Jörg Wetzstein: Neuer Bürgermeister in Amt und Würden

Ober-Mörlen (hau). Hauptprogrammpunkt der Gemeindevertretersitzung am Donnerstag in der Usatalhalle war die Amtseinführung des neuen Bürgermeisters Jörg Wetzstein. In seiner Antrittsrede ging er vor zahlreichen Gästen auf das "Haben" und das "Soll" in seiner Heimatgemeinde ein.

Der CDU-Kandidat hatte am 13. Mai mit 50,7 Prozent der Stimmen überraschend im ersten Wahlgang seine beiden Mitbewerber Joachim Reimertshofer (SPD) und Jan Wölfl (FWG) geschlagen.

Vor zahlreichen Gästen aus Politik, Kirche und Gesellschaft in Ober-Mörlen, der Wetterau – darunter die Bürgermeister aus Bad Nauheim, Wöllstadt, Rockenberg und Münzenberg sowie der Erste Kreisbeigeordnete – und sogar aus Finnland legte Wetzstein gegenüber Parlamentsvorsteher Gerd-Christian von Schäffer-Bernstein seinen Amtseid ab. Aus den Händen seines Vorgängers Sigbert Steffens nahm der neue Bürgermeister unter Applaus die Ernennungsurkunde entgegen. Am kommenden Montag wird er sein Arbeitszimmer im Schloss beziehen.

Bevor Schäffer-Bernstein die Sitzung nach 52 Minuten offiziell schloss, Gratulanten zu Wort kamen und die Festgesellschaft zum Sektempfang mit Buffet und Musik der "Roten Husaren" wechselte, ergriff Wetzstein das Wort. In seiner Antrittsrede verband der neue Bürgermeister seinen Dank an die Weggefährten und Wähler mit einem Blick auf Soll und Haben in seinem Heimatdorf.

Vertrauen wecke oft hohe Erwartungen, sagte Wetzstein. Trotz aller Bemühungen könnten sie nicht immer erfüllt werden, baute er vor. Als eines seiner wichtigsten Ziele beschrieb Wetzstein, "im Wünschenswerten das Machbare zu erkennen und umzusetzen" und die Bürger mit einzubeziehen.

Seine Aufgabe fasse er als Herzensangelegenheit auf: "Was gibt es Spannenderes und Motivierenderes, als dem eigenen Zuhause eine gute Zukunft zu geben?" Wetzstein sieht sich im Bürgermeisteramt auch als Zuhörer, Moderator, Koordinator, Ideengeber, Antreiber, Gestalter und Entscheider, als Mahner und Brückenbauer, und als Mensch, der "immer Lust auf Perspektiven, auf Lösungen und auf Erfolg hat".

Erfolg gebe es nur im guten Zusammenspiel, in Zielorientierung und Kompromissbereitschaft. Wetzstein appellierte an eine faire politische Kultur in gegenseitigem Respekt und ohne Scheuklappen. Die Verwaltung wünscht er sich flexibel und bürgernah. Alle Mitarbeiter lud er ein, am Optimierungsprozess mitzuwirken.

Auch unter Nachbarn wolle er für ein vertrauensvolles und partnerschaftliches Verhältnis eintreten, betonte Wetzstein. "Wir müssen endlich Schluss machen mit dem Kirchturmdenken, mit alten Vorurteilen zwischen den Dörfern und Ortsteilen." Zusammenwachsen erfordere Ideen und Offenheit. In Zeiten allgemein leerer Kassen sei es für die Kommunen überlebenswichtig, komplexe Aufgaben im Verbund zu lösen. Er werde seine Kontakte nutzen, um Ober-Mörlen entsprechendes Gewicht im Zusammenspiel der Kräfte zu geben.

Wetzstein ging auf die Errungenschaften der letzten Jahre in Ober-Mörlen ein, nannte Altlastenbeseitigung, Ortskernsanierung, Renaturierung, Radwege, Wintersteinturm, Neubaugebiete, Schlosshofumbau, Ärztehaus und Jugendbetreuung und dankte seinem Vorgänger im Amt.

Auf der Haben-Seite erwähnte er ferner die moderate Pro-Kopf-Verschuldung, die gesunde (noch ausbaufähige) Infrastruktur, das vielfältige Vereinsleben, einsatzstarke Feuerwehren, aktive Kirchengemeinden, leistungsstarke Unternehmen, produktionskräftige Landwirtschaft, engagierte Politiker und das "landschaftlich mehr als reizvolle Umfeld".

Unter den Herausforderungen nannte Wetzstein altersgerechtes Wohnen, Kinderbetreuung, Arbeitsplatzsicherheit, Naturschutz und Energiewende. "Auf uns alle wartet eine Menge Arbeit", freute sich Wetzstein darauf, um "Lösungen mit Augenmaß und Weitblick" zu ringen und die Bürger "umfassend und ehrlich" zu informieren und soweit wie möglich einzubeziehen. Wetzstein freute sich auf die Zusammenarbeit mit seiner Stellvertreterin Kristina Paulenz, mit den Gremien, den Mitarbeitern und Bürgern.

Sigbert Steffens wünschte seinem Nachfolger eine "ruhige und gefühlvolle Hand, die uns friedvoll in eine gute Zukunft führt".

Im Namen der Wetterauer Bürgermeister gratulierte als dienstältester Wöllstadts Rathauschef Alfons Götz dem "Neuen im Bunde", schenkte ihm – für alle Fälle – einen Holzhammer und wünschte "immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel, damit das Schiff allzeit gut läuft".

Für Kreisausschuss und Landrat überbrachte der Erste Beigeordnete Helmut Betschel-Pflügel die Glückwünsche und freute sich auf vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Bürgermeister-Dienstversammlung.

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