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Deponiekontrolle: Bisher keine Gefährdung

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Ober-Mörlen (hau). Als die hessische Landesregierung vor drei Jahren ihr »Abschlussprogramm zur Finanzierung der kommunalen Altlastenbeseitigung« auf den Weg brachte, stellte sie dafür 50 Millionen Euro Fördermittel in Aussicht. Allein in diesem Jahr fließen 1,5 Millionen Euro in 25 Städte und Gemeinden des Landes.

Dass Ober-Mörlen im Frankfurter Zuständigkeitsbereich des Regierungspräsidiums (RP) mit 347 300 Euro den Löwenanteil der hier eingestellten Mittel von insgesamt 802 400 Euro bekommt, liegt nicht etwa daran, dass es in der Usagemeinde besonders viele Altlasten gibt. Vielmehr hat sich das kommunale Umweltamt offenbar besonders intensiv um die Erfassung »verdächtiger« Gebiete bemüht. Wie die Umweltbeauftragte Anja Wölm berichtet, habe sie bei ihrem Amtsantritt in Ober-Mörlen vor fast vier Jahren gerade noch rechtzeitig vor Verstreichen der Meldefrist beim RP Bedarf angemeldet. Anhand von Karten, Begutachtung der Oberflächenstrukturen und umfangreichen Befragungen von Zeitzeugen und Landwirten seien über 30 Flächen rund um Ober-Mörlen und im Siedlungsgebiet selbst ausgemacht worden.

Jetzt sind die ersten 16 Verdachtsflächen von Fachleuten untersucht worden - und wurden weder für gefährlich noch für sanierungsbedürftig befunden. In Kürze werde das zweite von drei Kontingenten in Angriff genommen werden können, berichten Wölm und Projektsteuerer Martin Wacker von der Firma UMGIS in Darmstadt. Schließlich dränge die Zeit, damit die Fördergelder beim RP abgerufen werden könnten. Bis Ende des Jahres müssten der Behörde alle Anträge vorliegen.

Ganze Arbeit haben in der ersten Untersuchungsphase die Bodenexperten um den Diplom-Geologen Jürgen Fischbach geleistet. Sein Team vom Büro für Geotechnik und Umwelt in Darmstadt hatte in Kooperation mit dem Ober-Mörler Büro »Schnittstelle Boden« von Dr. Matthias Peter und der Bohrfirma »GeoZ« die ersten 16 Flächen außerhalb der Wohnbebauung unter die Lupe beziehungsweise den Bohrer genommen. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich früher Gruben und Gräben, die man mit Müll und Schutt verfüllte.

»Vor 1975 gab es häufig noch keine überwachten kommunalen Deponien«, erklärt Fischbach. Abfälle jeder Art seien deshalb im Gelände entsorgt und nach 1975 mit Erde zugedeckt worden.

Je nach verbuddeltem Material könne eine Gefährdung beim direkten Kontakt zwischen Boden und Mensch auftreten, über den Verzehr von Pflanzen, über das Grundwasser oder ausströmende Gase. Um festzustellen, was im Erdreich schlummert oder auch nicht, würden zahlreiche Bodenproben entnommen und auch die Bodenluft untersucht.

So konnte man beispielsweise im »Röllchesgraben« oberhalb von Langenhain-Ziegenberg das Untersuchungsteam bei seiner »Rammkernsondierung« beobachten. Die Spezialbohrstäbe (Sonden) werden dabei so weit in den Boden getrieben, bis sie in gewachsenes Erdreich vorstoßen. »Uns interessieren Tiefe, Bodenart, Korngröße, Farbe, Wassergehalt oder Geruch der Proben genauso wie auffällige Bestandteile«, erläutert der Geologe Christian Seipp die so genannte »organoleptische Ansprache«. Jeder Wert werde in Tabellen genau festgehalten und im Zusammenhang ausgewertet.

Parallel dazu saugt ein Gasanalysegerät Bodenluft in einen Beutel. Vor Ort können der Luftdruck und die Anteile von Kohlendioxyd, Sauerstoff und Methan gemessen werden, für genauere Analysen wandert jeder Luftbeutel zudem ins Speziallabor. Die Kartierung der abdeckenden Schichten vervollständigt das Bild. Über den Verlauf der von langer Hand vorbereiteten Untersuchungsreihe ist nicht zuletzt Bürgermeister Sigbert Steffens glücklich. Das sensible Thema derart offensiv anzugehen, bedeute auch, am Ende mit einer weißen Weste dazustehen.

Für den Fall, dass gesundheitsgefährdende Stoffe gefunden würden, müsste saniert werden. Daran würde sich das Land mit maximal 90 Prozent der Kosten beteiligen.

Übrigens: Nach dem Hessischen Altlasten- und Bodenschutzgesetz sind die Kommunen verpflichtet, ihren Beitrag zur Erfüllung der gesetzlichen Bodenschutzziele zu leisten. Ziel des Landesprogramms ist es, bis 2015 möglichst viele belastete Flächen zu erfassen, zu untersuchen und gegebenenfalls zu sanieren. »Auf diese Weise werden nicht nur Altlasten beseitigt, sondern auch Impulse für städtebauliche Entwicklungen gegeben, Investitionshemmnisse beseitigt sowie der Gesundheits- und Umweltschutz verbessert«, hatte Regierungspräsident Johannes Baron im Sommer erklärt.

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