Betrugsopfer: Angst vor Mann, Scham vor Kindern

Ober-Mörlen/Friedberg (jwn). Die Zeugenaussagen im Prozess um den vermeintlichen Lottogewinn von 4,155 Millionen Euro und die angeblich dafür erforderlichen Vorschusszahlungen durch das Opfer bestätigten am zweiten Verhandlungstag, dass die Angeklagte lediglich das Werkzeug ihres türkischen Ex-Verlobten war.

Wenn es nach dem Willen des Staatsanwalts Hahn und des Verteidigers gegangen wäre, hätte der Prozess schon zu Ende gehen können, denn die Angeklagte Sayna T. (Name geändert, d. Red.) hatte bereits am ersten Tag ihr strafbares Verhalten in allen Punkten eingeräumt (die WZ berichtete am Donnerstag). Das Gericht wollte jedoch das Opfer noch vernehmen.

Statt der Seniorin erschien freilich eine weitere Anwältin, die im Namen aller geprellten Familienmitglieder als Nebenklägerin auftreten wollte. Das lehnten Staatsanwaltschaft und Verteidigung ab, weil es nur die Kosten erhöhe und das Verfahren verlängere. Richter Dr. Markus Bange hatte bereits ein Anerkenntnisurteil ins Auge gefasst. Dafür hätte die Anwältin den Antrag auf Beitritt zu dem Verfahren zurückziehen müssen, was sie jedoch ablehnte. Weil sie zur Begründung dieses Antrags noch Zeit benötige, legte das Gericht noch einen Termin fest.

Die betrogene Seniorin liege im Krankenhaus, auch laufe ein Antrag auf Betreuung. Die Polizeibeamtin, die damals in der Angelegenheit tätig war und sich dabei auch um die ältere Dame kümmerte, berichtete, dass sie bei der Vernehmung geistig fit gewesen sei. Auf die Frage des Richters, warum die Frau bei diesen hohen Geldbeträgen keinen Familienangehörigen ins Vertrauen gezogen habe, antwortete die Polizistin: "Vor ihrem Mann hatte sie Angst und gegenüber ihren Kindern hat sie sich geschämt."

Weiter berichtete die Beamtin, dass die alte Dame nach der fünften Zahlung von sich aus die Polizei angerufen habe, weil ihr das Geld immer für die nächsten Tage versprochen worden und immer wieder etwas dazwischen gekommen sei. Bei der letzten Zahlung – der angebliche Berliner Oberstaatsanwalt hatte der Frau mit einer Strafe im Zusammenhang mit Falschgeldangelegenheiten gedroht, die mit einem Teil der Gewinns verübt worden seien – "habe sie einfach nur Respekt vor dem Amt des Oberstaatsanwaltes gehabt.

Einer ihrer Söhne, der offenbar 230 000 Euro verloren hatte, berichtete anschließend, dass die ganze Familie sehr sparsam gelebt habe. Er selber habe seit seiner Lehre jeden Cent zurückgelegt. Dass seine Mutter die Finanzen geregelt habe, sei in der Familie selbstverständlich gewesen, ebenso auch der Zugriff auf die Konten. Weiter bestätigte er die Aussage der Angeklagten, dass sie stets nur das Geld abgeholt habe, dabei aber nie gesprochen habe. Nur einmal habe sie nach Auskunft der Mutter ein kurzes Gespräch um "Nebensächliches" mit ihr geführt. Auch der Ehemann konnte nicht mehr zur Aufklärung des Falles beitragen

Weil die Angeklagte mittlerweile bereits 105 000 Euro bei Gericht zur Abdeckung des Schadens hinterlegt hat, soll die Anwältin der Opfer nun klären, an wen welche Summe ausgezahlt werden soll.

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