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Vor allem das Auszählen der im Vergleich zu 2016 deutlich größeren Anzahl an Briefwahlstimmen, in denen zudem noch mehr kumuliert und panaschiert wurde als vor fünf Jahren, hat die vorläufigen amtlichen Endergebnisse im Vergleich zu den Trends vom Sonntagabend teilweise noch deutlich verändert. SYMBOLFOTO: NICI MERZ

Kommunalwahl im Wetteraukreis

Nur ein Ausreißer nach oben: SPD kassiert im Altkreis Büdingen teils deutliche Wahl-Schlappen

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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Nach und nach sind am Montag und Dienstag die vorläufigen amtlichen Endergebnisse der Kommunalwahl im Wetteraukreis eingetroffen - auch für die Städte und Gemeinden im Altkreis Büdingen.

Starke Grüne, gut aufgelegte Freie Wähler, eine durchwachsene Bilanz für die CDU sowie fast ausnahmslos - teils deutliche - Niederlagen für die SPD: Die Situation in den Stadt- und Gemeindeparlamenten im Altkreis Büdingen hat sich durch die Kommunalwahlen am Sonntag teilweise deutlich verändert. Die Übersicht:

Büdingen: Das vorläufige amtliche Ergebnis lag zu Redaktionsschluss noch nicht vor, da drei Briefwahlbezirke noch nicht ausgezählt waren.

Gedern: Für die SPD verschlimmerte das Auszählen der Stimmen, in denen kumuliert und panaschiert wurde, die Lage noch einmal deutlich: Im Vergleich zum Trend von Sonntagabend verloren die Sozialdemokraten weiteren Boden und kommen am Ende auf 16,1 Prozent - ein Minus von 4,9 Prozentpunkten im Vergleich zu 2016. Noch deftiger fiel der Verlust der CDU aus, die von 36,2 auf 28,7 Prozent (-7,5 Prozent) abrutschte. Neue stärkste Kraft im Stadtparlament sind nun die Freien Wähler, die auf 43,5 Prozent kamen und damit rund elf Punkte zulegten. Die Unabhängigen Bürger Gedern erreichten 11,8 Prozent (+0,5) und bilden mit unverändert drei Mandaten weiterhin die kleinste Fraktion. Es folgen in aufsteigender Reihenfolge die SPD mit fünf Sitzen - minus einen - und die CDU mit acht Mandaten (minus drei) sowie die FWG, die mit 13 Vertretern (plus vier) zukünftig im Parlament den stärksten Block bildet. Derweil verteidigte - wie am Sonntag bereits berichtet - der parteilose Bürgermeister Guido Kempel mit 90,92 Prozent Jastimmen seinen Posten. Es hatte keinen Gegenkandidaten gegeben.

Glauburg: Es hat nicht ganz gereicht für die absolute Mehrheit der Freien Wähler. Zwar verbesserte die FWG ihr Ergebnis von 2016 (45,4 Prozent) um einen guten Prozentpunkt auf 46,5 Prozent, was jedoch unter dem Strich wie in der abgelaufenen Legislaturperiode sieben Sitze im Gemeindeparlament zur Folge hat. Wahlgewinner sind prozentual gesehen vor allem die Grünen, die mit 16,5 Prozent (2016: 11,5 Prozent) einen dritten Sitz hinzugewonnen haben. Außerdem verbesserten sie sich parlamentsintern auf den dritten Rang - und überholten damit entgegen des Trendergebnisses vom Sonntagabend noch die CDU. Einen Sitz - von vier auf drei - abgeben musste derweil die SPD, die im vorläufigen amtlichen Endergebnis auf 22,5 Prozent der Stimmen (ein Minus von 7,5 Punkten im Vergleich zu 2016) kommt. Die Christdemokraten steigerten sich unterdessen leicht von 13,1 auf 14,6 Prozent, was bedeutet, dass sie auch weiterhin zwei Sitze im Parlament innehaben.

Ein politisches Erdbeben in Hirzenhain: SPD verliert mehr als 30 Prozentpunkte

Hirzenhain: Wer dachte, das Trendergebnis vom Sonntag sei für die SPD in Hirzenhain bitter, wurde nach dem Ende der Auszählung eines Besseren belehrt: Die Sozialdemokraten, mit 41,5 Prozent bislang stärkste Kraft im Parlament, verloren sage und schreibe 31,6 Prozentpunkte und haben mit 9,9 Prozent nur noch einem Sitz - statt vorher sechs - im Parlament. Es ist die deutlichste Niederlage der SPD im gesamten Wetteraukreis. Dennoch dürfte sie auch in der neuen Legislaturperiode keine unwichtige Rolle spielen, ist die eine Stimme der »Roten« doch das Zünglein an der Waage im 15 Sitze umfassenden Parlament, da CDU und Freie Wähler sich mit je sieben Sitzen in einer Patt- situation wiederfinden. Ausgelöst wurde diese durch den ebenso erdrutschartigen Sieg der FWG, die ihr 2016er-Ergebnis von 25,2 Prozent der Stimmen auf 45,9 Prozent beinahe verdoppelte, während sich die CDU von 33,3 auf 44,2 Prozent der Stimmen verbesserte und damit den Status als stärkste Partei nur knapp um 1,7 Prozent verpasste.

Kefenrod: Am Ende fiel die Wahlniederlage der CDU deutlich weniger schlimm aus, als beim Trendergebnis am Sonntagabend gedacht. Zwar verloren die Christdemokraten durch ihre 35,9 Prozent in der Endabrechnung (ein Minus von 4,0 Prozentpunkten) den Status als stärkste Kraft im Gemeindeparlament an die SPD, die 2,9 Prozent dazugewann und nun bei 41,1 Prozent liegt, doch zumindest ein Zurückfallen hinter die FWG blieb aus. Die erreichte mit 23,0 Prozent (ein Plus von 1,0 Prozentpunkt) ein minimal besseres Ergebnis als vor fünf Jahren. Dieser eine Prozentpunkt machte sich aber bemerkbar, denn die Freien Wähler haben nun vier statt zuletzt drei Sitze, während die CDU fünf statt zuletzt sechs hat. Die SPD verharrt bei sechs Sitzen und ist damit auch in Sachen Mandatsträger erstmals seit zehn Jahren wieder die alleinige Nummer eins in Kefenrod.

Limeshain: Mit 50,3 Prozent bleibt die SPD trotz eines Verlusts von 14,8 Prozent die stärkste Kraft in Limeshain und hat dank zwölf der 23 Sitze im Gemeindeparlament auch weiter die absolute Mehrheit - wenn auch knapper als zuvor. Als Gewinner dürfen jedoch (auch) die beiden anderen zur Wahl angetretenen Parteien bezeichnet werden: Die Grünen vergrößerten mit 23,4 Prozent ihr Ergebnis von 2016 (10,7) mehr als zweifach und halten damit nun fünf statt wie bislang drei Sitze. Noch besser lief es für die erstmals angetretene Unabhängige Bürgerliste Limeshain, die aus dem Stand auf 26,2 Prozent der Stimmen und damit sechs Sitze im Parlament kommt. Die CDU war im Gegensatz zur letzten Wahl nicht in Limeshain angetreten.

CDU und Bürgerliste überholen SPD in Nidda

Nidda: Entgegen des Trendergebnisses vom Sonntag hat die CDU in Nidda das Rennen gemacht und mit 31,5 Prozent der Stimmen (ein Plus von 3,7 Prozentpunkten) das beste Ergebnis aller fünf Parteien eingefahren. Sie übernahm damit die Position der SPD, die mit 24,9 Prozent der Stimmen (minus 6,4) noch hinter die Bürgerliste zurückfiel (27,5 Prozent, ein Minus von 3,3 Punkten), die ebenfalls Federn ließ. Relativer Wahlgewinner sind die Grünen, die mit 11,2 Prozent der Stimmen ihr Ergebnis von 2016 (6,5 Prozent) fast verdoppelten. Auch die Linke dürfte sich bei 4,9 Prozent (plus 1,3) zumindest ein wenig wie ein Sieger fühlen. Im neuen Stadtparlament bilden CDU (12 Sitze/+2) und die Bürgerliste (10 Sitze/-2), die zuletzt miteinander kooperierten, die stärksten Fraktionen, gefolgt von der SPD (9 Sitze/-3). Die Grünen - vier statt bislang zwei Sitze - und die Linken - zwei statt bislang einen Sitz - haben die Zahl ihrer Mandate derweil jeweils verdoppelt.

Ortenberg: Wie bereits am Sonntag erwartet, sind die Freien Wähler die Wahlgewinner in Ortenberg. Mit am Ende 29,7 Prozent der Stimmen verbesserten sie ihr Ergebnis von 2016 um 10,6 Prozentpunkte. Wahlverlierer sind SPD und CDU - aber nicht gleichermaßen. Die Sozialdemokraten verloren satte 14 Prozentpunkte und liegen nun bei 28,4 Prozent der Stimmen, die Christdemokraten erreichten knapp dahinter 27,3 Prozent (minus 2,6). Bemerkenswert ist das Abschneiden der Grünen, die aus dem Stand zu 14,6 Prozent der Stimmen und damit zu fünf Sitzen im zukünftigen Stadtparlament kamen. Während die SPD - vier Sitze auf nun neun Mandate - und die CDU - einen Platz auf nun acht Sitze - an Boden verlieren, baute die FWG ihren Anteil um drei Sitze auf nun neun aus. Der Bürgerverein in Ortenberg - zuletzt mit drei Sitzen im Parlament vertreten - war nicht angetreten.

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