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Lieblingsplatz

Ausguck unter drei Eichen

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Wir fahren mit dem "Dosenmofa" von Friedberg auf den Waldparkplatz unterhalb des Wintersteins in Ober-Mörler Gemarkung. Bärbel Büchner nennt ihr Gefährt so, denn es darf nur 45 km/h fahren. "Ich mache mir nichts aus Autos, Hauptsache, ich komme ins Grüne", sagt sie. Dann wandern wir zu ihrem Lieblingsplatz mit toller Aussicht.

E lla, das "Hunde-Rehlein" (ein Podenco aus Spanien), die Mini-Pudeldame Leni und der Mischlings-Jagdhund Lady begleiten Bärbel Büchner regelmäßig durch den Wald zu ihrem Lieblingsplatz. Die Friedbergerin hat ihn in Ober-Mörler Gemarkung auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz der Amerikaner entdeckt. Doch zunächst muss man ganz gut zu Fuß sein und sich die Aussicht quasi verdienen.

"Wollen Sie den Weg mit der starken Steigung auf dem Hinweg oder auf dem Rückweg laufen?", fragt Bärbel Büchner am Ausgangspunkt, dem Parkplatz unterhalb des Wintersteins. Wir entscheiden uns, die Steigung zuerst zu bewältigen und halten uns halblinks Richtung Römerturm, folgen dem Wanderzeichen "Rote Hirschkuh". Am nächsten Abzweig geht es im Wald noch mal nach rechts Richtung Ziegenberg auf dem "Limeserlebnispfad". Nach einer großen Eiche gehen wir bei der nächsten Abzweigung rechts.

Jetzt folgt der sportliche Teil: ein steiler Pfad bergauf. Bärbel Büchner rastet hier gerne und lässt sich in einer Astgabel nieder. Auch die Hunde sind ganz dankbar, mal durchschnaufen zu können. Dann geht es weiter. Wir sehen die ersten Maiglöckchen blühen und hören den Kuckuck rufen, ein Specht klopft, viele Vögel tirilieren. "Wir sind hier oberhalb vom Vogeltal Ober-Mörlen", erzählt Bärbel Büchner. Jetzt öffnet sich der Wald, und wir stehen auf einer Freifläche. Ein Schild weist darauf hin, dass wir uns nun auf dem "Amphibienlehrpfad Winterstein" befinden. Er wurde von Mitarbeitern des Naturparks Taunus, dem Forstamt Weilrod, der Unteren Naturschutzbehörde des Wetteraukreis sowie der Freien Waldorfschule Vordertaunus in Oberursel angelegt.

Zeichen des 4,4 Kilometer langen 2017 eingeweihten Lehrpfads ist eine Gelbbauchunke namens "Unki". Sie begleitet uns fortan. Wir nehmen links einen Trampelpfad. "Ich habe mal einen VHS-Kurs bei Forstfachmann Rigobert Oberländer-Simanavicius belegt und darin sehr viel über unseren Wald erfahren", berichtet die Zahntechnikerin im Ruhestand. Seitdem gehe sie mit ganz andern Augen durch den Forst.

Dann sind wir auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz der Amerikaner auf einem Hochplateau angekommen. Bärbel Büchner setzt sich auf einen Baumstamm unter drei jüngere Eichen und blickt in die Ferne. "Hier ist es schön. Man hat einen herrlichen Panoramablick auf die Wälder, Hochweisel und nach Ziegenberg. Stress hat man genug, ich sitze hier gerne und habe meine Ruhe." Auf der Wiese leuchtet der Löwenzahn gelb, daneben gelber Ginster. "Im Sommer finden sich hier alle möglichen wilden bunt blühenden Blumen", erzählt Büchner.

"Hier ist eine der wenigen Stellen, wo es in den letzten Jahren schöner geworden ist", urteilt die gebürtige Kreisstädterin. Der 170 Hektar große Panzerplatz ist seit 2008 nicht mehr genutzt und renaturiert worden. Ein Rundweg wurde angelegt.

Dennoch: Der Tümpel dort oben hat jetzt - im eigentlich feuchten Frühjahr - fast kein Wasser mehr. "Die Trockenheit macht sich bemerkbar", sagt Büchner. Auch in einigen Baumkronen sind Schäden erkennbar, und die Wildschweinsuhle ist auch nicht mehr feucht genug. Der Rückweg führt hinter dem Unkenweghinweisschild nach rechts. Wir kommen an alten Beton-Absperrblöcken vorbei, die noch aus der Zeit der amerikanischen Streitkräfte stammen. Auf einem steht: "Elvis Pressley was here in 1959".

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