Eltern in Langenhain-Ziegenberg fragen sich angesichts herabfallender Dachziegelteile, ob ihre Kinder nur noch mit Bauhelm zur Kita gehen sollten.
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Eltern in Langenhain-Ziegenberg fragen sich angesichts herabfallender Dachziegelteile, ob ihre Kinder nur noch mit Bauhelm zur Kita gehen sollten.

Besorgte Eltern

Marode Kita in Langenhain-Ziegenberg: Mit Bauhelm in die Kita?

  • vonAnnette Hausmanns
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Das Dach des Kindergartens ist marode. Eltern in Langenhain-Ziegenberg stellen sich die Frage, ob sie ihre Kinder mit Bauhelm in die Kita gehen lassen sollten.

Seit dem letzten Sturm fallen regelmäßig Teile von Dachziegeln hinab. Eltern fordern die umgehende Umsetzung einer seit Langem geplanten Dachsanierung. »Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis der erste komplette Ziegel vom Dach fällt«, schreiben die besorgten Eltern von Kindern, die sich spielend rund um die evangelische Kindertagesstätte »Sonnenstrahl« in Langenhain-Ziegenberg bewegen.

Das Problem des maroden Daches sei seit vielen Jahren bekannt, heißt es weiter in dem Brief. Er ist an die Gemeinde als Eigentümer der Kita gerichtet, ans Evangelische Dekanat Wetterau als Träger, an den Kreis als Aufsichtsbehörde und an die WZ. Für die Kinder und das Personal bestehe akute Gefahr.

Marode Kita in Langenhain-Ziegenberg: Wartelisten für Kita-Plätze gut gefüllt

Um nicht nur den Dachverfall zu stoppen, sondern »gleichzeitig wertvolle neue Kinderbetreuungsplätze zu schaffen, wurde daher schon vor über drei Jahren von der Gemeinde ein Dachgeschossausbau beschlossen«, heißt es in dem Elternschreiben. Bis heute sei nichts passiert. Die Wartelisten für Kindergartenplätze seien in der gesamten Gemeinde gut gefüllt. Durch Neubaugebiete werde der Bedarf weiter steigen.

Viele Eltern besuchten denn auch am Donnerstag die Ortsbeiratssitzung im Dorfgemeinschaftshaus (DGH) und stellten ihre Fragen zum Sachstand. Der Dachdecker sei vor Ort gewesen und habe das Dach geprüft, berichtete Bürgermeisterin Kristina Paulenz.

Seiner Meinung nach müsse ein Neuntel der Dachziegeln erneuert werden, das seien rund 40 Quadratmeter. Sie habe den Dachdecker am Donnerstag mit den Arbeiten beauftragt und gehe davon aus, dass er sie zeitnah erledigen werde.

Marode Kita in Langenhain-Ziegenberg: Bürgermeisterin: Keine Gefahr im Verzug

Als »völlig inakzeptabel« und viel zu vage beschrieb ein Kita-Vater diese Aussage. Es müsse einen verbindlichen Termin geben, es bestehe eine konkrete Gefährdung. »Im Moment ist keine Gefahr in Verzug«, sagte Paulenz. Sie könne nur die Arbeiten beauftragen. Für eine eventuelle Schließung wegen akuter Gefahr wäre das Dekanat zuständig.

Im Gespräch mit der WZ am Freitagmorgen nannte die Bürgermeisterin nach einem Telefonat mit der Firma einen konkreten Termin: Am heutigen Dienstag werde der Dachdecker kommen und alle defekten Ziegel austauschen. »Die akuten Mängel werden behoben«, sicherte Paulenz zu.

Bedauerlich sei, dass mit der Reparatur so lange gewartet worden sei, hatten die Eltern bei der Ortsbeiratssitzung ins Feld geführt. Seit Jahren sei der schlechte Zustand bekannt. Auf den Vorschlag, nun regelmäßige Qualitätskontrollen am Dach durchzuführen, ging Paulenz zustimmend ein.

»Wir haben das Gefühl, an der Kita in Langenhain wird nichts mehr gemacht«, zeigten sich die Eltern enttäuscht. Der Dachausbau werde augenscheinlich nicht vorangetrieben. Sie verwahre sich gegen solche Gerüchte, betonte Paulenz. Im Rathaus werde sehr wohl nach einer guten Lösung gesucht, aber nicht für utopische Summen. Derzeit seien ihre Mitarbeiter damit befasst, Details zum Ausbau des Dachgeschosses mit den übergeordneten Behörden abzuklären.

Marode Kita in Langenhain-Ziegenberg: Bewegungsraum verloren

Unterdessen hätten die Kinder schon ihren Bewegungsraum im Erdgeschoss verloren, bemängelten die Eltern. In dem Raum war nach den Sommerferien eine dritte Gruppe untergebracht worden. Dies sei coronabedingt geschehen, erklärte die für die Kitas im Dekanat zuständige Geschäftsführerin Elisabeth Kessler - um die Kinder in kleinen Gruppen zu betreuen.

Da das Dekanat die lange Warteliste kenne, habe man der Gemeinde vorgeschlagen, den Bewegungsraum für zwei Jahre als dritten Gruppenraum zu nutzen, um zusätzliche Kinder aufnehmen zu können. In dieser Zeit, so Kessler, könnte das Dachgeschoss ausgebaut werden. Bürgermeisterin Paulenz wiederholte im Ortsbeirat ihr Angebot, den Kindern das DGH für Bewegungsstunden zur Verfügung zu stellen.

Marode Kita in Langenhain-Ziegenberg: Alle drei Gruppen im Erdgeschoss?

Der dritte Gruppenraum wird laut Kessler wohl ohnehin nicht im Dachgeschoss errichtet werden können, weil es dort zu wenig Tageslicht gebe. Bei einer Begehung der Kita im August sei besprochen worden, dass der dritte Gruppenraum im ehemaligen Bewegungsraum bleiben solle, während im Dachgeschoss ein Bewegungs- und ein Personalraum entstehen sollten.

»Zusätzlich müssen im Erdgeschoss und im Dachgeschoss noch je eine Toilette für Kinder geschaffen werden.«

Im WZ-Gespräch ergänzte Bürgermeisterin Paulenz, dass die Baugenehmigung aus dem Jahr 2000 von einem Mehrzweck-, Ruhe- bzw. Bewegungsraum unterm Kita-Dach spreche. Die Raumverteilung mit allen drei Gruppenräumen im Erdgeschoss mache auch aus pädagogischer Sicht Sinn.

Marode Kita in Langenhain-Ziegenberg: Auf Reaktion au Rathaus vergeblich gewartet

Von dieser Wendung zeigten sich die Eltern überrascht. Nicht zuletzt hatten sich Eltern wie Bürgermeisterin eine direkte Kommunikation gewünscht. »Wenden Sie sich an mich und nicht gleich an übergeordnete Stellen, Funk und Fernsehen«, bat Paulenz. Der Elternbeirat um Vorsitzende Carina Mörler bedauerte, auf eine Reaktion aus dem Rathaus zuletzt eine Woche vergeblich gewartet zu haben.

Marode Kita in Langenhain-Ziegenberg: 600 000 Euro im Haushalt vorgesehen

Seit Jahren laufen bei der Kommune Planungen für Dachsanierung und -ausbau der evangelischen Kindertagesstätte »Sonnenstrahl« in Langenhain-Ziegenberg. Damit sollen die Voraussetzungen für eine weitere Gruppe und einen Personalraum geschaffen werden. Das Dachgeschoss ist aus Sicherheitsgründen seit Jahren gesperrt.

Im vergangenen Jahr fanden statische Voruntersuchungen für Sanierung und Ausbau statt. Die Kommune schrieb die Gewerke aus. Ende letzten Jahres strich der Gemeindevorstand aus dem Haushaltsentwurf die für den Dachausbau vorgesehenen Gelder von angedachten 440 000 Euro und ließ 10 000 Euro für das Notwendigste stehen.

Im Januar machten sich die Fraktionen zusammen mit Kita-Leitung, Eltern, Kirchenvorstand und Dekanat vor Ort ein Bild und sprachen sich für eine schnelle Besserung aus.

Marode Kita in Langenhain-Ziegenberg: Förderung unsicher

Wie Bürgermeisterin Kristina Paulenz Ende Januar auf WZ-Anfrage erklärte, habe der Gemeindevorstand aus Gründen der Wirtschaftlichkeit die Notbremse ziehen müssen, veranschlagte Kosten seien laut Handwerkerangebot auf das Zweieinhalbfache in die Höhe geschnellt. Zuschusstöpfe seien leer.

In Zusammenarbeit mit dem kommunalen Bauamt und dem Architekturbüro sei man unter Hoch-druck bemüht, eine Lösung zu finden, hatte Bürgermeisterin Paulenz Ende Januar gesagt.

Im kommunalen Haushalt wurden im April 600 000 Euro für Dachsanierung und -ausbau eingestellt. Ein Nachtragshaushalt in Corona-Zeiten wurde zugleich für sehr wahrscheinlich erachtet. Wie Kristina Paulenz aktuell zu bedenken gibt, seien alle Fördertöpfe erschöpft, sodass die zugesagten 250 000 Euro wohl nicht ausgeschüttet werden könnten.

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