"Auch Erwachsene lassen sich nicht nur gerne von Musik berieseln, sondern sind auch gerne aktiv mit dabei", weiß Musiker Johannes Meiser. Das Mitmachkonzept geht auch beim Konzert in Ober-Mörlen mit seiner Frau Rosalie auf. FOTO: HAU
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"Auch Erwachsene lassen sich nicht nur gerne von Musik berieseln, sondern sind auch gerne aktiv mit dabei", weiß Musiker Johannes Meiser. Das Mitmachkonzept geht auch beim Konzert in Ober-Mörlen mit seiner Frau Rosalie auf. FOTO: HAU

Keltenmusik gegen die Kälte

  • vonAnnette Hausmanns
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Ober-Mörlen(hau). Leben, Lachen, Freude und Musik zum Mitsingen, Klatschen und Tanzen zauberten dieser Tage Johannes Meiser und seine Frau Rosalie in den Ober-Mörler Schlosshof. Kleine wie große Gäste trotzten gerne der Kälte, bewegten sich im Takt und blieben mitunter auch, als das Kinder-Mitmachkonzert fließend überging in eine mitreißende musikalische Reise mit "Jo Solo" durch Irland und Schottland. Dabei hatten es die sympathischen Künstler gar nicht weit: Sie leben in Langenhain-Ziegenberg.

"Wow, ›Jo Solo‹ kannten wir bisher vom ›Kalten Markt‹ in Ortenberg, wo er alle Jahre wieder beim Guinness-Stand das ganze Zelt zum Beben bringt", sind Zuhörer bass erstaunt, dass der begnadete Sänger mit dem besonderen Feeling für Irish und Scottish Folk nicht nur in Ober-Mörlen auftritt, sondern hier auch zu Hause ist. An diesem trocken-kalten Oktober-Nachmittag zaubern Johannes Meiser und seine Frau Rosalie derart viel Musikalität und Herzblut in den Schlosshof, dass den kleinen und großen Gästen ganz warm ums Herz wird.

Schnurstracks unter die Haut

"Jo Solos" berührender Folkmusik vorgeschaltet ist nämlich ein Kinder-Mitmachkonzert mit Klassikern zum Mitklatschen, Singen, Springen, Stampfen und Lachen. Auf große Ohren stoßen der Dino-Song, Volker Rosins "Lied über mich" oder Detlev Jöckers "Kille-Kitzel-Monster". Bewegung kommt in die lose verteilte Menge beim unverwüstlichen "Aramsamsam" in diversen Lautstärken und Tempi, und wie nebenbei lernen die Kinder Koordination, Zuhören, Mitmachen und Freude an der Musik. Nur ungern lassen sie den Stimmzauberer an der Gitarre und die charmante Bewegungsanimateurin im Zaubererumhang von der Naturbühne vorm Schloss.

Ganz verzichten müssen aber auch die Erwachsenen nicht auf liedbegleitendes Klatschen oder Rufen, nachdem Johannes Meiser nahezu übergangslos in die Rolle des "Jo Solo" geschlüpft ist. In seiner "One man acoustic folk pop show" bringt er mit berührend sonorer Stimme, Esprit und Erzählfreude dem Zuhörer die Keltenmusik so nahe, dass sich so manches Mal - und nicht der Kälte wegen - wohlige Gänsehaut breit macht. Gewürzt mit Songs aus Rock und Pop geht "Jo Solos" traditionelle und aktuelle Folkmusik schnurstracks unter die Haut.

"Die meisten Songs sind nur deshalb in meinem Programm gelandet, weil sie mir wirklich etwas bedeuten oder weil ich schlicht die Texte interessant und erzählenswert finde", erzählt der Sänger und Gitarrist, dessen Wiege in Ockstadt stand. Für den Nachmittag im Schlosshof wählte "Jo Solo" auch das sehr aktuelle Lied "The Last of The Hunters" von der Schottischen Band Skipinnish. "Der Song handelt von den vielen Menschen, die vom Fischfang gelebt haben und stolz darauf waren, zur See zu fahren", erzählt der Sänger. Leider gebe es immer weniger Möglichkeiten, vom Fischfang zu leben. "Ein Lied voller Wehmut, aber auch unbändigem Stolz."

Wie in einem echten Pub

"Die Texte der Folk-Lieder sind mir sehr wichtig. Denn sie sind das Besondere an der keltischen Musik", sagt Johannes Meiser. Ob es um Liebe, Hungersnot, Vertreibung oder Krieg geht, immer ist da dieses berühmte irische Augenzwinkern, das selbst aus ausweglosen Situationen noch etwas Positives gewinnen kann.

Nach betörenden Balladen hebt der Song über den weitgereisten Schotten Donald im Kilt im Nullkommanichts die Stimmung, wenn alle mit schottisch-nasalem Zungenschlag rufen: "Donald, where are your trousers" (wo sind deine Hosen).

Und so schließt sich der Kreis: "Auch Erwachsene lassen sich nicht nur gerne von Musik berieseln, sondern sind auch gerne aktiv mit dabei", weiß Johannes Meiser, "eben genau so, wie es in einem echten irischen oder schottischen Pub zugeht".

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