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Prinzessin Conny I. und Prinz Severin I. tragen - wie alle ihre Vorgänger seit 1952 - die Symbole der Macht übers Narrenreich die ganze Kampagne über bei sich.

Närrische Insignien

Mörlauer Fassenacht: Krone, Zepter und ein Geheimnis

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Das närrische Herrscherpaar von Mörlau mit seinem Hofstaat ist mit einzigartigen Abzeichen ausgestattet. Krone und Zepter werden seit 1952 weitergereicht - und bergen ein raffiniertes Geheimnis.

Fanfarenklänge füllen den Saal. Im Scheinwerferkegel sitzt die designierte Prinzessin von Mörlau und hält lächelnd still. Hofdame und Vorgängerin befestigen mit Fingerspitzengefühl eine prächtige Krone auf ihrem Kopf. Gut, dass Prinzessin Conny I. volle lange Haare hat. Rund 20 Haarnadeln später ist es vollbracht: Das Zeichen der närrischen Macht sitzt. Prinz Severin I. beobachtet die Szenerie, das Zepter fest in der Hand. Der Regierungswechsel ist vollzogen. Strahlend stellen sich Conny und Severin Trier dem närrischen Volk als Herrscher auf Zeit vor.

Zur Eröffnung einer jeden Kampagne wird unter Fanfarenklängen die Krone auf dem Kopf der Prinzessin festgesteckt.

Immer am Samstag nahe dem 11.11. zelebriert die KG Mörlau diese Inthronisations-Zeremonie in der Ober-Mörler Usatalhalle. Die "blaublütigen" Hauptdarsteller wechseln jährlich, aber ihre närrischen Reichsinsignien sind seit 1952 dieselben. Das zeigt im Vereinsheim auch die "Ahnengalerie" mit Fotos aller Regenten von Mörlau. Prinz Franz I. Möx und Prinzessin Maria I. Burk waren die ersten, die 1952/53 die Symbole trugen. Wohl behütet, werden Krone und Zepter seither weitergegeben, während der Kampagne stets am Mann beziehungsweise der Frau getragen und im Sommer von Experten gehegt und gepflegt.

Ultraschallbad säubert Zepter und Krone

Seit zehn Jahren kümmern sich Ulrich und Britta Kasprzyk um die Organisation rund ums Prinzenpaar. Neben der Fülle an Terminen auch um die strengen Regeln bei Auftritten - und um die Insignien der Macht. Zwischen Aschermittwoch, wenn dem Prinzenpaar um null Uhr Zepter und Krone abgenommen werden, bis zum 11.11. hüten Kasprzyks den Schatz und geben ihn in Pflege.

Im Ultraschallbad säubert Uhrmachermeister Josef Hammann die Stücke, wenn sie durch Festhalten oder Haarspray in Mitleidenschaft gezogen wurden. Viele Jahre sei es her, dass er Krone und Zepter grundüberholt und neu versilbert hat, erinnert sich Hammann. Damals waren aus dem Zeitgeist heraus zahlreiche Steinchen aufgeklebt worden. Angebracht wurden dann ein Innennetz und ein Samtpolster unterm Kronenrand für den Tragekomfort.

Die Mörlauer Narrenreichsinsignien sind inzwischen 67 Jahre alt.

Bau- und Kunstschlosser Michael Bentele erinnert sich gerne an Zeiten, da sein Onkel Walter Geck zunächst die Fastnachtsorden schuf und Anfang der 50er Jahre seinem Verein den Entwurf für Krone und Zepter unterbreitete. Als zehnjähriger Bub habe er dem Onkel in dessen Schlosserwerkstatt gerne über die Schulter geschaut, erzählt Bentele. "Kleine Handreichungen durfte ich auch bei der Herstellung von Zepter und Kroner machen - und mit den Augen stibitzen", wie es der Onkel ausdrückte. "Eine schöne Arbeit unter primitiven Voraussetzungen", staunt Bentele heute noch. In der Nachkriegszeit derart prachtvolle Herrschaftssymbole herzustellen, sei nicht einfach gewesen, "alles war knapp".

Manuskripte im Zepterstiel

Gleichwohl formte Geck Krone und Zepter mit der Laubsäge aus Messingblech, lötete die Einzelteile zusammen, fügte handgetriebene Ziselierarbeiten hinzu, ließ alles in einer galvanischen Werkstatt versilbern und Halbedelsteine in die Krone einsetzen. Vereinswappen und ein dezenter Schriftzug wurden später teilweise koloriert. Auf 300 Gramm bringt es die Krone, mit 1100 Gramm ist das Zepter am Start. "Das Zepter ist innen hohl", berichten Alexander und Astrid Trier, Eltern des aktuellen Prinzen und selbst zweimal Prinzenpaar von Mörlau. Sie enthüllen ein kleines Geheimnis um die Kleinodien. Im Zepterstiel hätten die Prinzen früher ihre Reden aufbewahrt, fein säuberlich auf Pergament notiert. Eine Pergamentrolle aus der Kampagne 1962/63 fischen Triers aus ihrem Archiv. Sie ist zwar zu groß fürs Zepter, aber lesenswert und aktuell wie eh und je in der Fastnachtshochburg.

Närrische Paragraphen aus 1962

Die "Elf Gesetze" für die Regentschaft von Wilhelm II. Kleebach und Karola II. Weil sind unterschrieben mit: "Ich, Prinz Wilhelm II. von Mörlau". In den amüsanten Paragrafen geht es ums sonnige Gemüt, um Steuereinnahmen oder Strafen bei Zuwiderhandlung "bis zur Höhe einer Lokalrunde". Wörtlich heißt es: "Die Nörgler und Miesmacher sind in meinem Staate geächtet und vogelfrei und werden mit Stimmungsbomben zur Strecke gebracht". Oder: "Ich will niemanden beim traditionellen Karnevalsumzug ohne Bändchen sehen".

Fastnacht 1952/53: Prinz Franz I. Möx und Prinzessin Maria I. Burk sind die ersten, die Krone und Zepter tragen.

Oder, dass im eigens eingerichteten Versatzamt im Rathaus "alle Wertgegenstände außer Ehefrauen beliehen werden können", und dass der Karnevalsfrieden nicht durch politische oder religiöse Anfeindungen gestört werden dürfe: "Es gibt keine Parteien mehr, es gibt nur noch Narren".

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