Die bewirtschaftete Rastanlage Wetterau-Ost an der A 5 nahe Ober-Mörlen bietet aktuell 31 offizielle Lkw-Parkstände. Ob sie erweitert werden kann, wird genauso geprüft, wie eine neue, größere Anlage an einem anderen Standort.		FOTO: HAU
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Die bewirtschaftete Rastanlage Wetterau-Ost an der A 5 nahe Ober-Mörlen bietet aktuell 31 offizielle Lkw-Parkstände. Ob sie erweitert werden kann, wird genauso geprüft, wie eine neue, größere Anlage an einem anderen Standort. FOTO: HAU

Trügerische Ruhe

Was ist aus den Ausbaupläne der Raststätte Wetterau-Ost von 2013 geworden?

  • vonAnnette Hausmanns
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Als vor acht Jahren für die Tank- und Rastanlage Wetterau-Ost an der A5 ein dreifach größerer Ersatzneubau oberhalb der Ortslage im Gespräch war, gingen Ober-Mörler auf die Barrikaden. In den letzten Jahren hat man hier kaum von Projektfortschritten zur Linderung der Lkw-Stellplatznot gehört. Die Ruhe könnte trügerisch sein, warnt die Bürgerinitiative »Ober-Mörlen sagt Nein zum geplanten Standort der Tank- und Rastanlage Wetterau-Ost«.

Ober-Mörlen steht Kopf, als 2013 durchsickert, dass Hessen Mobil einen »Ersatzneubau« für die Rastanlage Wetterau-Ost ins Auge fasst, um dem Defizit an Lkw-Parkständen an der A 5 zu begegnen. Die Rede war damals von einer 8,5 Hektar großen Anlage mit 165 statt bisher 31 Stellplätzen für Lastkraftwagen. Erste Skizzen zeigten das Areal vis-à-vis dem Dorf am Hang östlich der A 5, also unterhalb des Segelflugplatzes zwischen Nauheimer und Friedberger Straße. Zum Vergleich: Der 20 Kilometer weiter südlich kürzlich eröffnete unbewirtschaftete Rastplatz Schäferborn misst drei Hektar und wird mit einem Flughafen verglichen.

Nach erheblichem Widerstand aus der Bevölkerung, der Gründung der Bürgerinitiative »Ober-Mörlen sagt Nein zum geplanten Standort der Tank- und Rastanlage Wetterau-Ost« am 20. August 2013 und einer von der Initiative eingeforderten Bürgerversammlung mit 400 empörten Teilnehmern am 8. Oktober 2013 wurde es ruhig um das Vorhaben. Kurz zuvor hatte Steffen Saebisch, Staatssekretär im hessischen Verkehrsministerium, bei einem Treffen mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Jörg-Uwe Hahn, BI und Bürgermeister befürwortet, dass nur im Konsens mit der Bürgerschaft geplant und nach neuen Varianten gesucht werde.

Am Tag vor der Bürgerversammlung sprach sich das Gemeindeparlament via Resolution gegen die Verlegung der Rastanlage näher ans Dorf aus. Der Gemeindevorstand forderte alle Planungsbeteiligten in Bund und Land auf, die Erweiterung der bestehenden Rastanlage vorrangig und wohlwollend zu prüfen - oder einen konsensfähigen alternativen Standort zu finden und den ursprünglich von Hessen Mobil präferierten Standort am Ortsrand fallen zu lassen.

Hessen Mobil startete eine erweiterte Standortsuche. Der Radius wuchs von zunächst zehn auf dann 58 Kilometer entlang der A5 zwischen dem Frankfurter Nordwestkreuz und dem Reiskirchener Dreieck. Im Rahmen der Stellungnahmen zum Bundesverkehrswegeplan 2030 bekräftigte der Ober-Mörler Gemeindevorstand im April 2016 die Resolution gegenüber dem Bundesverkehrsministerium. »Hessen Mobil ist der Forderung gefolgt, dass die ursprünglich geplante Verlegung keine Vorzugsvariante mehr ist und weiter nach Alternativen gesucht wird«, berichtet BI-Mitglied Andreas Seifert heute.

Im September 2017 übernahm die Deutsche Einheit Fernstraßenplanung und -bau GmbH (DEGES) vom bis dahin zuständigen Planungsträger Hessen Mobil ein Paket von 50 Tank- und Rastanlagen in Hessen zum Um- und Ausbau, darunter auch Wetterau-Ost.

Zuletzt im Januar 2020 erfuhr die Bürgermeisterin Kristina Paulenz von der DEGES, dass die vertiefenden Untersuchungen zur Erweiterung der Anlage Wetterau-Ost »aus Kapazitätsgründen« erst im Laufe des Jahres 2020 erfolgen könnten.

Seither habe sie nichts mehr gehört, sagt Paulenz gegenüber der WZ. Eine Erweiterung der bestehenden Anlage sei aus ihrer Sicht möglich. Die einst von Hessen Mobil favorisierte Verlegung an den Ober-Mörler Ortsrand sei indes faktisch vom Tisch - nicht zuletzt wegen der Lage im Wasserschutzgebiet und der Rückendeckung durch die Untere Naturschutzbehörde. »Eine Verlegung an den Ortsrand würden wir niemals zulassen. Im Fall des Falles würden wir klagen«, sagt Paulenz. Nach dem Ausbau des Rastplatzes Schäferborn könne sie sich einen neuen Standort für weitere Lkw-Stellplätze eher weiter nördlich vorstellen.

Bedarfsprognose abwarten

Die aktuelle Anfrage der WZ bei der DEGES ergab, dass vertiefende Untersuchungen zum Auffinden eines Alternativstandortes und zur Erweiterung von Wetterau-Ost aus Kapazitätsgründen erst Ende 2021 erwartet werden. Sie sollen demnächst beauftragt werden.

Die »gefühlte Ruhe« ist bei genauerer Betrachtung im Wesentlichen damit zu begründen, dass die bisherigen Überlegungen auf einer Bedarfsprognose für 2025 beruhten, die wiederum auf Erhebungen aus den Jahren 2008 bzw. 2013 basierten. Planungen machten keinen Sinn mit dem Wissen, dass die Zahlen veraltet seien. Brandneu sind die Zahlen, die der aktuellen Betrachtung zugrunde gelegt werden müssen: Im November 2020 übergab Hessen Mobil die Lkw-Stellplatzprognose 2030 an die DEGES. Wie der Abgleich bisheriger Überlegungen mit den Daten ausgehen wird, kann derzeit niemand sagen. Man müsse erst alles analysieren, bevor man loslege, erklärt die DEGES.

Auch die zu betrachtenden Streckenabschnitte ändern sich laut DEGES mit der neuen Prognose. Der bisher für Wetterau-Ost relevante Abschnitt reicht jetzt vom NW-Kreuz Frankfurt bis zum Gambacher Kreuz und wurde noch mal in zwei unterteilt, sodass die Anlage nun im 33-Kilometer-Abschnitt Bad Homburger Kreuz- Gambacher Kreuz liegt.

Auch Planungen an anderer Stelle könnten sich auf den Bedarf an Lkw-Stellplätzen auf der Rastanlange auswirken. Neben der Erweiterung vom Schäferborn ist laut DEGES für die Kleinstraststätte Limes-Ost eine Erweiterung geplant.

Obschon die DEGES weiterhin für die von Hessen Mobil übernommenen Rastanlagen-Planung und deren Bau zuständig ist, ist erschwerend hinzugekommen, dass mit Jahresbeginn die Verantwortung für sämtliche Autobahnen von den Ländern auf die Infrastrukturgesellschaft »Autobahn GmbH« des Bundes überging.

Verzögernd wirken mag laut Einschätzung der Ober-Mörler BI auch eine von Hessen Mobil im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) beauftragte Machbarkeitsstudie zum zehnstreifigen Ausbau der A 5 zwischen Friedberg und dem Frankfurter Kreuz. Sie soll im ersten Halbjahr 2021 abgeschlossen werden. Ein erhöhtes Verkehrsaufkommen würde den Bedarf an Lkw-Stellplätzen erhöhen und laut BI womöglich auch den Druck, das nördlich von Friedberg entstehende Nadelöhr auf acht Fahrstreifen zu erweitern.

Die Standortsuche wird überdies beeinflusst vom Fünf-Punkte-Programm des BMVI für besseres Lkw-Parken. Das beinhaltet neben dem Neubau von Parkplätzen auf Rastanlagen den Einsatz telematischer Parkverfahren, Parkleitsysteme, optimierte Nutzung vorhandenen Parkraums und die Prüfung neuer Parkraummodelle in Autobahnnähe.

Obergrenze aufgehoben

Die Aufhebung der vorgegebenen Obergrenze von 50 Lkw-Parkständen für unbewirtschaftete Anlagen dürfte ebenso eine Rolle spielen wie die Einführung von Fördergeldern für private Investoren. Die entsprechende Richtlinie ist beim BMVI in Arbeit. »Hier erinnere ich an unsere Anfänge 2013, als es in Butzbach Bestrebungen gab, einen Autohof zu errichten. Mit der im September 2020 vom Land freigegebenen Planung für die Ortsumfahrung B3a und deren Anschluss an die Autobahn könnten diese Überlegungen wieder Fahrt aufnehmen«, sagt Andreas Seifert von der BI. »Wir werden wachsam bleiben.«

Zahlen und Fakten

Der Mangel an Lkw-Stellplätzen hat mitunter verheerende Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit. Obschon der Bund allein im vergangenen und im neuen Jahr jeweils 100 Millionen Euro für den Bau von Rastanlagen an Bundesautobahnen vorgesehen hat, ist eine Entschärfung der Lage nicht in Sicht.

Eine vom Bundesverkehrsministerium beauftragte Erhebung durch die Bundesanstalt für Straßenverkehrswesen (BASt) zur »Lkw-Parksituation um Umfeld der BAB 2018« definiert einen Ist-Fehlbestand von bundesweit 23 300 regulären Lkw-Parkmöglichkeiten auf und an den Bundesautobahnen (BAB). In Hessen fehlen demnach 2939 , nur noch »getoppt« von NRW.

In Hessen gab es zu dieser Zeit 53 bewirtschaftete Rastanlagen, 115 unbewirtschaftete und 19 Autohöfe mit insgesamt 6299 offiziellen Stellplätzen und 9238 abgestellten Brummis. Allein auf den bewirtschafteten Rastanlagen fehlten laut der 2018er Erhebung in Hessen 2075 Lkw-Parkstände. Für den Streckenabschnitt NW-Kreuz Frankfurt und Reiskirchener Dreieck mit den drei Rastanlagen Schäferborn (5 Lkw-Stellplätze), Wetterau-Ost (31) und Limes-Ost (11) kalkulierte Hessen Mobil bis vor Kurzem mit einem für 2025 prognostizierten Fehlbestand von 243 Lkw-Stellplätzen. Nach der Erweiterung vom Schäferborn um (nachts) bis zu 100 Brummi-Parkplätzen und der geplanten Erweiterung von Limes-Ost um 34 bliebe ein Fehlbestand von 109 Lkw-Parkständen im Streckenabschnitt - nicht mitgerechnet die womöglich erhöhten Zahlen in der neuen Bedarfsprognose 2030. hau

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