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Ober-Mörlen: Hündin Namida tritt als Wolf im Fernsehen auf

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Von: Annette Hausmanns

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Bei der arte-Doku »Die Geschichte von Mensch und Tier« gibt Namida den »Filmwolf« in der Steinzeit und wird beim Dreh per Körpersprache von Halterin Jaqueline Kaletha aus der Ferne »dirigiert«. © Annette Hausmanns

Der Tamaskan ist ein Familienhund mit wölfischem Aussehen. Zuchthündin Namida lebt in Langenhain-Ziegenberg und hat heute Vormittag einen Fernsehauftritt als »Filmwolf« in der Steinzeit.

Das Leben mit großen Hunden kennt und liebt Jaqueline Kaletha seit vielen Jahren. Die Begegnung mit Wolfhunden vor über zwei Jahrzehnten ging ihr dabei nie ganz aus dem Sinn. Zu einem Zeitpunkt, da sie und ihr Mann Rainer ausnahmsweise hundelos in Langenhain-Ziegenberg lebten, eröffnete sich die Möglichkeit, bei einem niederländischen Züchter einen Hundewelpen zu erwerben, der zwar aussieht wie ein Wolf, aber keiner ist.

Mit zwei Stunden Verspätung hatte Nachzüglerin Namida den achtköpfigen Wurf ihrer Tamaskan-Mutter komplett gemacht. »Sie eroberte durch ihr sanftes und zutrauliches Wesen sofort unsere Herzen«, erinnern sich die Kalethas an ihre erste Begegnung. Der indianische Name für »Die mit den Sternen tanzt« stand sofort fest: »Wer so lange mit den Sternen tanzt statt auf die Erde zu kommen…«

Tamaskane in Ober-Mörlen: Namida lebt seit vier Jahren in der Wetterau

Seit viereinhalb Jahren lebt die Tamaskan-Hündin Namida im Familienverbund mit den Kalethas - und seit zwei Jahren auch ihre (wiederum jüngste) Tochter mit dem keltischen Namen Lavena (»Mondlicht«). Ihr Vater: der weiße Schäferhund Loar aus Paris. Die Hundehalter hatten sich nämlich nach gründlicher Vorbereitung dazu entschlossen, die noch seltene Rasse zu züchten. Zu den Vorfahren ihrer Tamaskane zählen sibirische Rennhuskys, amerikanische Wolfhunde und eingekreuzte Schäferhunde. Gentests verraten: Während Mutter Namida in der sechsten Tamaskan-Generation noch 3,7 Prozent Wolf in sich trägt, sind es Lavena null Prozent.

Mutter und Tochter Tamaskan haben äußerlich eine frappierende Ähnlichkeit mit Wölfen, sind aber aufgeweckte Familienhunde mit aufgeschlossenem Wesen und hervorragender Erziehung. Viel Liebe, Verstand und Zeit investieren Jaqueline und Rainer Kaletha in die Fürsorge, Sozialisierung und Erziehung. »Im Zusammenleben mit seinen Menschen braucht der Tamaskan Stabilität, Geduld und Ausdauer in der Vermittlung von Grenzen«, erzählen sie, und dass er kleinste Stimmungsschwankungen wahrnehme.

Tamaskane in Ober-Mörlen: Halter brauchen Klarheit und Ruhe

Für Halter von Tamaskanen sei es besonders wichtig, Klarheit, Ruhe und Souveränität zu bewahren. Dann könne der Tamaskan eine tiefe und vertrauensvolle Bindung zu ihm eingehen. »Seine Intelligenz, Lenkbarkeit und Eifer zu Lernen machen ihn zu einem angenehmen Begleiter«, erfahren die Kalethas auch von den Käufern ihrer Welpen. »Wird der Tamaskan nicht seinen Bedürfnissen entsprechend gehalten, wird ihm schnell langweilig, und er macht Unsinn«, erzählen sie. »Unsere Hunde sind sehr fix im Kopf, das ist schon eine Herausforderung.«

»Tamaskane brauchen die ständige Nähe zu ihrem (Menschen-)Rudel, allein bleiben sie nur sehr ungern bis gar nicht und quittieren das auch mit Heulen oder Frustration.« Was es heißt, mit einem Tier zu arbeiten, das durch seine schnelle Auffassungsgabe besticht, erfahren die Kalethas auch in der Hundeschule. Professionelles Training und zahllose Seminare tragen Früchte über den Alltag hinaus: Namida erhielt Namida eine Rolle als »Filmwolf« in einer Dokumentation über »Die Geschichte von Mensch und Tier« (s. Info).

Tamaskane in Ober-Mörlen: Namida bei TV-Dreh im Taunus

Begeistert berichtet Jaqueline Kaletha, wie sie beim TV-Filmdreh im Taunus ihre Hündin aus der Ferne derart gut mit Körpersprache »dirigieren« konnte, dass manche »Steinzeitszene« gleich im Kasten war. »Es war eine tolle Erfahrung, hinter die Kulissen schauen zu dürfen«, schwärmen die Kalethas von der Professionalität der Filmemacher aus Frankfurt und dem »Steinzeitmenschen« Wulf Hein, einem Wissenschaftler aus Reichelsheim, bei dessen »Domestizierung des Wolfes«.

Nachwuchshündin Lavena stecke indes noch voll in der Junghundphase. »Aber sie darf sich im Frühjahr 2023 als Kindermädchen beweisen und ihre Halbgeschwister, die nächsten Welpen von Namida, mit aufziehen«, so der Plan der Züchter. »Mit ihrer fröhlichen Art und ihrem sanftem Gemüt entspricht sie genau dem, was wir uns in unserer Zucht vorstellen.« Lavena soll ihre ersten Welpen mit vier Jahren haben - nach Abschluss aller Gesundheitstests. Jaqueline Kaletha hat außerdem die Ausbildung zur zertifizierten Hundetrainerin begonnen: »Das Leben mit unseren Hunden macht mir so viel Freude, dass ich meine Erfahrung gerne weitergeben möchte.«

Info: Historie der Tamaskane

Die Wurzeln der Tamaskane liegen in Finnland. Dort wurden nordische und wolfsartige Hunde als Arbeitshunde gezüchtet. Ihr Besitzer arbeitete parallel an der Entwicklung einer wolfähnlichen Rasse: Er kreuzte seine finnisch-sibirischen Rennhuskys mit tschechoslowakischen und amerikanischen Wolfhunden. Einer der Wolfhunde, »Boogie«, war genetisch ein fast reiner Wolf und wird heute als Stammvater der Rasse Tamaskan angesehen.

Aus Nachkommen dieser Zucht wurde 2006 in Schottland der erste wölfisch aussehende Familienhund geboren, der den Rassenamen Tamaskan (Indianisch: »großer, mächtiger Wolf«) erhielt. 2008 kam der erste Tamaskan nach Deutschland. Zuchtziel ist, den Tamaskan als Familien- und Begleithund zu züchten. Er soll ein wölfisches Aussehen haben, jedoch mit möglichst wenig oder keinem Wolfanteil.

Tamaskane sind in Europa noch keine anerkannte Rasse. Sie unterliegen aber strengsten Zuchtregeln, die über ein international organisiertes Register überwacht werden. Dort sind Kalethas als Züchter mit ihrem Kennel »Tamaskan vom Winterstein« anerkannt und registriert. Weltweit gibt es laut Datenbank rund 2900 registrierte Tamaskane; etwa 300 leben in Deutschland. Rund 50 Hündinnen und knapp 30 Rüden werden weltweit in der Zucht eingesetzt.

Info: Auf arte zu sehen

Die TV-Dokumentation »Die Geschichte von Mensch und Tier« erzählt, wie sich der Mensch vom nackten Schwächling zum Herrn der Welt aufschwingen konnte - buchstäblich auf dem Rücken der Tiere. Sie wird beim Fernsehsender arte am heutigen Samstag, 1. Oktober, erstmals ausgestrahlt und bleibt für drei Monate in der arte-Mediathek.

1. Teil (11.25-12.10 Uhr) »Von den Anfängen bis zum Mittelalter« (mit »Filmwolf« Namida); 2. Teil (12.10-12.55 Uhr) »Von der industriellen Revolution bis heute«; Regie: Wolf Truchsess und Andreas Wagner.

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Jaqueline Kaletha und Namida verbindet eine große Liebe. © Annette Hausmanns
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Namida (l.), hier mit ihrer Tochter Lavena, ist eine von 15 Zuchthündinnen der Rasse Tamaskan bundesweit. © Annette Hausmanns

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