Günter Mack steuert mit seinem reaktivierten Verkaufswagen sechs Tage die Woche Orte an, wo es keinen Bäcker mehr gibt. Über das Angebot freuen sich die Kunden.
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Günter Mack steuert mit seinem reaktivierten Verkaufswagen sechs Tage die Woche Orte an, wo es keinen Bäcker mehr gibt. Über das Angebot freuen sich die Kunden.

Fast bis vor die Tür

Corona-Krise: Ein Wetterauer Bäcker macht mobil

  • vonAnnette Hausmanns
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Seine Backwaren gehen buchstäblich weg wie warme Semmeln. So ist es, wenn Günter Mack mit seinem reanimierten Bäckermobil laut klingelnd durch Butzbach fährt. Neue Ideen in der Krise.

Der Frühlingsmorgen ist taufrisch, als Günter Mack sein nahezu nostalgisches Backmobil neben einer riesigen Magnolie abstellt und die seitliche Klappe sanft emporfährt. Hinter Plexiglasscheiben offenbart sich ein sauber sortiertes Paradies. Es duftet nach frischem Brot und zarten Buttercroissants, nach Frühstücksbrötchen und Streuselkuchen. In der Ostheimer Bahnhofsallee hatten einige Kunden schon auf den rollenden Bäckermeister gewartet. Auch beim Anstehen achten sie auf den Corona-Sicherheitsabstand.

Wetterauer Bäcker macht mobil: Mitarbeiter in Kurzarbeit

Blendend gelaunt gibt Bäcker Mack die Leckereien aus seinem Butzbacher Backhaus heraus und klönt mit den Menschen. Ein Herr hat für den Transport seiner Lieblingsstückchen eine Tortenhaube mitgebracht. »Das ist aber eine gute Idee«, findet seine Nachbarin.

Ein junger Mann holt Brötchen für die ganze Familie, und eine junge Frau organisiert nebenbei den Einkauf für ihre Mutter. »Die Schokodonuts kommen gleich«, verspricht Mack, nachdem er kurz telefoniert hat.

Eine Kreuzung weiter bietet sich ein ähnliches Bild, und beim Alten Rathaus von Ostheim leuchtet nebenan der Osterbrunnen. Wie im Bilderbuch. Wenn der Hintergrund nur nicht so traurig wäre. Etliche Mitarbeiter musste Günter Mack wegen der Corona-Krise in Kurzarbeit schicken. Anders als die Bäckerläden und Autoschalter seien seine Cafés geschlossen, viele Arbeiten fielen damit weg.

»Mit dem mobilen Verkauf möchte ich Arbeitsplätze stabilisieren«, berichtet er aus dem traditionsreichen Familienbetrieb. Bewusst steuere er nur Ortschaften an, in denen es keinerlei Bäcker-Verkaufsstellen gibt. Auch, um den Menschen in diesen Orten das Leben in Corona-Zeiten zu erleichtern, habe er seinen alten Verkaufswagen neu hergerichtet.

Wetterauer Bäcker macht mobil: Vier Jahre Stillstand

Die Zulassungsstelle ermöglichte einen schnellen Termin. Während Macks Sohn im Backhaus die Regie führt, steuert der 59-jährige Senior selbst das Brotmobil. Nach fast 20 Einsatzjahren hatte der Wagen über vier Jahre stillgestanden. »Niemand wollte ihn fahren.«

Günter Mack steht die Freude über den Kundenkontakt ins Gesicht geschrieben. Seit dem 1. April steuert er seinen Verkaufswagen täglich außer sonntags über einen 44-Kilometer-Rundkurs durch die Dörfer westlich von Butzbach. Die aufblühende Landschaft und herrliches Frühlingswetter tragen sicher zur guten Stimmung bei. Gerade jetzt sei es wichtig, den Menschen im Rahmen seiner Möglichkeiten Freude zu bereiten, sagt Mack - und muss schon wieder weiter, um seinen Fahrplan zuverlässig einzuhalten.

Schließlich wird er auch in den anderen zehn Dörfern schon sehnlich erwartet. Fröhlich winkt er zum Abschied und drückt nochmal die Klingel.

Wetterauer Bäcker macht mobil: Die Tour durch Butzbach

Und so ist das Bäcker-Mobil unterwegs: Montags, mittwochs und freitags zwischen 9.15 Uhr und 18.30 Uhr in Ostheim, Fauerbach v.d.H., Langenhain-Ziegenberg, Wiesental, Münster, Maibach, Wernborn, Bodenrod, Weiperfelden, Espa und Hausen, dienstags und donnerstags in umgekehrter Reihenfolge zwischen 9.30 Uhr und 15.30 Uhr sowie samstags zwischen 8.15 Uhr und 11 Uhr auf der verkürzten Route durch Hausen, Espa, Weiperfelden, Bodenrod und Wernborn. Der Bäcker ist unter der Bestell-Hotline 01 71/1 49 72 80 erreichbar.

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