+
Wolfgang Theiß darf einem Freiwilligen seine Maske überziehen. FOTO: HAU

Auf Augenhöhe

  • schließen

Ober-Mörlen(hau). Lang ausgestreckt liegt ein pelziges Etwas mit großen Augen im und Hörnern auf dem Kopf auf den Fliesen und regt sich nicht. Kann es auch nicht. Der Besitzer des Fellanzugs steht nämlich neben dem Kostüm und unterhält sich mit den Kindern, die das fremde Wesen neugierig betrachten, später sanft über sein Fell streichen und dann sogar in die mächtige Maske hineinschlüpfen.

Jedes Jahr zum Karneval besuchen die Ober-Mörler Wintersteingeister die Kindertagesstätten im Dorf, am Mittwoch waren sie zu dritt in der katholischen Kita St. Remigius. Obmann Tino Weil erklärt, wie echte und Kunstfellanzüge hergestellt werden und dass Albert "Abi" Recht aus Ober-Mörlen mit seinen selbst geschnitzten Krampusmasken die Wintersteingeister 2007 quasi zum Leben erweckte. In Anlehnung an die alemannische Fasnet schnitzte Recht die meisten Masken für die derzeit 27 Wintersteingeister der KG Mörlau, zugekaufte Exemplare kommen meist aus Österreich.

Mit Rohlingen aus Weymouth-Kiefer zeigen die Wintersteingeister den Werdegang der Masken im Miniformat. Rund 150 Stunden hätten Recht und er an seiner Maske gearbeitet, erzählt Weil, und dass er 15 Kilo Kostüm mit sich herumtrage, wenn er am Sonntag beim Fastnachtszug durch Mörlau mitläuft. "Frieren müssen wir da garantiert nicht", erzählen Wolfgang Theiß und seine Frau Manuela, die in ihrem streichelweichen Kunstfellanzug bei den Kindern auf große Gegenliebe stößt. Ihnen sei wichtig, den Kindern auf Augenhöhe und im freiwilligen Kontakt prophylaktisch die Angst vor den ungewohnten Gestalten zu nehmen, bevor sie sich am Sonntag womöglich begegnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare