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Im Sommer will Marius Schöfl gemeinsam mit einem Schlagzeuger bei kleinen Gartenpartys im Kreisgebiet auftreten, wenn Lockerungen dies erlauben.

Ober-Mörler ist international gefragt

Marius Schöfl: Der DJ, der sich neu erfindet

  • VonStefan Schaal
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  • Redaktion
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Marius Schöfl ist ein weltweit gefragter DJ. Der 31 Jahre alte Ober-Mörler begleitet Veranstaltungen von Daimler, Porsche und Bayern München. Wie kommt er mit der Corona-Krise zurecht?

Tränen fließen im Zirkuszelt. Die Braut ist spontan ans Mikrofon getreten. »Our love would rule in this kingdom we have made«, singt sie Eric Claptons »Change the world«, während Marius Schöfl neben ihr steht und sie Gitarre spielend begleitet.

Als der letzte Ton des Songs erklingt, klatschen die Hochzeitsgäste, der Bräutigam umarmt schluchzend seine Frau im weißen Kleid. Musik hat einen Moment geschaffen, den das Ehepaar nie vergessen wird. Schöfl, der aus Hüttenberg stammende Musiker und DJ, hat ihn ermöglicht, drei Jahre ist das her.

Gemeinsames Ständchen mit Max Giesinger

Der 31 Jahre alte Schöfl spielt auf Hochzeiten und Firmenfeiern weltweit. Er tritt als DJ auf Sri Lanka und den Philippinen auf. Der Ober-Mörler begleitet Veranstaltungen von Daimler, Porsche und Bayern München.

Als Schöfl im Oktober 2018 eine Hochzeitsfeier in Dagobertshausen musikalisch begleitet und erfährt, dass nebenan gerade der bekannte Popsänger Max Giesinger probt, legt er eine kurze Pause ein, besucht Giesinger und fragt ihn, ob er für ein paar Minuten mit ihm singen will.

Still und heimlich schleichen sie durch die Küche zur Hochzeitsfeier, auf der Bühne halten sie dann dem Brautpaar mit dem Lied »80 Millionen« ein Ständchen.

Schöfl blickt nach unten, streicht sich über den Bart und lächelt, während er davon erzählt. Es sind besondere Momente und Erinnerungen aus einer Zeit, die weit entfernt scheint. Die Pandemie verurteilt Musiker wie ihn seit mehr als einem Jahr nun weitgehend zur Stille.

In den vergangenen Jahren »viel Gas« gegeben

In guten Jahren hat der Künstler und selbständige Unternehmer sechsstellige Summen eingenommen. »Hätte ich in den vergangenen Jahren nicht so viel Gas gegeben und würde ich davon heute nicht zehren können«, sagt Schöfl, »dann wäre ich jetzt weg vom Fenster.«

Schöfl sitzt zu Hause in Ober-Mörlen in seinem Wohnzimmer an einem Tisch aus dunklem Holz, draußen tröpfelt es, es ist später Nachmittag, der Himmel ist diesig, auf einem Sofa liegt eine Gitarre.

Heute morgen, erzählt der Musiker, habe auf dem Etikett seines Tees ein Spruch gestanden, über den er noch immer grübelt und dessen Richtigkeit er anzweifelt. »Zeige dich von deiner starken Seite«, lautet der Satz.

Durch Corona-Krise getroffen

Schon richtig, er sei ein erfolgreicher Künstler, sagt er. Aber er müsse auch die verletzliche, durch die Corona-Krise getroffene Seite als Künstler deutlich machen. Die Pandemie setzte ihm zu. »Ich ziehe meine Energie aus meinen Auftritten«, sagt der Musiker. »Die fehlt mir.«

Im Oktober 2020 hat er einen nachdenklichen Post auf Instagram gesetzt. »Wie soll das weitergehen?«, hat er gefragt. Künstler müssten stärker auf ihre schwierige Situation aufmerksam machen. »Wir sind zu ruhig.«

Im März vergangenen Jahres brach mit dem Ausbruch der Pandemie Auftrag für Auftrag weg, Hochzeitsfeiern und Firmenveranstaltungen fielen aus. Meditation habe ihm geholfen, mit den Dämpfern umzugehen, sagt Schöfl.

Klavierspielen selbst beigebracht

Und irgendwann, als Absage auf Absage folgte, begann er, zu improvisieren und mit der Situation umzugehen. Er brachte sich das Klavierspielen bei. Er gibt Gitarrenunterricht. »Das war in den vergangenen Jahren, vor Corona, durch die vielen Auftritte zeitlich nicht möglich«, sagte er.

Schöfl nimmt derzeit außerdem mit traditionellen indischen Instrumenten wie Klangschalen und Harmonium eigene Songs auf und spielt sein Debütalbum ein. Er habe auch seine Ernährung umgestellt, trinke keinen Alkohol mehr, sagt Schöfl. »Die Pandemie hat mich krass verändert.«

Energieaustausch mit dem Publikum

Hin und wieder legt er als DJ per Onlinestream auf. Dann sitzt er zu Hause in einem kleinen Zimmer, schaut in eine Kamera und versucht, Kontakt zu seinen Zuhörern herzustellen, mit Blicken und Beats. Ums Geldverdienen gehe es dabei nicht, sagt Schöfl. »Sondern um die Frage, welchen gesellschaftlichen Beitrag ich als Musiker leisten kann, um die Menschen bei Laune zu halten.«

Nach dem Ausbruch der Pandemie habe er sich gefragt: »Warum habe ich mich für Musik als meinen Beruf entschieden?« Es sei die Gemeinschaft, sagt Schöfl. »Der Energieaustausch mit dem Publikum. Ich will Menschen mit Musik glücklich machen.«

Wenn sich beispielsweise bei einer Hochzeit die Braut plötzlich ans Schlagzeug setzt, Schöfl mit ihr dann Nirvanas »Smells like teen spirit« anstimmt - und der ganze Saal tost. »Das sind Momente für die Ewigkeit und unbezahlbar«, sagt Schöfl.

Die Vorkehrungen zum Schutz vor Corona seien notwendig, sagt Schöfl. Doch die Politik verstehe bis heute nicht, was durch die Stille und das derzeitige Verharren der Kunst fehlt. »Musik ist das Futter für die Seele.« Von der Politik erwarte er angesichts der Pandemie, dass durchführbare Konzepte für die Kulturbranche angewendet werden.

Schöfl ist vier Jahre alt, als er mit der Musik erstmals in Kontakt kommt. Er singt damals im Chor der Hüttenberger Kleebachspatzen. Mit 15 Jahren fängt er an, Gitarre zu spielen, er macht in Schulbands Musik.

Nach dem Abitur an der Herderschule in Gießen zieht er für ein Au-Pair-Jahr nach New York City. Dort besucht er auch die Juilliard School, eines der bedeutendsten Konservatorien der USA. Er lernt dort, wie man Musik produziert und wie man Songs aufbaut.

Ausbildung als Veranstaltungskaufmann

Zurück in Hessen absolviert er eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann in Frankfurt, dabei erhält er den Auftrag, eine Firmenfeier für eine Rechtsanwaltskanzlei musikalisch zu begleiten. »Ich hatte neun Monate Zeit.« Schöfl schaut sich damals Videos von DJs auf Youtube an, kauft eine Anlage, probiert sich im Auflegen.

Die Party auf einem Schiff auf dem Main wird ein gelungener Abend. Schöfl verbindet Livemusik mit dem Auflegen von Songs, bis heute eines seiner Alleinstellungsmerkmale. Er wird danach erneut als DJ beauftragt, es ist der Beginn seiner Musikkarriere, er macht sich anschließend als freischaffender Künstler selbständig.

Kleine Tour im Sommer geplant

Zur kompletten Stille in Corona-Zeiten lässt sich der Musiker unterdessen nicht verdonnern. Mit einem Freund, einem Schlagzeuger, plant er derzeit eine kleine Tour bereits in diesem Sommer. Nicht auf großen Konzertbühnen. Sondern - wenn Lockerungen dies erlauben - in privaten Gärten.

Auch im Kreisgebiet will Schöfl mit einem alten VW-Bus Gartenpartys besuchen. »Gigbus« nennt er sein Projekt. Schöfl strahlt große Ruhe aus, als er von seinem Vorhaben erzählt - und von der Kunst, sich in der Krise neu zu erfinden.

»Das Gefühl, die Leidenschaft« für die Musik und der Zauber der Auftritte«, glaubt er, werden schnell wieder eintreten, wenn die Corona-Krise irgendwann wieder abflaut. Eines sei dabei aber ebenfalls klar: »Es wird nicht die alte Normalität sein.«

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