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Auf dem Gelände oberhalb von Feuerwehr, katholischer Kita, Schule (rechts im Bild) mit Turnhalle und Sportplatz wird eine Seniorenresidenz gebaut - womöglich mit einer viergruppigen Kita unter einem Dach, wenn das Parlament zustimmt.

Intergenerative Betreuung

Diakonie plant Seniorenresidenz mit Kita

  • vonAnnette Hausmanns
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Alt und Jung kommen unter dem selben Dach zusammen. Das könnte in Ober-Mörlen Realität werden: mit einer Seniorenresidenz mit integrierter Kita. Die Politik braucht aber noch Bedenkzeit.

Eine Seniorenresidenz mit integrierter Kindertagesstätte: Das Projekt zur intergenerativen Betreuung könnte Wirklichkeit werden. Investor und Betreiber stellten es am Dienstag im Haupt- und Finanzausschuss vor.

Wäre es nach dem Gemeindevorstand gegangen, wäre der Ausschuss der Beschlussvorlage nachgekommen und hätte das außergewöhnliche Projekt dem Parlament zur Befürwortung ans Herz gelegt.

Beschluss spätestens im Mai

Ein Beschluss wurde zwar nicht gefasst, die Politiker äußerten aber ihren persönlich positiven Eindruck baten um Bedenkzeit. Spätestens im Mai soll die Entscheidung im Parlament fallen.

Lange hatte man im Dorf nichts mehr von den Plänen rund ums Seniorenzentrum gehört, nachdem die Gesellschaft für diakonische Einrichtungen in Hessen und Nassau mbH (GdfE), kurz Diakonie, vor Jahresfrist im Neubaugebiet Schießhütte II ein gut vier Hektar großes Grundstück oberhalb der Feuerwehr erworben hatte.

Ursprünglicher Plan der Diakonie war der Neubau einer Betreuten Wohnanlage sowie eine Pflegeeinrichtung für Senioren im Hausgemeinschaftsmodell.

Für Anbau an Kita wenig Gegenliebe

Parallel dazu überlegte die Gemeinde, wo sie die spätestens durchs Neubaugebiet nötigen Kinderbetreuungsplätze errichten könne. Auf wenig Gegenliebe war in diesem Zusammenhang ein möglicher Anbau an die bestehende kommunale Kita »Sternschnuppe« gestoßen.

Nun steht der Plan im Raum, beides miteinander zu verbinden: Die Betreuung von alten Menschen und von Kindern unter einem Dach und doch getrennt. Intensiv haben die GfdE (Investor und Betreiber des Seniorenzentrums), das evangelische Dekanat Wetterau (Betreiber Kita) und der Gemeindevorstand offenbar über eine solche Lösung verhandelt.

Begegnungen von Alt und Jung

GfdE-Geschäftsführer Karlheinz Hilgert und Dekan Volkhard Guth hatten den Gemeindevorstand kürzlich mit ihrer Idee überzeugt, am Dienstag zeigten sie im Langenhain-Ziegenberger Dorfgemeinschaftshaus ihre Projektpräsentation. Neben Ausschuss und Gemeindevorstand interessierten sich etliche Abgeordnete, besonders auch die neu gewählten, sowie der Seniorenbeirat und AWO-Mitglieder.

Die Vorteile der intergenerativen Betreuung schilderte Dekan Guth. Statt die Generationen voneinander abzuspalten - immer seltener begegneten sich Alt und Jung selbstverständlich und täglich - könnten durch die Begegnung alle profitieren, beispielsweise beim Einkaufen, Kochen, Musizieren oder Vorlesen.

Akzeptanz und Vernetzung notwendig

Deutschlandweit gebe es bislang eine Handvoll derartiger Projekte, Ober-Mörlen könnte vorangehen. Beide Einrichtungen müssten gut abgestimmt sein, es brauche Akzeptanz und Vernetzung.

Die bauliche Umsetzung nach Plänen von Architekt Steffen Mörler zeigte GfdE-Geschäftsführer Hilgert. Im Erdgeschoss des Gebäudekomplexes könnten eine Kita mit vier Gruppen für insgesamt 87 Kinder, ein Café, eine Arztpraxis und Verwaltungsräume untergebracht werden. Rundum angeordnet wären Spielplätze, Begegnungsgarten und 27 Parkplätze.

Im ersten Obergeschoss sind drei Wohngruppen mit zusammenschaltbaren Aufenthaltsbereichen geplant, für den zweiten Stock zwei weitere Wohngruppen und fünf betreute Wohnungen, insgesamt also 48 Pflegeplätze plus fünf Wohnungen.

Stellplatzfrage ist Herausforderung

Räume für den Ambulanten Pflegedienst, Schulungsraum und Küche sollen im Untergeschoss angesiedelt werden. Eine Kurzzeitpflege sei möglich, die Tagespflege nicht geplant.

Falls sich die Gemeinde gegen die integrierte Kita entscheiden sollte, könnten die gut 700 Quadratmeter in betreutes Wohnen umgewandelt werden, erklärte Hilgert, ebenso die Arztpraxis, falls sie nicht in Anspruch genommen werde, die Gespräche mit einer interessierten Praxis liefen.

Eine Herausforderung sei die Stellplatzfrage. Eigentlich sollte der Bauantrag bis Ende Juni eingereicht sein, zur Sprache kam eine Fristverlängerung bis Ende September. Bis Ende März 2024 könne das Gebäude fertig sein.

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