Landschaft im Wandel: Ein naturkundlich-historischer Rundgang des NABU Ober-Mörlen führte ins Naturschutzgebiet Magertriften. FOTO: PM
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Landschaft im Wandel: Ein naturkundlich-historischer Rundgang des NABU Ober-Mörlen führte ins Naturschutzgebiet Magertriften. FOTO: PM

Mehr Gehölze und weniger Streuobst

  • vonred Redaktion
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Ober-Mörlen(pm. Wie sah das Naturschutzgebiet Magertriften vor rund 60 Jahren aus? Mit dieser Frage befasste sich ein naturkundlich-historischer Rundgang des NABU Ober-Mörlen unter Leitung von Melanie Hahn und Robert Scheibel. Möglich wurde diese Veranstaltung dadurch, dass Melanie Hahn während ihres Studiums die Veränderung der Landschaftsstruktur in den Magertriften und den angrenzenden Flächen zwischen 1953 und 2015 untersucht hatte. Den 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bot sich so eine neue wissenschaftliche Sicht auf das Gebiet.

An der ersten Station des Rundganges ging Melanie Hahn auf die Methodik der Untersuchung des Landschaftsstrukturwandels ein. Datengrundlage waren ein historisches Luftbild von 1953 und ein aktuelles Luftbild. Diese Aufnahmen wurden mit einem Computerprogramm in digitale Karten umgewandelt und die einzelnen Flurstücke als Acker, Grünland, Streuobst, Gehölze, Wege etc. klassifiziert. Nun ließ sich auswerten, wie sich die Anzahl und Größe der Parzellen, deren Form und die Länge der Grenzlinien veränderten, und welche Verschiebungen zwischen den Nutzungsarten stattfanden. Dies konnte man bei mehreren Stopps an konkreten Beispielen feststellen. Hilfreich waren dabei die mitgeführten Luftbilder, Karten und Diagramme.

Nutzungsaufgaben und Aufforstungen

Bereits auf den ersten Blick erkennbar ist die Zunahme von Gehölzflächen. Zum einen durch Nutzungsaufgabe von Grünland, die dann zur Verbuschung führt, aber auch durch gezielte Aufforstungen.

So gab es das gepflanzte Wäldchen am Märzberg im Jahr 1953 noch gar nicht. Um zwei Drittel abgenommen haben dagegen die Streuobstbestände. Etwa gleich geblieben ist die Flächenbedeckung mit Äckern und Grünland. Dabei wurden im Naturschutzgebiet Äcker zu Grünland, und außerhalb, wie im Fauerbachtal, Grünland zu Äckern, sodass eine Verschiebung der Grünlandflächen in das Schutzgebiet stattgefunden hat. Viele ehemalige Streuobstbestände sind heute Grünland, da die Bäume nicht mehr gepflegt und nachgepflanzt wurden.

Einen Einfluss auf die vorkommenden Tier- und Pflanzenarten hat auch die deutliche Zunahme der Flächengrößen und die damit verbundene kleinere Zahl von Einzelflächen sowie die Abnahme der Randlinienlängen.

An der Weinstraße blickten die Teilnehmer auf einen großen Acker, wo vor sechzig Jahren viele kleine Äcker lagen. Es stellte sich die Frage, was in welchem Fall besser oder schlechter für bestimmte Tiere oder Pflanzen ist. Weniger Ackerränder wirken sich auf jeden Fall ungünstig auf Insekten und Kleintiere aus. Vielschichtiger ist die Bewertung von mehr Grenzlinien zwischen Grünland, Streuobstwiesen und Gehölzen. Einerseits bieten Randlinien zusätzliche Strukturen, andererseits können ausgehend von den Gehölzen negative Grenzeffekte wie Beschattung oder Ausbreitung von Verbuschung auftreten. "Die heutigen Parzellengrößen im Naturschutzgebiet sind diesbezüglich ein guter Kompromiss", meint der NABU.

Die Führung endete mit einem Blick in die Zukunft: Wie sieht das Naturschutzgebiet in 20 Jahren aus? Einigkeit bestand darin, dass sich die struktur- und artenreiche Landschaft nur durch gemeinsame Bemühungen von Landwirtschaft, Behörden, ehrenamtlichen Naturschützern und Eigentümern erhalten lässt.

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