Reitschülerin Miriam Gaedicke und ihre Tochter bereiten die Pferde liebevoll für die erste heiß ersehnte Reitstunde nach der Corona-Pause vor.
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Reitschülerin Miriam Gaedicke und ihre Tochter bereiten die Pferde liebevoll für die erste heiß ersehnte Reitstunde nach der Corona-Pause vor.

Viel Unterstützung

Nach Corona-Zwangspause: Reitschule kann weitermachen

  • vonAnnette Hausmanns
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Monika Lomnitz ist unendlich dankbar. In ihrer Reitschule darf nach acht Wochen Corona-Zwangspause wieder unterrichtet werden. Das half ihr über die Durststrecke.

Auf der Pferdeweide wird es lebendig. Alle Tiere trotten in Richtung Ausgang. Gerne lässt sich die kleine Karawane in die Stallungen führen. »Darauf haben wir uns seit Wochen gefreut«, strahlen Miriam Gaedicke und ihre Tochter. Die beiden werden gleich ihre ersten Einzelreitstunden nach der Corona-Pause genießen: die Mutter beim Dressurreiten, die Tochter beim Voltigieren. Es tue gut, wieder auf dem Pferd zu sitzen. Das sorgfältige Vor- und Nachbereiten der Pferde sei ihnen aber noch wichtiger, erzählen sie und schmiegen sich an ihre Lieblinge.

Reitschule Ober-Mörlen: Acht Wochen Pause

Überglücklich steht Reitlehrerin Monika Lomnitz in der Halle. Das Unterrichten habe ihr sehr gefehlt, gesteht die Pferdewirtschaftsmeisterin. Mit dem Neustart nach acht Wochen Corona-Zwangspause sei es nun doch schneller gegangen, als kürzlich noch befürchtet. Die erlösende Botschaft kam via allgemeiner Veröffentlichungen über die Lockerungsvereinbarungen zwischen Bund und Ländern und der unverzüglichen Umsetzung durch die Landesregierung. Einen persönlichen Bescheid erhielt sie indes nicht. Dafür aber jede Menge Zuspruch und Unterstützung in der schwersten Zeit ihres bisherigen beruflichen Lebens. Nicht einen Moment habe sie daran gedacht, ihren Betrieb mit 15 gut ausgebildeten Lehrpferden aufzugeben - trotz davongaloppierender Kosten und null Einnahmen. Das Licht am Ende des Tunnels verlor die Kämpfernatur auch deshalb nie aus den Augen, weil sie tatkräftige Unterstützung erhielt. »Alleine hätte ich das nie geschafft«, blickt Lomnitz dankbar auf ihre Helfer.

Über Wochen pflegte, hegte und ritt die langjährige Reitschülerin Kim Windhager die Pferde. »Der Stall ist mein zweites Zuhause«, schwärmt die angehende Verwaltungsfachangestellte aus Oppershofen, die über Wochen von ihrer Arbeit freigestellt war und auch danach in ihrer Freizeit quasi den Job einer Pferdewirtin übernahm - und das »richtig gut und absolut zuverlässig«, wie Lomnitz betont. Später kamen mit Franny Göller und Sue Marie Grünen Schülerinnen aus Friedberg und Münzenberg dazu, die sich in enger Absprache mit den Eltern und nach Erledigung ihrer Homeschooling-Aufgaben im Reitstall um die Tiere und Feinheiten wie Huf- oder Lederpflege kümmerten. Die Grundversorgung leisteten Lomnitz’ Ehemann Gerd Strothenke und ihr Mitarbeiter Franz Watola größtenteils unter Verzicht auf Lohnfortzahlung sowie Burkhard Burk, der immer helfend zur Stelle sei, wenn’s brennt. Später kamen weitere Reitschülerinnen zum Helfen dazu, Fachleute unter den Kunden durfte Lomnitz um Rat in Sachen Pandemiegefahr, Finanz- und Rechtsfragen bitten. Eine Kollegin in Südhessen habe ihr mit Tipps zur Wiedereröffnung den Rücken gestärkt.

Reitschule Ober-Mörlen:Vor Ruin bewahrt

Nicht zuletzt bewahrten finanzielle Hilfen den Pferdebetrieb vor dem Ruin. Zahlreiche Kunden spendeten, und mit einer stattlichen Summe auch das Pferdesportparadies in Rosbach, dessen Besitzerin Melanie Schröter die besondere Lage eines Betriebes erkannte, der ganz ohne Pensionspferde ausschließlich mit Reitunterricht sein Einkommen generiert - und beim Lockdown komplett verliert. Eine Durststrecke, die nicht überall gemeistert werden konnte. Eine Kollegin habe ihre Pferde an den Schlachter verkauft, weil sie nicht mehr weiter wusste, erzählt Lomnitz und findet kaum Worte. »Ohne die starke Unterstützung hätten meine Pferde und ich diese Zeit nicht so gut überstehen können.«

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