Ziemlich hoch: Das Gras auf dem Ober-Mörler Friedhof.
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Ziemlich hoch: Das Gras auf dem Ober-Mörler Friedhof.

"Neuer Müll am nächsten Tag"

Ober-Mörlen (en). "Auf dem Friedhof wird nur noch sehr selten gemäht, und wenn, dann ohne Fangkorb. Das gemähte Gras liegt dann auf dem Rasen und auf den Gräbern. Beschwerden bei der Gemeinde nutzen nichts" – die Kritik an der Gemeinde und am Bauhof ist unüberhörbar. Viel schlimmer freilich sieht die Umgebung aus.

Bürgermeister Jörg Wetzstein nimmt die Kritik ernst, aber die Beschäftigten gleichermaßen in Schutz: "Seit Jahren gibt es einen festen Pflegeplan für den Friedhof, und der wird eingehalten." Dass das Gras auch nach Auskunft der WZ-"Friedhofstester" gerade derzeit wieder einmal eine Mahd gebrauchen könnte, hat nach Wetzsteins Worten zwei Gründe.

Wachswetter

Zum einen sei das Gras überall durch die günstige Witterung in diesem warmen und feuchten Sommer viel schneller gewachsen als in den Vorjahren, was den Eindruck verstärken könne, dass weniger gemäht werde. Und zum zweiten falle der für den Friedhof in erster Linie zuständige Bauhofmitarbeiter nach einem Arbeitsunfall für eine Weile aus. Die gleiche Menge Arbeit – und durch das überdurchschnittliche Wachstum sogar noch etwas mehr – müsse daher auf weniger Schultern verteilt werden. Doch könne man den Personalstand im Bauhof nicht an das Wetter anpassen, man werde freilich mit einer Verstärkung reagieren, falls sich der Krankenstand des verunglückten Arbeiters länger hinziehe.

Außer diesen unvorhersehbaren Schwankungen habe sich seit seiner Amtsübernahme nichts verändert: Es gebe weder einen Personalabbau im Bauhof noch wesentlich mehr Aufgaben.

Ob auf dem Friedhof mit oder ohne Grasfangkorb gemäht wird, ob – wenn ja – Grashalme an den Grabsteinen landen und dort auch nicht abgewischt werden – das ist Wetzstein zu speziell. Beschwerden hierüber seien ihm jedoch seit längerer Zeit nicht mehr zu Ohren gekommen. Die einzige Kritik von Bürgern dazu sei berechtigt gewesen aber Jahre her und mittlerweile ausgeräumt.

Zufriedene Mehrheit

Einzelne Beschwerden gebe es naturgemäß, und nicht nur in Ober-Mörlen, dass die "schweigende Mehrheit" mit der Friedhofspflege zufrieden sei, gehe angesichts polternder Einzelmeinungen unter, betonte der Rathauschef, der sich vom Gemeindeparlament gerade erheblich erhöhte Friedhofs- und Bestattungsgebühren genehmigen lassen will. Ausdrücklich weist Wetzstein zudem darauf hin, dass im neuen Haushalt 25 000 Euro stehen für die Sanierung der Hauptwege auf dem Friedhof. Anfang nächsten Jahres werde man das angehen, die Wege auf dem Langenhain-Ziegenberger Friedhof seien vorgezogen worden, da dort die Besucher durch lose Platten gefährdet gewesen seien.

"Gefährdung" ist ein weiteres Stichwort für den unzufriedenen Friedhofsbesucher: "Es wird nichts getan gegen die Mäuseplage, man muss schon aufpassen, dass man mit seinem Gehstock nicht in einem Mäuseloch hängen bleibt." Wenn hier jemand zu Fall komme, werde die Gemeinde zahlen müssen. Von einer "Plage" sei ihm nichts bekannt, betont Rathauschef Wetzstein, dass sich Mäuse auf den großen Grünflächen des Friedhofs aufhielten, sei grundsätzlich nicht zu vermeiden.

Dreckige Umgebung

Weniger das Bild des Friedhofs selbst veranlasste die WZ-Besucher zum Kopfschütteln, als vielmehr die Zustände auf dem Parkplatz und im Gras in der Umgebung: Scherben und Unrat prägten am Donnerstag das Bild rund um die Wertstoffcontainer, und in der Böschung zur Gartenstraße lag jede Menge Kleinmüll, von der Papiertüte über den Fastfood-Becher bis hin zur Zigarettenschachtel.

Das Achselzucken des Bürgermeisters ist durchs Telefon zu erahnen: "Was soll man dagegen machen?" Rund um die Container schaffe der Bauhof jeden Freitag Ordnung. Doch eine Woche später sehe es wieder so aus als werde nie etwas gemacht. Die Container am Friedhof seien da keine Ausnahme, nur an den gut einsehbaren Standorten in Wohngebieten bleibe es etwas sauberer. Aber man komme ohne die abgelegeneren Standorte nicht aus. Übers Jahr habe der Bauhof eine "atemberaubende Tonnage" zu entsorgen.

Die Böschung schließlich wird laut Wetzstein zweimal im Jahr gemulcht und gesäubert. Hinzu komme die Aktion Saubere Gemarkung. Aber: "Am nächsten Tag liegt schon wieder neuer Mist da."

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