubt niemand, dass sich so schnell etwas ändert.

MCC Ober-Mörlen: Ungeschriebe Traditionsregeln

"Das mit dem Ansitzen ist hier so, seit ich denken kann. Das ist einfach Kult", erzählt man sich. "Weißt du noch?", fragt jemand am Tisch und dreht die Uhr 26 Jahre zurück: Da saß man noch bei Eis und Schnee vor, später im Foyer der Usatalhalle. Pferdedeanhänger auf dem Parkplatz wurden mit Bierzeltgarnituren bestückt und für die nächtliche Skatparty beheizt. Filme wurden gezeigt, Getränke ausgegeben. Einer feuchtfröhlichen Kabinenparty folgte der Sage nach der Umzug vor und schließlich in die MCC-Halle. Auch dort gab es schon Filmvorführungen und nächtliche Spaghettigelage.

Die ungeschriebenen Traditionsregeln fürs Kartenansitzen: Wer sich in die Liste einträgt, muss vor Ort bleiben oder einen Stellvertreter haben. Wer beim Appell nicht da ist, wird aus der Liste gestrichen. Das Ansitz-Territorium wurde nach jahrelanger Erfahrung immerhin ausgedehnt über die Parkplätze bis in den Rewe-Markt gegenüber, um dort Essens- und Getränkenachschub kaufen zu können - aber nur nach ordentlicher Abmeldung bei der Konkurrenz.

Punkt neun Uhr am Sonntag öffnet sich dann die Tür zum "Allerheiligsten". Die Schlange hat sich inzwischen auf 52 Nummern verlängert und wird zügig abgearbeitet. Die Kartenvorverkäufer sind bestens vorbereitet. Wer seine Tickets an Land gezogen hat, sucht strahlend das Weite, kauft noch Brötchen fürs Frühstück ein und kann sich dann erst einmal Zuhause aufs Ohr legen.

MCC Ober-Mörlen: Vier Sitzungen

Die Fastnachtssitzungen des MCC sind am Samstag, 25. Januar, und Samstag, 8. Februar, jeweils ab 20.11 Uhr. Die Kindersitzung findet am Sonntag, 9. Februar, ab 14.11 Uhr statt. Der "Ball der 1000 Masken", der diesmal als Partysitzung ein neues Format bekommt, mit Livemusik, Tanz und eingestreuten Tanzvorführungen, steigt am Samstag, 22. Februar, ab 20.11 Uhr. Alle Sitzungen sind in der Usatalhalle. Der reguläre Kartenvorverkauf findet montags von 18 bis 19.30 Uhr in der MCC-Halle statt.

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