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Sieben Meter tief ist das Loch: Der rund einen Kilometer lange Regenwasserkanal vom Neubaugebiet zum Rückhaltebecken an der Usa wird unter der Bundesstraße durchgebohrt, eine Technik, die viel Ärger und Zeit spart, aber auch eine halbe Million mehr kostet.

Unter der B275

Sieben-Meter-Loch und hohe Kosten: Gerüchte machten die Runde, nun wird Sache konkreter

  • VonAnnette Hausmanns
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Gerüchte um eine mögliche Erhöhung der Grundstückspreise im Ober-Mörler Neubaugebiet »Schießhütte« geistern seit Monaten durchs Dorf. Nun scheint die Sache konkret zu werden.

Ober-Mörlen - Im Ausschuss stand Anfang Juli ein Sachstandsbericht der Grundstücksentwicklungsgesellschaft (GEG) zur Erschließung im Neubaugebiet »Schießhütte II« (Zweiter Bauabschnitt für 75 Bauplätze) an. GEG-Projektleiter Fabian Schäfer zeigte sich zufrieden mit den Fortschritten: Alle Firmen seien gut eingespielt, die Kommunikation zwischen Investor, Firmen und Gemeinde sei gut. Konkret nannte Schäfer einen Bauzeitenplan bis Oktober 2022. Die ersten Häuslebauer könnten dann wohl im Frühjahr 2023 anfangen.

Im besten Fall werde man im August die Enderschließung im ersten Bauabschnitt fertigstellen. Nachdem dort die Deutsche Glasfaser schlussendlich ihre Kabel verlegt hatte, werde im zweiten Bauabschnitt die Telekom den Breitbandausbau machen, informierte Schäfer.

Größte Besonderheit im zweiten Bauabschnitt sei der rund einen Kilometer lange Regenwasserkanal bis zum Rückhaltebecken an der Usa. Die zunächst geplante offene Bauweise habe man verworfen, sie hätte eine neunmonatige Sperrung der Ortsdurchfahrt (B275) zur Folge gehabt. Um dem Dorf diesen Ärger und auch Zeit zu ersparen, so Schäfer, habe man sich für die geschlossene Bauweise mittels »Microtunneling« entschieden. Die Spezialfirma aus Österreich schaffe in sieben Metern Tiefe rund zwölf Zentimeter pro Stunde, »in sechs bis acht Wochen sollte sie also durch sein«. Dieses Verfahren schlage allerdings mit 550 000 Euro Mehrkosten zu Buche.

Ober-Mörlen: 550.000 Euro Mehrkosten?

Weiterführende Schlüsse wurden in der Sitzung aus der Verteuerung nicht gezogen - wohl aber in den vergangenen Wochen bei internen Gesprächen der GEG mit Fraktionen und Bürgermeisterin Kristina Paulenz. Damit konkretisieren sich Gerüchte um eine mögliche Erhöhung der Grundstückspreise im Neubaugebiet, die seit Monaten durchs Dorf geistern. Wie Paulenz und drei der vier Fraktionsvorsitzenden auf WZ-Nachfrage bestätigen, sei die GEG mit der Bitte an sie herangetreten, die Grundstückspreise aufgrund erheblicher Mehrkosten womöglich vorzeitig anheben zu dürfen.

Je nach Überzeugungskraft der Argumente werde sich der Gemeindevorstand mit dem Thema beschäftigten, sagte Paulenz am Rande der Ausschusssitzung. »Wir warten darauf, dass uns im Parlament konkrete Vorschläge unterbreitet werden«, stellt CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Matthias Heil zu einer möglichen Preisänderung und mit Blick auf den Vertrag zwischen Gemeindevorstand und GEG fest.

Wie Joachim Reimertshofer (SPD) erklärte, stünden Beratungen bevor, nachdem die GEG mit der »freundlichen Bitte um eine Preisanpassung« an sie herangetreten sei. Das Thema sei juristisch noch nicht geprüft. Falls es sich um eine »kaufmännische Fehlkalkulation« handle, dürften vorgezogene Preiserhöhungen keine Lösung sein, zumal von Beginn an der vertraglich vereinbarte Höchstpreis berechnet worden sei (siehe Info). Die Bitte um Entgegenkommen sei mit Blick auf gestiegene Baupreise nachvollziehbar, Wohnen müsse aber finanzierbar sein.

Grünen-Vorsitzender Raimund Frank bestätigte den von der GEG im Informationsgespräch geäußerten »Wunsch nach moderater Anhebung der Quadratmeterpreise« ohne konkrete Zahlen oder Zeiten. In der Bauausschusssitzung sei davon aber keine Rede mehr gewesen. Eine parteiinterne Abstimmung habe noch nicht stattgefunden.

GEG: Kein Benefit für den Investor

Von Mehrkosten habe man im Kennenlerngespräch zwischen Investor und der neuen FWG-Fraktion erfahren, berichtet Vorsitzender Marco Roth. Er sehe derzeit keine Preiserhöhung - und falls später doch, so sei die Bewilligung einer städtebaulichen Vertragsanpassung Aufgabe des Parlaments.

Wie GEG-Projektleiter Schäfer auf WZ-Anfrage betont, gebe es bislang weder einen Antrag noch Entwurf für eine Erhöhung der Grundstückspreise. »Das können wir ja auch gar nicht einfach so bestimmen.« Laut städtebaulichem Vertrag sei vereinbart, dass, sollten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse ändern, sich die Parteien über die Verkaufspreise erneut abstimmen. Diese Abstimmung habe begonnen, sei aber noch nicht im Gremienlauf. Man habe, wie so oft in den letzten Jahren, in den Fraktionen über den Status quo berichtet und nun auch, wie im Bauausschuss, die Kostentreiber benannt. Neben dem »Microtunneling« seien dies die steigenden Material- und Lohnkosten im Baugewerbe, die große archäologische Baubegleitung sowie die größere Dimensionierung von Wasser- und Abwasserkanälen für eine mittel- bis langfristige Weiterentwicklung der Gemeinde. Es gehe keinesfalls um einen Benefit für den Investor.

Eine öffentliche Diskussion über die Vereinbarungen wolle man frühestens nach den Sommerferien führen und - davon unabhängig - auch dann erst mit der Vermarktung beginnen.

Alles zum Höchstpreis verkauft

Im städtebaulichen Vertrag zwischen der Gemeinde und der GEG vom April 2017 steht, dass der Verkaufspreis für die voll erschlossenen Grundstücke in der Spanne zwischen 269 und 319 Euro zu liegen hat. Verkauft wurden sie alle zum hier festgeschriebenen Höchstpreis. Weiter heißt es: »Dieser Verkaufspreis gilt zunächst für die ersten fünf Jahre nach Vertragsabschluss und ist danach zwischen den Vertragsparteien neu zu verhandeln«. Maßstab sei die Entwicklung der Bodenrichtwerte. »Sollte eine Einigung nicht herbeigeführt werden können, gilt die bisherige Preisobergrenze weiter.

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