Im ersten Bauabschnitt der "Schießhütte II" wohnen die ersten Häuselbauer. Den oft in Aussicht gestellten Anschluss an das neue Glasfasernetz im Ort haben sie nicht. 	FOTO: HAU
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Im ersten Bauabschnitt der »Schießhütte II« wohnen die ersten Häuselbauer. Den oft in Aussicht gestellten Anschluss an das neue Glasfasernetz im Ort haben sie nicht. FOTO: HAU

»Schießhütte II«

Kein Glasfaser: Rohre im Neubaugebiet sind leer

  • vonAnnette Hausmanns
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In einem Neubaugebiet in Ober-Mörlen sprießen die Häuser wie Pilze aus dem Boden. Doch die Glasfaser stellt die Pioniere im ersten Bauabschnitt aktuell auf eine Geduldsprobe.

Ober-Mörlen - So »zerwühlt« wie noch vor wenigen Wochen war Ober-Mörlen vermutlich selten zuvor. Baustart im Neubaugebiet »Schießhütte II« südlich der Ortslage und die Verlegung eines Glasfasernetzes im gesamten Dorf trafen zusammen. Allmählich ebben die Wogen ab, rein äußerlich jedenfalls. Dass nämlich im ersten Bauabschnitt gemäß der vertraglichen Vereinbarung zwischen Gemeinde und der Grundstücksentwicklungsgesellschaft Ober-Mörlen mbH (GEG) Leerrohre verlegt, diese aber (noch) nicht mit Glasfaserleitungen gefüllt wurden, lässt die ersten Häuslebauer, die GEG und die Gemeinde gleichermaßen erzürnen.

Ausgegangen waren alle davon, dass die Firma Deutsche Glasfaser die Leitungen auch im Neubaugebiet verlegen würde, so wie auch im Rahmen der Erschließung des ersten Bauabschnittes immer mal wieder bei den Baubesprechungen von der Firma verlautbart. So wurde es auch bei dem von mehreren Hundert Bürgern besuchten Info-Abend in der Usatalhalle von der Deutschen Glasfaser in Aussicht gestellt. Mindestens neun Grundstückskäufer beantragten bis jetzt einen solchen Anschluss beim Unternehmen - bislang ohne Erfolg. Die ersten Häuslebauer wohnen bereits im neuen Eigenheim und hoffen nun inständig auf eine Anbindung ans schnelle Netz.

Ober-Mörlen: Zusage der Deutschen Glasfaser nicht schriftlich

Ob es zutreffe, dass es im ersten Bauabschnitt bislang keinen Telekommunikationsanbieter gebe, wollte in der jüngsten Parlamentssitzung der CDU-Abgeordnete Dr. Matthias Heil wissen. Das komme einem Schildbürgerstreich gleich. Auch in der jüngsten Bauausschusssitzung am Dienstag waren die »Leerrohre« Thema. Alle zusammen, also Gemeinde, GEG und Bauherren, suchten intensiv nach einer zeitnahen Lösung, um »die Untätigkeit der Deutschen Glasfaser zu korrigieren«, versicherte GEG-Projektleiter Fabian Schäfer.

Auf Nachfrage der WZ bei der Deutschen Glasfaser teilte Sven Schickor vom Pressebüro mit: »Unser Kooperationsvertrag stammt aus Mai 2018 - zu diesem Zeitpunkt konnte das Neubaugebiet noch nicht aufgenommen werden, dementsprechend war es bislang kein fester Bestandteil des budgetierten und geplanten Ausbaus durch Deutsche Glasfaser. Aufgrund des mittlerweile gestarteten Ausbaus im Neubaugebiet gibt es dort eine entsprechende Nachfrage. Deshalb prüft Deutsche Glasfaser derzeit intern, welche Möglichkeiten es für eine nachträgliche Erweiterung der bisherigen Ausbauplanungen gibt.«

Von Bürgermeisterin Kristina Paulenz erfuhr die WZ, was genau im Kooperationsvertrag fixiert ist: »Deutsche Glasfaser hat ein grundsätzliches Interesse daran, das Glasfasernetz auf dem gesamten Kommunalgebiet des Kooperationspartners auszubauen. Die Entscheidung zum Umfang des Ausbaus liegt allein bei Deutsche Glasfaser.« Die Firma habe seinerzeit zugesagt, dass auch das Neubaugebiet angeschlossen werden soll. Paulenz: »Allerdings haben wir das nicht schriftlich.«

Ober-Mörlen: Zweiter Bauabschnitt wird erschlossen

Immerhin wird der zweite Bauabschnitt im Baugebiet »Schießhütte II« in Kürze erschlossen. Zur Ausschusssitzung am Dienstag war neben Projektleiter Fabian Schäfer und seiner Kollegin Friedericke Dietrich auch Planer Holger Fischer in den Rittersaal gekommen, um den Politikern den Sachstand zu erläutern. Die Nachfrage nach Grundstücken sei ungebrochen stark, nach den Winterferien werde man mit der Vermarktung beginnen können, sollte der Bebauungsplan bis dahin beschlossen sein, sagte Schäfer.

Nachdem die Eingaben zur ersten Offenlegung des Bebauungsplanes alle eingearbeitet worden seien, habe man nun einen Entwurf fertiggestellt, der bereits bei der Parlamentssitzung am 14. Dezember als Satzung beschlossen werden könnte. Vorgeschaltet ist eine zweite Offenlegung der Pläne vom 19. Oktober bis 20. November. Danach beraten Gemeindevorstand und Bauausschuss. Planer und Projektleiter wiesen darauf hin, dass im neuen Entwurf der Weg zwischen den Bauabschnitten 1 und 2 erhalten bleibe.

Auf dem gezeigten Plan war während der Sitzung die Straßenführung mit einer »Erschließungsstraße« im Süden des zweiten Bauabschnitts zu sehen, die im großen Schwung in Richtung Hasselhecker Straße verläuft und dort unterhalb des Rewe-Kreisels einmündet. Alle anderen Straßen - eingezeichnet sind fischgrätenartige Wege in Nord-Süd-Richtung - würden verkehrsberuhigt ausgebaut, also ohne Trennung in Fahrstreifen und Bürgersteig. Eine rechtliche Widmung zum Beispiel als Spielstraßen mit entsprechenden Schildern wäre später eine kommunale Aufgabe.

Ober-Mörlen: E-Parkplätze bei weiterem Bauabschnitt vorgesehen

Nach Verkehrsuntersuchungen sei man zu dem Schluss gekommen, dass bei den Einmündungen in die Hasselhecker- und die Usinger Straße weder Ampeln noch ein Ausbau nötig würden. Die Knoten seien ausreichend leistungsfähig, hatte Fischer zufolge ein Gutachterbüro bescheinigt. Lärmtechnisch rechne man mit so geringfügigen Überschreitungen, dass passiver Lärmschutz ausreiche.

Auch in Bauabschnitt zwei soll es eine Zisternenpflicht geben. Heizwärme werde vermutlich von verschiedenen Anbietern kommen. Für einen Ausbau des Gas-Netzes werde der Bedarf erfahrungsgemäß nicht groß genug sein, bestätigte Bauausschussvorsitzender Holger Reuß.

E-Parkplätze sollen vorgesehen werden, sofern sich Anbieter dafür finden ließen, stellten die Fachleute in Aussicht. Kanalrohre und ein umzäuntes Regenrückhaltebecken an der Usa würden so dimensioniert, dass auch das zukünftige Gewerbegebiet Boschstraße mit angeschlossen werden könne. Die Leitungen verlaufen ein kleines Stück an der Hasselhecker Straße, durch den Grünstreifen neben der Bundesstraße und westlich der Ortslage gen Norden bis zur Usa. Naturschutzfachliche Ausgleichsflächen liegen beidseitig der Usa unmittelbar oberhalb der Einmündung des Hainbaches. Neue Streuobstwiesen und externes Grünland sollen angelegt, bestehende Bestände nachbepflanzt werden. (Annette Hausmanns)

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