Parlamentarier, Jagdpächter und interessierte Bürger lauschen an einer Wiederbewaldungsfläche den Ausführungen der Forstfachleute.
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Parlamentarier, Jagdpächter und interessierte Bürger lauschen an einer Wiederbewaldungsfläche den Ausführungen der Forstfachleute.

Waldbegehung in Ober-Mörlen

Douglasie statt Fichte: Maßnahme gegen Waldkrise ergriffen

  • VonAnnette Hausmanns
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Borkenkäfer und Trockenheit haben den Fichtenbeständen auch in der Ober-Mörler Gemarkung schwer zugesetzt. Die Douglasie soll nun dafür sorgen, dass Nadelholz hier weiter vertreten ist

Ober-Mörlen – Goldener Oktober im Gemeindewald. Die Morgensonne hat alle Nebelschwaden weggeschmolzen. Auf einer Anhöhe nahe Maibach sind Politiker und interessierte Bürger aus Ober-Mörlen zusammengekommen, um sich über Pflege und Bewirtschaftung von rund 300 Hektar Kommunalwald zu informieren. Parlamentschef Mario Sprengel freut sich über die große Resonanz ebenso wie Forstamtsleiter Jörg Deutschländer-Wolff und Revierförster Bernd Pogodda vom Forstamt Weilrod.

Alle zeigten sich dankbar für den fachlich vortrefflich begleiteten Ortstermin an drei Stationen im Ober-Mörler Gemeindewald auf Butzbacher Gemarkungsfläche. »Vor Ort bekommen wir ein ganz anderes Gefühl für das, was wir im Parlament zu entscheiden haben«, sagte Sprengel.

Protokoll führte Saskia Fleischhauer als neue Fachkraft im kommunalen Umweltbüro. Dankbar zeigten sich die Forstexperten auch für die Teilnahme eines Jagdpächters. Nachhaltige Waldentwicklung funktioniere am besten in enger Absprache aller Beteiligten.

Wetterau: Bunte Vielfalt im Wald erhalten

Im Auftrag der Gemeinde kümmere sich das Forstamt um 380 Hektar Wald, riefen Pogodda und Deutschländer-Wolff in Erinnerung, davon knapp 300 Hektar in Bewirtschaftung. Zwar sei Ober-Mörlen in der glücklichen Lage, drei Viertel Laub- und nur ein Viertel Nadelwald zu besitzen, gleichwohl spiele das zunehmend trockene Klima eine Rolle.

Vom Dürrestress seien mittlerweile auch Laubbäume betroffen. Der vergleichsweise feuchte Sommer lasse nicht aufatmen, seien doch gerade einmal die oberen Bodenschichten durchfeuchtet.

In Rücksprache mit der Kommune werde man die bunte Vielfalt erhalten und den Nadelholzanteil nicht verringern, führten Pogodda und Deutschländer-Wolff aus. Derzeit suche man standortgerechte Alternativen für die Fichte.

Als Beispiel diente eine durch Trockenheit und Borkenkäfer geschädigte Freifläche, auf der bis vor zwei Jahren Fichten standen. Die Forstfachleute entschieden sich nach genauer Beobachtung für eine Wiederbewaldung mit Douglasien. Mittlerweile sind 5000 Bäumchen gepflanzt und mittels Farbanstrich auf dem Terminaltrieb sowie zwei Holzstangen vor Wildverbiss geschützt.

Wetterau: Naturschutz fördern

Gleichwohl werde hier kein reiner Douglasien-Bestand heranwachsen, erklärten die Forstleute. Detaillierte Pflege sorge dafür, dass auch andere, sich selbst verjüngende Baumarten stehen blieben. Auf Fördergelder habe man bewusst verzichtet, sie wären nur bei einer durchmischten Wiederbewaldung geflossen. Anschaffung und Pflege seien letztlich teurer als die verausgabten 25 000 Euro gekommen. Außerdem habe man den Nadelholzanteil sichern wollen.

Im Spagat zwischen sinnvoller Rohstoffnutzung und Naturschutz funktioniere Waldwirtschaft nicht ohne Steuerung. Um standortgerechte Pflege mit langem Atem ging es auch in zwei exemplarischen Mischwaldstücken. Man habe mitunter stärker eingreifen müssen, um die Lichtbaumart Eiche vor Überschattung und damit vor ihrem Untergang zu schützen

»In der Läuterungsfläche fördern wir alle Bäume, die wir haben wollen, und lassen zu, was nicht stört.« Dichtstand in jungen Jahren sei durchaus gewollt, das fördere die Schaftqualität: Die Bäume streckten sich zum Licht und verzweigten sich nicht frühzeitig. Erst im nächsten Schritt werde gezielt gefördert. Ein angepasster Wildbestand helfe auch hier.

Wetterau: Waldwege am Winterstein erneuert

Die Politiker erfuhren schließlich auch, dass die im vergangenen Jahr begutachteten, von Starkregen zerfurchten Wege in der Konversionsfläche am Winterstein wiederhergestellt sind, mitunter begleitet von Wasserrückhaltetaschen für zusätzliche Bewässerung oder die Ansiedlung von Amphibien.

Mit Blick auf die fürs kommende Jahr anstehende neue Forsteinrichtung bekräftigten die Forstleute, sich natürlich an die Vorgaben der Gemeinde zu halten. Der auf zehn Jahre ausgelegte Plan sei aber nicht Stein gemeißelt. Dank der jährlichen Anpassung im »Waldwirtschaftsplan« könne man auf Entwicklungen und Wünsche eingehen.

Foren wie die Waldbegehung seien hilfreich, um Zielvorstellungen gemeinsam zu entwickeln und die verschiedenen Funktionen des Waldes (Wirtschaftlichkeit, Ökologie, Freizeit) unter einen Hut zu bringen.

Wetterau: Prüfung zu Windpark am Winterstein läuft

Zum Thema Windpark am Winterstein konnten Forstamtsleiter Jörg Deutschländer-Wolff und Revierförster Bernd Pogodda vom Forstamt Weilrod am Samstag bei der Waldbegehung keine neuen Infos beitragen.

Der Prüfungsprozess laufe. Mit dem Thema vertraut sei der stellvertretende Forstamtleiter Thomas Götz. Ihn werde man gerne in eine Ausschusssitzung einladen, folgte die Politik dem Vorschlag von Deutschländer-Wolff.

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