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Gabriele Beuthner (M.) erklärt ganz genau, was man mit den einzelnen Kräutern machen kann: Einige helfen gegen Krampfadern, Husten, Zahnschmerzen, Rheuma und Verstopfung. Köstlich schmecken tun sie außerdem.

Kräuterfrau

Dafür ist ein Kraut gewachsen

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Uroma wusste noch, was da grünt und blüht, wofür oder wogegen dieses oder jenes Kraut gut sein kann - und von welchen man besser die Finger lässt. Gabriele Beuthner liebt es, altes Pflanzenwissen neu zu entdecken und weiterzugeben.

Ist das Rhabarber? Mitten im September?" Gabriele Beuthner schüttelt den Kopf und schmunzelt unterm mannshohen Blätterwald. Im schattigen Eck ihres urigen Gärtchens am Usa-Ufer gedeiht die gigantische Pestwurz wie eine Urwaldpflanze. "Ich liebe diesen Ort", erzählt die Krankenschwester, pflückt hier einen Stängel, reibt dort ein Blatt und weiß zu jeder Pflanze Geschichten zu erzählen über Inhaltsstoffe und möglichen Nutzen für die Gesundheit. Zum Beispiel, dass schon Hildegard von Bingen die krampflösende Wirkung des Pestwurzwurzelstocks beschrieb.

Nach der Heilpraktiker-Ausbildung und der klassischen Homöopathie widmet sich Beuthner seit einigen Jahren der Ausbildung zur Kräuterfrau. Sie bedauert, dass viel von dem Wissen vorangehender Generationen verlorenzugehen droht. Die Erfahrung habe sie gelehrt, dass dort, wo die Schulmedizin an ihre Grenzen stoße, Wissen um Pflanzenwirkstoffe helfen könne, mit einer Erkrankung besser umzugehen. "Hier von Heilen zu sprechen, wäre anmaßend."

"Umso besser, wenn Gesundheit dann auch noch gut schmeckt", findet ihr Mann Stephan und genießt eine kühle Giersch-Kräuterlimonade. Am unverwüstlichen Giersch scheiden sich die Geister. Das "Zipperleinskraut" wird zwar für seine entzündungshemmende Wirkung insbesondere bei Gicht gerühmt - "Esst Giersch statt Brot", wird Pfarrer Kneipp zitiert -, doch der Giersch bringt mit seiner Wuchsfreude so manchen Gärtner zur Verzweiflung, wächst doch aus jedem noch so kleinen Wurzelbruchstück eine neue Pflanze.

Fast scheint es so, als wolle sich der auch als Geißfuß bezeichnete Giersch nicht vertreiben lassen, weil er so viel Gutes tun kann. Tatsächlich sei der Karotten- und Kümmel-Verwandte dem mineralstoffreichen Grünkohl dreizehnmal überlegen, sein Vitamin-C-Gehalt sei viermal höher als in Zitronen, sagt Beuthner. Seine Blätter schmeckten in Salat und Suppen, als Spinat-Ersatz, auf Pizza, im Brotaufstrich, Pesto oder Smoothie. Kräuterpfarrer Johann Künzle habe den Giersch gar eine "herrliche Medizin" genannt und ihn gegen Krampfadern, Husten, Wurmbefall, Zahnschmerzen, Rheuma und Verstopfung genutzt.

"Besser, man freundet sich mit ihm an und hält ihn beizeiten im Zaum", rät die Kräuterfrau. Frisch zerriebene Blätter könnten Linderung bei Insektenstichen, Verbrennungen und Sonnenbrand verschaffen, als Tee komme er bei Blasenentzündung, Hexenschuss oder Schnupfen zum Einsatz. Nicht eben beliebt bei Gärtnern sei auch der Gundermann, erzählt Beuthner und nimmt das stark wüchsige "Erd-Efeu" wegen seines hohen Vitamin-C-Gehaltes in Schutz. "Beim ersten Kratzen im Hals steht er mir stets hilfreich zur Seite", berichtet die Sängerin und Dirigentin, die seit über 30 Jahren den katholischen Kirchenchor St. Remigius leitet.

Beuthner erzählt vom stimmungsaufhellenden Johanniskraut und blutstillenden Stink-Storchschnabel, von Spitzwegerich-Pflanzenpflaster, von der entwässernden Brennnessel und über die Kraft von Löwenzahn und Gänseblümchen. "Die kennt jeder, sie kommen überall vor, kosten nichts, sind lecker und gesund - aber man weiß viel zu wenig". Gabi Beuthner möchte mit ihrer Leidenschaft anstecken, "damit wir das, was wir vor unserer eigenen Tür finden, zur Gesunderhaltung verwenden". Jeder müsse aber das finden, was seinem Körper gut tut", weiß Beuthner. "Sich selbst über die Kräuterkunde näherzukommen, entstresst", sagt die Kräuterfrau und rät, sich wie beim Pilzesammeln immer nur an die Pflanzen zu trauen, die man gut kennengelernt hat.

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