An der Hauptstraße von Langenhain-Ziegenberg wirken die aufgerissenen Bürgersteige seit Anfang Februar wie Stolperfallen.
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An der Hauptstraße von Langenhain-Ziegenberg wirken die aufgerissenen Bürgersteige seit Anfang Februar wie Stolperfallen.

"Schweizer Käse"

Anwohner verärgert über Glasfaser-Flickenteppich

  • vonAnnette Hausmanns
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Nach dem Glasfaser-Ausbau in Langenhain-Ziegenberg klaffen seit einem halben Jahr Rinnen und Löcher auf den Gehwegen. Die Geduld der Anlieger ist aufgebraucht.

Dass vorübergehend mit unangenehmen Begleiterscheinungen zu rechnen wäre, wusste man, als man sich im Dorf für eine flächendeckende Verlegung von Glasfaser entschied. Wenn aber in provisorisch geschotterten Bürgersteigen an der Hauptdurchgangsstraße über ein halbes Jahr lang Rinnen und Löcher klaffen, wird die Geduld der Anlieger auf eine harte Probe gestellt - zumal, wenn damit Gefahren für Fußgänger verbunden sind.

In Langenhain-Ziegenberg ist der Geduldsfaden kürzlich gerissen. Seit Anfang Februar seien an der Hauptstraße, und nicht nur dort, die Bürgersteige aufgerissen und nicht wieder zugemacht worden, berichten empörte Anwohner. Mehrfach habe man sich deshalb mit Bürgermeisterin Kristina Paulenz in Verbindung gesetzt und erfahren, dass die Gemeinde nicht zuständig sei. An die Firma Deutsche Glasfaser verwiesen, habe man dort zig Mal angerufen, jedes Mal jemand anderen an der Strippe gehabt und sei vertröstet worden, dass die Arbeiten eigentlich schon hätten erledigt sein sollen. Zugesagte Rückrufe habe es nie gegeben.

Fußgänger mit Rollatoren beispielsweise mussten auf die viel befahrene Landesstraße ausweichen, berichten besorgte Bürger. Ein Herr, auf eine Gehhilfe angewiesen, sei mehrfach fast umgenietet worden. Tiefe Kanten und lange Gräben würden im Dunklen Stolperfallen; Autos würden einer kleinen Unachtsamkeit aufsetzen - so geschehen übrigens im Dezember in Ober-Mörlen. Folge: Achsbruch am Wagen einer Anliegerin.

Niemand habe ihm sagen können, wer haftbar sei: Gemeinde, Deutsche Glasfaser oder gar er selbst, bedauert ein Grundstückseigentümer in Langenhain. Der WZ gegenüber gab Paulenz an, dass im Schadensfall die ausführende Baufirma hafte, wenn sie die Baustelle nicht ordnungsgemäß gesichert habe.

Ausführende Baufirma haftet

Das bestätigt auch Dennis Slobodian vom Deutsche-Glasfaser-Pressebüro. Hier gelte das Verursacherprinzip. Dass in der Kundenkommunikation nicht alles so glatt gelaufen sei, räumt er ebenso ein, man wolle sich aber verbessern. "Wir haben die Verkehrssicherheit auf dem Schirm", unterstreicht der Pressesprecher. Deshalb gebe es neben dem Projektleiter des Generalunternehmers immer auch einen eigenen Bauprojektmanager zur Prüfung vor Ort. Wegen Corona sei das Baubüro in der Zwetschengasse zwar geschlossen, deutschsprachige Bauleiter seien aber vor Ort, zu erkennen an gelben Westen mit Telefonnummer. Wer die Bau-Hotline wähle, bekomme sofort Hilfe: 0 28 61/89 06 09 40.

Hauptstraße und Bürgersteige in Langenhain-Ziegenberg werden in diesen Tagen wiederhergestellt. Sicher sein konnte man sich angesichts der flächendeckenden Nacharbeiten und unübersichtlichen Reihenfolge aber nicht. Den fleißigen und freundlichen Arbeitern vor Ort will dabei niemand einen Vorwurf machen. Sorgenfalten treibt Beobachtern aber der Zustand von Bürgersteigen und Straßen auf die Stirn. Manche Stellen wurden zwischenzeitlich ein halbes Dutzend Mal ohne von außen erkennbaren Grund wieder aufgerissen. Bauabschnitte haben sich längst verwischt, das Dorf sieht mehr denn je aus wie ein Schweizer Käse. Das Erstaunlichste: Monatelang wurden aufgefräste Asphaltdecken von einem Subunternehmer mit viel zu grobkörnigem Material verschlossen, ohne dass dieser, trotz Einspruch aus dem Rathaus, von der Deutschen Glasfaser gestoppt worden wäre. Vor wenigen Wochen rückte dann eine zweite Firma an, die nun im kompletten Dorf alle zuvor falsch versiegelten Asphaltdecken wieder aufreißt und neu macht. Die Gemeinde hatte darauf bestanden und einen externen Ingenieur mit der Abnahme jedes Streckenabschnitts beauftragt. "Aktuell werden die Oberflächen wiederhergestellt, am Ende wird alles wieder so aussehen wie vor dem Ausbau", bestätigt Sprecher Slobodian. Deutsche Glasfaser, Generalunternehmer und Gemeinde mit beauftragtem Ingenieur kämen zur Endabnahme zusammen. Vorher provisorisch verschlossene Oberflächen hätten bauprozesstechnische Gründe. Tatsächlich habe es Probleme mit der Asphaltfirma des Generalunternehmers gegeben, bestätigt er. Die neue Firma arbeite aber gut und zügig - was die Anwohner bestätigen, die sich nach langer Durststrecke beschwert hatten.

2600 Anschlüsse ans Glasfasernetz

Beschwerden zum Glasfaserprodukt selbst wurden bisher nicht bekannt. Derzeit befinde man sich auf der Zielgeraden, lässt die Deutsche Glasfaser mitteilen. Rund 150 Aktivierungen (von insgesamt über 2600) stünden noch aus. Im vierten Quartal, und damit ein halbes Jahr später als gedacht, will man mit dem Glasfaserausbau in der kompletten Gemeinde fertig sein. Pressesprecher Dennis Slobodian: "Wir wollen so schnell und sauber wie möglich abschließen". Wenn Bürgermeisterin Kristina Paulenz die Ober-Mörler unterdessen um Geduld bittet und in Erinnerung ruft, dass man die schnelle Datenautobahn kostenlos bis in die Häuser verlegt bekomme, tut sich manch einer dennoch schwer: Wenn sie gewusst hätten, in welcher Form das abgehe, hätten sie sich nicht für die Glasfaser entschieden. Man sei froh, wenn die Geschichte ohne Unfall abgeschlossen werde.

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