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Historische Eisdiele

Ober-Mörlen: Eiskugeln für 10 Pfennig - auch Elvis war zu Gast

  • vonAnnette Hausmanns
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In Ober-Mörlen gab es einst eine Eisdiele, die nicht nur sehr beliebt, sondern auch sehr bekannt war. Das Eis von Familie Born hat sich selbst Elvis schmecken lassen.

An heißen Sommertagen schmeckt Speiseeis besonders gut. Dass es in Ober-Mörlen einst eine Eisdiele mit Café, mobilen Verkaufsstand und vielleicht dem besten Eis weit und breit gab, das ist vielen Bürgern sicher noch in guter Erinnerung. Jakob und Erna Born hatten vor rund 70 Jahren eine geniale Geschäftsidee. Sie kombinierten Erfindungsreichtum mit einer köstlichen Rezeptur und boten schließlich Vanille-, Schokolade-, Erdbeer- und Zitroneneis an - für 10 Pfennig die Kugel.

Angesiedelt war das Schlemmerparadies im »Alten Schulhaus« hinter der katholischen Pfarrkirche St. Remigius. Hier konnte man während der Sommermonate in der Eisdiele oder im Hof an selbst geschreinerten Tischen gemütlich beisammen sitzen und sich die Köstlichkeiten auf der Zunge zergehen lassen. Von den Amerikanern hat Jakob Born viel über Eis-Rezepturen gelernt. Die Zutaten für die süße Schleckerei kamen aus der direkten Umgebung, denn zu dieser Zeit gab es in Ostheim etwa noch eine Molkerei.

Ober-Mörlen: Wagen vor der Mädchenschule wurde umlagert

Zunächst war für den Straßenverkauf ein mobiler Anhänger konstruiert worden. Besonders vor der Alten Mädchenschule am Kirchplatz wurde der Wagen umlagert, aber auch nahe dem damaligen Sportplatz (heute Lekkerkerkplatz) an der Usinger Straße. Um das Speiseeis zu kühlen, wurden Säcke mit Roheis aus der Friedberger Brauerei um den Bottich gelegt. Als Zugmaschine für den Eiswagen diente zunächst ein Motorrad der Marke NSU. Später wurde das Ober-Mörler Eis unter verlockendem »Bömmelebömm« im VW bis in die Nachbardörfer gefahren.

In weniger heißen Jahreszeiten konnte man bis 1963 in der Gastwirtschaft »Zum Piff«, wie die Eisdiele später hieß, einkehren. Unter den sieben Kindern - sechs Söhne und eine Tochter - war es Lothar Born, der die Gastwirtschaft übernahm. Seit seiner Kindheit nannten ihn alle nur »Pfiff«. Seiner steilen Turner- und Kunstradfahrer-Karriere hatte ein Sturz ein jähes Ende gesetzt.

Ober-Mörlen: Historisches Public Viewing bei »Pfiff«

Den größten Betrieb erlebte das Wirtshaus sicher am 4. Juli 1954. An diesem Tag wurde das »Wunder von Bern« live im Fernsehen übertragen. Nur drei Gaststätten hatten damals ein Fernsehgerät und »Zum Pfiff« war eine davon. Der Andrang zum Fußball-WM-Endspiel zwischen Ungarn und Deutschland war derart groß, dass man kurzerhand den Fernseher, Tische, Stühle und Bänke im Hof aufbaute und alles mit einer Plane und Birkenreisig überspannte. Die erlösende 84. Minute, in der Walter Rahn das Siegtor zum 3:2 schoss, sorgte für ausgelassene Stimmung im ganzen Dorf.

Weniger spektakulär aber sagenumwoben verliefen ein paar Jahre später die eher stillen Besuche des King of Rock’n’Roll in der Ober-Mörler Sandgasse. Lothar Born erinnert sich, wie Elvis Presley - der Star aus Amerika war von 1958 bis 1960 in Friedberg als Soldat stationiert und wohnte in Bad Nauheim - das erste Mal zusammen mit einem von Borns amerikanischen Stammgästen im Jeep vorfuhr und eine Cola trank.

Ober-Mörlen: Auch Elvis kam vorbei

Lothar Born sei mit seiner NSU Quickly dann hinter den beiden hergefahren - bis zum Übungsgelände hinter der Hasselheck, wo die GIs mit Nivellierungsarbeiten beschäftigt gewesen seien. Lange habe er sich dort mit Elvis unterhalten und ihn danach oft wiedergesehen.

»Ich hatte eine gute Kamera, mit der ich viel fotografiert habe«, erinnert sich Lothar Born. Seine Elvis-Fotos habe er auf Postkartenformat gezogen, auf der Theke im Gasthaus ausgelegt und für 50 Pfennig verkauft. Der heute 80-Jährige bedauert sehr, dass er keines dieser Bilder mehr hat und auch die Negative verloren gingen. Auch Lothar Borns neun Jahre jüngere Schwester Elvira Dinges erinnert sich an Elvis. Sie habe ihm Flaschenbier serviert: »Mein Spitzname war danach immer Elvis.«

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