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Freunde sind wie Sauerstoff

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Ober-Mörlen (hau). Beste Freundinnen sind Claudia Hempel und Susanne Möbs seit 33 Jahren. Gemeinsam gingen die beiden Ober- Mörlerinnen durch dick und dünn. Seit Claudia an Krebs erkrankt ist, sind sie noch enger zusammengerückt. »Pflege Deine Freundschaften« lautet ihre Botschaft. Das ZDF berichtet darüber.

Über den Beginn ihrer Freundschaft müssen Claudia Hempel (43) und Susanne Möbs (42) nicht lange nachdenken. »Das war bei der Mädchen-Freizeit mit der KJG«, erinnern sich die beiden Frauen gern zurück. Sie seien auch danach immer ins (dann gemischte) Zeltlager der Katholischen Jugend mitgefahren, gingen später gemeinsam auf Reisen – und auch, als beide schon den Partner fürs Leben gefunden und Kinder hatten, ging es noch zusammen nach Holland.

Dabei seien sie nicht einmal zur gleichen Schule gegangen, wundern sich die besten Freundinnen in der Rückschau fast ein wenig. »Wenn wir vom Schulbus heimgelaufen waren, hat es oft keine fünf Minuten gedauert, bis wir telefoniert haben«, lachen sie. »Das gab’s tatsächlich auch schon vor Handyzeiten.« Je nach Gesprächsstoff habe man sich, mit Rücksicht auf die Eltern, sogar in die Telefonzelle zurückgezogen.

Die Mädchen eroberten so oft es ging gemeinsam die Welt. Sie gestalteten Frühschichten bei der KJG, besuchten gemeinsam die Tanzschule und entdeckten ihre Leidenschaft für Musik und Bücher, nicht zuletzt im ehrenamtlichen Bücherei-Team der Kirchengemeinde. Claudia machte ihr Bücher-Faible zum Beruf, Susanne wurde Sonderpädagogin. Beide fanden die große Liebe, bekamen Kinder, und wenn sie heute auf dem Dachboden in Erinnerungen stöbern, gehören zahllose Fotos und Briefe zum Schatz im Schuhkarton.

Ängste, Sorgen, fröhliche Momente

Anders ist es mit den Glasmurmeln, dem Symbol ihrer Freundschaft. Gut sichtbar schimmern sie stets im Licht. Viele solcher magischen Kugeln kamen über die Jahre zusammen, als Geschenke zu besonderen Anlässen. »Kugeln rollen mal auseinander und dann wieder zusammen«, erklären die Freundinnen. Auch frisch gebackener Marmorkuchen gehört zu den Ritualen ihrer Freundschaft. »Der darf bei keiner Feier fehlen.«

Dass Claudia und Susanne häufiger in Erinnerungen graben als früher, hat mit dem Schatten zu tun, der sich vor 15 Monaten über ihre Freundschaft gelegt hat. Claudia erkrankte an Krebs. In der schlimmsten Zeit zeigte sich, wie viele Freunde sie im Leben gewonnen hatte. Bei aller Geborgenheit in der Familie erfuhr sie mehr denn je: »Du brauchst Freunde, sonst gehst du unter.« Hilfe anzunehmen sei ihr anfangs richtig schwer gefallen, erinnert sich Claudia. Unterschwellig habe sie sogar ein schlechtes Gewissen gehabt, sie sei eher der Geber-Typ.

»Das Leben ist ein Geben und Nehmen«, lächelt Susanne. »In dieser schlimmen Zeit war immer jemand da«, blickt sie zurück auf den Zustand ihrer Freundin während der Chemo-Therapien. Natürlich gehe eine derartige Belastung nicht spurlos an einer Freundschaft vorbei. Verlustängste stellten sich ein, Zeit werde in ihrer Wahrnehmung begrenzter. Wenn aber die Basis stimme, wenn das Grundvertrauen da sei, dann wachse man unter einer solchen Belastung noch mehr zusammen. »Unsere Familien sind näher zusammengerückt«, sind beide froh. Es hätte auch anders kommen können.

Claudia lässt nichts unversucht, um ihre Selbstheilungskräfte in Schwung zu bringen. Sigrun Glaser-Freyer, Psychologin in Frankfurt, und der Karbener Heilpraktiker Dr. Peter Löffler helfen ihr dabei, den Weg aus dem Hamsterrad zu finden.

»Der Krebs ist da, aber vielleicht kann ich mich mit ihm arrangieren, bestenfalls sogar rauskicken«, lächelt Claudia und erzählt von gezielter Ernährung, von Hypnose, von Therapien mit Eigenblut und Sauerstoff und von der psychologischen Betreuung. Dass positive Einflüsse chemische Prozesse im Hirn günstig beeinflussen, und dass man in schnelllebigen Zeiten innehalten und nach Bedürfnissen schauen sollte, haben die Freundinnen verinnerlicht. Zum Glück nicht erst, als der Krebs kam.

Wie die beiden Frauen mit ihrem Schicksal umgingen, habe sie sehr berührt, erzählt Iris Pollatschek der WZ. Mehrere Tage war die Filmemacherin mit ihrem Drehteam vom ZDF vor Ort, um die besten Freundinnen für die Sendung »37 Grad« durch Höhen und Tiefen zu begleiten. Mit viel Feingefühl hat die Regisseurin die Ängste, die Sorgen und Gewissensbisse, aber auch die fröhlichen Momente der vom Krebs überschatteten Frauenfreundschaft festgehalten.

Wie die Freundinnen gemeinsam gegen die Bedrohung kämpfen, diese Form des Beistehens in schweren Zeiten, habe sie tief beeindruckt, sagt Pollatschek. »Ohne Beziehung läuft nichts, dann wäre ich schon tot, das ist der Sauerstoff zum Leben«, räumt Claudia in der Fernseh-Dokumentation ein. »Auch wenn man nicht krank ist, sollte man Freundschaften unbedingt pflegen«, ist Claudia überzeugter denn je.

Am 1. März im ZDF

Die ZDF-Sendung »37 Grad« unter dem Thema »Du tickst wie ich« wird heute um 22.15 Uhr ausgestrahlt. Am 7. März um 23.55 Uhr wird sie auf 3sat wiederholt. Die Dokumentationssendung »37 Grad« ist seit 1994 wöchentlich im ZDF zu sehen. (hau)

(Foto: ZDF/ Wolfgang Raith)

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