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Die Baustraße im zweiten Bauabschnitt des Neubaugebietes Schießhütte II ist frisch asphaltiert. Sie wird später den Namen Gaulskopfstraße tragen und als Haupterschließungsstraße im Wohnbereich fungieren. Die genaue Parzellierung steht noch ebenso aus wie die Festlegung der Grundstückspreise und der Start der Vermarktung (bei derzeit 600 Interessenten).

20-prozentigen Baupreiserhöhung

Neubaugebiet in Ober-Mörlen: Investor beklagt »schmerzliche Verluste«

  • VonAnnette Hausmanns
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»Die ›Mäuse‹ laufen uns weg«, scherzte Geschäftsführer Heiner Geißler von der Grundstücksentwicklungsgesellschaft (GEG), die die Schießhütte II entwickelt. Wegen der gestiegenen Baupreise wird es auch für die Grundstückskäufer bald wohl teurer.

Der Waldwirtschaftsplan und die Baulandpreise im Neubaugebiet Schießhütte II standen am Mittwoch auf der Tagesordnung der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses (HuF) im Rittersaal des Schlosses. Details zum Waldwirtschaftsplan erklärte Forstamtsleiter Jörg Deutschländer-Wolff. Viele Entscheidungen seien den schwierigen Umständen nach Trockenjahren und Borkenkäferbefall geschuldet. Zusammengerechnet kam der Experte auf 95 000 Euro Kosten und 70 000 Euro Einnahmen 2022. Bereinigt um rund 15 000 Euro für die Forsteinrichtung bleibe ein Minus von ca. 10 000 Euro.

Ob er der Gemeinde empfehlen könne, aktuell mehr in den Kommunalwald zu investieren, beispielsweise für Verjüngungsmaßnahmen, wollte Dr. Matthias Heil (CDU) wissen. Mit dem Försterspruch »Gras, Maus, aus« veranschaulichte Deutschländer-Wolff, dass man auf Kahlflächen mit der Wiederaufforstung derzeit lieber abwarte. Neben der auf zarte Rinde spezialisierten Rüsselkäfer-Invasion sorgten Kurzschwanzmäuse auf vergrasten Flächen für Probleme durch Rinden- und Wurzelfraß. »Unser Mäusemonitoring spricht für eine explodierte Population.« Frische Setzlinge würden einfach aufgefressen. Das Problem erledige sich in wenigen Jahren von selbst.

Teure Entwässerung und Ausgrabungen

Sie führten auch ein »Mäusemonitoring« durch, scherzte Geschäftsführer Heiner Geißler von der Grundstücksentwicklungsgesellschaft (GEG), die die Schießhütte II entwickelt. Denn: »Die ›Mäuse‹ laufen uns weg.« Deshalb komme man mit der dringenden Bitte, den im April 2017 abgeschlossenen Städtebaulichen Vertrag zu den Baulandpreisen zu erweitern, um die Grundstückspreise vorzeitig ändern zu dürfen. Wie Geißler betonte, komme man nicht, um sich die »Taschen vollzumachen«. Vielmehr rede man über schmerzliche Verluste. Im 53 000 Quadratmeter großen zweiten Bauabschnitt könne man so nicht mehr wirtschaftlich arbeiten. De facto gehe es um Mehrkosten und Mindereinnahmen von knapp drei Millionen Euro.

»Wenn wir diesen Puffer einkalkuliert hätten, wäre das nicht seriös gewesen«, führte Geißler ins Feld. Mit einer über 20-prozentigen Baupreiserhöhung habe man nicht rechnen können. Das Microtunneling-Verfahren beim Bau der Entwässerungsleitung habe mit 550 000 Euro am meisten zu Buche geschlagen.

Hinzukämen eine »überraschend große« archäologische Baubegleitung am ursprünglich nicht nahe der Usa eingeplanten Regenwasserrückhaltebacken, die größere Kanal-Dimensionierung, ein im B-Plan nachgebesserter Fußweg (und damit 700 Quadratmeter weniger Baufläche), der Ausbau der Straße Zur Schießhütte sowie ein nachgebessertes Mischgebiet, in dem das Bauland (4500 Quadratmeter) erfahrungsgemäß günstiger verkauft werde.

Wie Geißler in Erinnerung rief, habe man Aufgaben für die Gemeinde übernommen, die bei Vertragsabschluss nicht absehbar gewesen seien. »Das waren Arbeiten, die einfach Sinn machten«, unterstrich auch Geschäftsführer Fabian Schäfer den stets fairen Umgang miteinander, nicht zuletzt auch in Sachen Grundstücksverkauf an einen von der Gemeinde gewünschten Investor für die Seniorenresidenz. Statt der errechneten »nötigen« Preissteigerung um 52 Euro pro Quadratmeter auf der gesamten Fläche wolle man die Preise im Einfamilienhausgebiet um 30 Euro erhöhen. »Wir wollen den Schaden ganz schlicht auf ein humanes Maß begrenzen«, unterstrichen die Geschäftsführer.

HuF-Vorsitzender Joachim Reimertshofer (SPD) hielt das Nachverhandeln für durchaus legitim. »Mir fehlen aber die Belege«, kritisierte der Jurist. Die kargen Unterlagen ließen sich schwer lesen. »Was ich nicht verstanden habe, kann ich auch dem Bürger nicht erklären, in dessen Auftrag wir zu entscheiden haben«, gab Reimertshofer zu bedenken.

Abstimmung nicht mehr dieses Jahr

Am Ende kam man überein, dass die GEG kurzfristig detaillierte Belege nachreicht, dass man über die Mischgebietspreise nochmal spricht und womöglich auch über den Preis-Festlegungszeitraum.

Somit wird das Thema in der nächsten Sitzung am 8. Dezember (um 20 Uhr in der Usatalhalle) weiter besprochen, kommt also in der Parlamentssitzung am 2. Dezember nicht zur Abstimmung. Vertagt wurden am Mittwoch zu fortgeschrittener Stunde auch alle weiteren Punkte: Sport- und Kulturhalle, Zisternen, Windpark, Solarenergie und Elektro-Ladesäulen.

Info: Differenzierung angedacht

Für die Sitzung am 8. November hatte der Gemeindevorstand empfohlen, der GEG-Bitte um den Nachtrag zum städtebaulichen Vertrag zu entsprechen. Der Antrag wurde indes in den Ausschuss verwiesen. Gedacht war an eine Differenzierung der Baulandpreise statt der bisherigen Einheitssumme von 269 bis 319 Euro. Laut Antrag sollen die erschlossenen Grundstücke je nach Bebauungsart zu folgenden Quadratmeter-Preisen veräußert werden: Mischgebiet (4500 Quadratmeter) 200 bis 269 Euro, Wohngebiet für Einfamilienhäuser 269 bis 349 Euro und für Mehrfamilienhäuser (6700 Quadratmeter) 269 bis 399 Euro. Alle Preise sollen zunächst auf drei Jahre festgelegt werden. Im Vertrag zwischen der Gemeinde und der GEG vom April 2017 steht geschrieben, dass der ursprüngliche Verkaufspreis zunächst für die ersten fünf Jahre nach Vertragsabschluss gilt und danach neu zu verhandeln sei. Maßstab sei die Entwicklung der Bodenrichtwerte. »Sollte eine Einigung nicht herbeigeführt werden können, gilt die bisherige Preisobergrenze weiter.

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