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Mehr Impfungen, sinkende Nachfrage, geringe Vergütung bei Corona-Tests: Zur Eröffnung der Teststelle Wetterau ließ sich auch Medcon-Mitarbeiter Christoph Duclervil testen. Mittlerweile sieht Betreiber Bernd Dreßler eine Schließungswelle im Anrollen.

Ober-Mörlen

Corona-Testzentren: Schließungswelle in Sicht – Antikörper-Tests als nächste Geschäftsidee?

  • VonAnnette Hausmanns
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Kaum ist flächendeckend eine Infrastruktur für Corona-Tests eingerichtet, bröckelt sie auch schon wieder. Schließungen gibt es nicht nur wegen einiger „schwarzer Schafe“.

Immer mehr Menschen sind vollständig gegen Corona geimpft, die Inzidenzen sinken, die Kontaktregeln werden gelockert und das schöne Sommerwetter lockt an die frische Luft. »Da sinkt natürlich die Nachfrage nach Covid-19-Tests«, berichtet Bernd Dreßler.

Seit zwei Monaten betreibt dessen medizinisch ausgerichtete Unternehmensberatung eine Teststelle für Bürger in Ober-Mörlen.

Nach seiner Einschätzung der Lage und der zukünftigen Entwicklung des Testgeschehens befragt, nennt Dreßler neben der sinkenden Nachfrage auch eine geringere Vergütung für die kostenlosen Bürgertests. Beides zusammen werde zu einer Schließungswelle vor allem unter den kleineren Standorten führen, ist sich Dreßler sicher.

Zukunft von Corona-Testzentren: Betreiber sieht Vergütungskürzung kommen

Negative Testergebnisse würden jetzt schon kaum noch gebraucht. Die Vergütung sei zwar noch nicht gekürzt, werde mit der neuen Test-Verordnung des Bundes aber sicher kommen, »vermutlich zum 1. Juli«, denkt Dreßler.

Den Zeitpunkt, zu dem die Politik offensichtlich versuche, das Preisruder herumzureißen, hält er für denkbar ungünstig. Für den Betriebswirt ist es nicht logisch, dass ausgerechnet bei sinkendem Bedarf die Vergütung reduziert wird.

Dank der vergleichsweise hohen Vergütung hätten große Teststellen sicher einen guten Schnitt gemacht. Statt jetzt panisch auf Kritik und Druck zu reagieren, hätte nach Dreßlers Ansicht die Politik besser gleich kleiner einsteigen sollen.

Dank sinkender Corona-Fallzahlen: Weniger Testzentren nötig

Auch für schwarze Schafe, wie sie in den vergangenen Wochen vereinzelt aus der großen Menge der Testzentren herausgefischt wurden, mag die wirtschaftliche Verlockung groß gewesen sein.

Er gehe von Ausreißern aus, hofft Dreßler, man möge sich vor Verallgemeinerungen hüten. Den Prüfauftrag für die Kassenärztliche Vereinigung halte er für eine gute Idee, um Missbrauch rund um Hygiene oder Testergebnis aufzudecken.

Wegen Unrentabilität aussterben würden vor allem kleine Teststellen, vermutet Dreßler. Man könne niemandem einen Vorwurf machen, der nicht defizitär arbeiten wolle. Das Aus »kleiner Fische« führe zu einer zentraleren Struktur in größeren Testzentren. Bleibe abzuwarten, wie sich das auf die Akzeptanz in der Bevölkerung auswirke.

Corona: Bedeutung von Laientests könnte steigen

»Testungen werden ihre Daseinsberechtigung behalten«, betont Dreßler mit Blick auf die Reisezeit, auf neue Corona-Varianten, auf alle Nichtgeimpften und auf den Herbst.

Steigende Bedeutung werde sicher den selbst durchzuführenden Laientests zukommen. Profitests seien nicht automatisch zuverlässiger. »Den Laientests traue ich viel zu«, sagt Dreßler. Schon jetzt seien sie gut verfügbar und kostengünstig. Auch gebe es mittlerweile viel Erfahrung mit Selbsttests in der Bevölkerung.

»Der Laientest kann ein Stück weit den Profitest ersetzen«, denkt Dreßler, das fordere aber ein hohes Maß an Selbstdisziplin. »Schließlich wollen wir ja das Infektionsgeschehen niedrig halten.« Die Frage bleibe, wie man das Testen verbindlich in die Bevölkerung bekomme. Tests auf die Speisekarte von Gastronomen zu setzen, sei jedenfalls keine Lösung.

Kampf gegen Corona: Tests auf Antikörper als nächster Testzentrenmagnet?

Von den aufgegebenen Teststellen werde manch eine bei Bedarf reaktiviert werden können, vermutet Dreßler. Ein interessanter Aspekt zeichne sich bereits ab: »Wie lange hält mein Impfschutz noch? Wann brauche ich eine Auffrischung?«.

Sogenannte Antibodytests könnten mit einem Tropfen Blut aus der Fingerkuppe gute Ergebnisse in Sachen Antikörper und Immunität liefern. »Wir erhalten in Kürze eines der ersten Geräte und werden die Einsatzmöglichkeiten prüfen.« Die Politik sollte diese Tests schnell zulassen, findet Dreßler. »Dafür wären viele Teststellen gut aufgestellt.« (Annette Hausmanns)

Testpflicht - ja oder nein?

Im Wetteraukreis gilt von heute an (vorerst befristet bis zum 22. Juli) bezüglich der Testpflicht Folgendes:

Die Verpflichtung für einen Negativnachweis besteht an Schulen und sonstigen Ausbildungseinrichtungen (alternativ ist ein Test vor Ort möglich), in Spielbanken oder Spielhallen und ähnlichen Einrichtungen und in der Innengastronomie.

Außerdem muss ein Negativtest in Übernachtungsbetrieben bei Aufenthalten zu touristischen Zwecken vorgelegt werden, und zwar bei der Anreise sowie bei Aufenthalten von mehr als sieben Tagen einmal wöchentlich (gilt nicht, wenn in der Unterkunft keine Gemeinschaftseinrichtungen betrieben werden).

Negativtests sind darüber hinaus zwingend beim Besuch von Tanzlokalen, Diskotheken, Clubs oder bei Zusammenkünften, Veranstaltungen und Kulturangeboten (Theater, Opern, Kinos, Konzerte) in geschlossenen Räumen, an denen mehr als 25 Personen teilnehmen, ist ebenfalls ein Negativnachweis erforderlich.

Eine Testung (soweit nicht genesen oder geimpft) wird dringend empfohlen bei größeren Zusammenkünften. Dies gilt beispielsweise auch bei Gastronomierbesuchen außen sowie Besuchen von Freizeiteinrichtungen wie Schwimmbädern, bei der gemeinschaftliche Sportausübung und beim Besuch von Fitnessstudios sowie die Entgegennahme körpernaher Dienstleistungen (Friseur, Massage). (rüg)

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