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CDU kritisiert Straßensperrung: »Düpierung des Parlaments«

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Ober-Mörlen (en). »Über diese Nacht-und-Nebel-Aktion entrüstet« sind die Ober-Mörler Christdemokraten – gemeint ist die Absicht von Bürgermeister Sigbert Steffens als Ortspolizeibehörde, sowohl die Nauheimer als auch die Friedberger Straße für den Verkehr zu sperren. Zum einen ist der CDU die Maßnahme an sich nicht genehm, noch mehr aber ärgert man sich über die Art der Bekanntgabe.

Ober-Mörlen (en). »Über diese Nacht-und-Nebel-Aktion entrüstet« sind die Ober-Mörler Christdemokraten – gemeint ist die Absicht von Bürgermeister Sigbert Steffens als Ortspolizeibehörde, sowohl die Nauheimer als auch die Friedberger Straße für den Verkehr zu sperren. Zum einen ist der CDU die Maßnahme an sich nicht genehm, noch mehr aber ärgert man sich über die Art der Bekanntgabe. Fraktionschef Gerd Christian von Schäffer-Bernstein: »Die Gemeindevertretung wurde vorab nicht über die Sperrungen informiert, auch in der Sitzung am Donnerstagabend wurden sie mit keinem Wort erwähnt. Freitags steht es dann in den Ober-Mörler Nachrichten. Sonst wird über jeden Motorschaden eines Bauhoffahrzeugs in epischer Breite berichtet. Das ist eine unerträgliche Düpierung des Parlaments.«

Nach Meinung von Schäffers wird Ober-Mörlen damit zweier seiner wichtigsten Verkehrsadern beraubt. Dass der komplette Verkehr in Richtung südliches Bad Nauheim nun nur noch über die Hasselhecker Straße geführt werden soll, hält er für einen schlechten Witz: »Die Hasselhecker und die Wintersteinstraße sind bekanntermaßen in einem wesentlich schlechteren Zustand.«

Die Nauheimer und die Friedberger Straße nutzen nach Einschätzung der CDU-Fraktion jeden Tag viele Autofahrer, um nach Bad Nauheim und in die südliche Wetterau zu gelangen. Sie müssten nun Umwege in Kauf nehmen, was Zeitverlust und zusätzliche Umweltbelastungen verursache. Außerdem würden die Anwohner der B 275 und der Hasselhecker Straße zusätzlich belastet. »Die bisher halbwegs balancierte Verteilung des Pkw-Verkehrs im Ort wird über den Haufen geworfen«, schimpft von Schäffer.

Fraktions-Pressesprecher Dr. Matthias Heil ist für den zweiten Vorwurf zuständig: Es geht um den Umgang des Gemeindevorstands und des Bürgermeisters mit dem Parlament. Nach den Worten Heils hat die verordnete Sperrung eine Vorgeschichte: In einer früheren Sitzung habe der Erste Beigeordnete Wolfgang Richter in Abwesenheit des Bürgermeisters von einem Beschluss des Gemeindevorstands berichtet, den Bürgermeister zur Sperrung der Straßen aufzufordern. Am Rande der Sitzung, so Heil, habe Richter gesagt, dass es nicht darum ginge, die Straßen zu sperren, sondern Steffens zur Beseitigung der Schäden zu drängen. Heil: »Bereits das war ein nicht akzeptabler Umgang des Gemeindevorstands mit den Volksvertretern.«

Anders als nun dargestellt, habe der Wetteraukreis in seiner Stellungnahme nach Anfrage des Gemeindevorstandes in keiner Weise eine Sperrung unterstützt, sondern das rechtliche Risiko ausgewertet »und durchaus Zweifel aufkommen lassen«.

Die CDU fordert nun schnell konkrete Maßnahmen. »Wir wollen, dass die angeordnete Sperrung nicht umgesetzt wird. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung halten wir für sinnvoll, ebenso ein Hinweisschild auf Straßenschäden«, betont von Schäffer. Zudem erwarte er, dass der Gemeindevorstand umgehend Alternativen vorlege, wie der Straßenbelag zu reparieren sei. »Unserer Meinung nach ist keine teure Grundsanierung nötig. Es bedarf lediglich an verschiedenen Stellen sorgfältiger Reparaturarbeiten«, so die Einschätzung von Schäffers. Mit der bisherigen Vorgehensweise sei der Substanzverlust geradezu provoziert worden: »Es kann nicht sein, dass gewartet wird, bis aus kleinen Rissen grooße Schlaglöcher werden, die man dann mit einem Eimer Kaltasphalt zuschüttet. Anschließend heißt es, die Straße sei nicht verkehrssicher.«

Die CDU-Fraktion kündigt für die nächste Sitzung der Gemeindevertretung einen Antrag an: Bürgermeister Steffens soll die Sperrung zurücknehmen. »Der Bürgermeister hat das letzte Wort. Wir fordern ihn auf, Maß zu halten«, sagt Dr. Heil. Und ruft die Bürger indirekt ebenfalls zum Protest auf: Auch das könne »zielführend« sein.

Im Rathaus indes war gestern Nachmittag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

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