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448 000 Euro weg: Für Betrüger das Konto geplündert

Ober-Mörlen/Friedberg (jwn). Offensichtlich wenig Mitleid empfand eine 33 Jahre alte Frau, als sie einer Rentnerin aus Ober-Mörlen ihre Ersparnisse und die ihrer Kinder in Höhe von fast einer halben Million Euro mit falschen Versprechen abluchste.

Deshalb steht sie nun vor dem Friedberger Schöffengericht unter Vorsitz von Dr. Markus Bange. Zusammen mit ihrem Ex-Verlobten, einem aus Deutschland ausgewiesenen Türken, soll sie der 79 Jahre alten Dame einen angeblichen Lotteriegewinn in Höhe von 4,155 Millionen Euro in Aussicht gestellt haben – der freilich nur ausgezahlt werden könne, wenn vorab bestimmte Gebühren entrichtet würden.

Von Beginn an stritt die in Deutschland geborene Türkin Sayna T. (Name geändert, d. Red.) vor Gericht jede persönliche Verantwortung ab. »Ich musste nur gehorchen, weil er immer gedroht hat, er würde ansonsten meinem Bruder etwas antun«, berichtete sie. Nach der Kindheit und Jugend in Deutschland habe sie über einen Bekannten ihren späteren Verlobten kennengelernt, der nach seiner Ausweisung aus Deutschland wieder in der Türkei gelebt habe. Sie habe daraufhin beschlossen, ebenfalls dort zu bleiben und sich eine Existenz mit einem Call-Center aufzubauen.

Wer auf die Idee mit dem Betrug gekommen sei und woher die Angaben zum Opfer stammten, das alles wollte die Angeklagte nun nicht mehr wissen. »Mein Ex-Verlobter hat die ganzen Telefonate mit der Frau geführt, und ich musste nur jedes Mal nach Deutschland fliegen, um das Geld abzuholen«, schilderte die Angeklagte. Das erste Mal sei sie am 31. Mai 2013 nach Frankfurt geflogen und von dort mit einem Leihwagen direkt nach Ober-Mörlen gefahren. »Ich hatte zu meinen Verlobten Verbindung übers Handy, während er mit der Frau übers Festnetz die Anweisung gab, mir kommentarlos das Geld zu übergeben«, erzählte sie.

Ihr Verlobter soll sich als Berliner Oberstaatsanwalt vorgestellt haben und die Angeklagte als seine Mitarbeiterin, Staatsanwältin Brandt. Das Geld, einmal 48 000 und viermal 100 000 Euro, sollte die alte Dame für Gebühren, Kaution oder zum Auslösen des Gewinnscheins vorab zahlen. Dafür hatte sie zuerst ihr Konto leergeräumt und danach von den Konten ihrer Söhne Geld abgehoben.

»Hat ihnen die Frau nicht leid getan, als sie ihr nach und nach mit Lügen und falschen Versprechen das Geld aus der Tasche gezogen haben«, fragte am Ende der Vernehmung eine Schöffin. Es folgte minutenlanges Schweigen, aber keine Antwort.

Was sie mit dem Geld gemacht hätten, wollte der Richter wissen. »328 000 Euro hat mein Ex-Verlobter behalten. Er hat sich davon eine Wohnung in der Türkei gekauft. 120 000 Euro hat er mir gegeben. Davon sollte ich Möbel kaufen«, antwortete die Angeklagte. Den größten Teil des Geldes habe sie inzwischen ausgegeben. Wie es mit der Rückzahlung stünde, interessierte den Staatsanwalt. Ein paar Tausend habe sie bereits zurückbezahlt, den Rest – weit über 100 000 Euro – wolle sie in Raten zu 250 Euro monatlich abstottern, wenn sie wieder Arbeit habe. Momentan macht die 33-Jährige eine Ausbildung als Friseurin und kellnert in ihrer Freizeit.

Der Prozess soll am 29. September um 9.30 Uhr mit der Vernehmung der alten Dame fortgesetzt werden.

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