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Stefan Jagsch vor dem Arbeitsgericht.  

Zur Person

Altenstadt: NPD-Mann Stefan Jagsch wird von Flüchtlingen gerettet

Stefan Jagsch, zentraler NPD-Kader in Hessen, wurde durch einen Unfall überregional berühmt.

Altenstadt - Es ist Mitte März 2016, als es der rechtsextreme Ortspolitiker Stefan Jagsch in die Weltnachrichten schafft. Denn diese Geschichte ist einfach zu gut. Jagsch, damals 29 Jahre alt, seit 2002 Mitglied der NPD, fährt mit seinem Wagen auf der Bundesstraße zwischen Altenstadt und Büdingen in der Wetterau. Er kommt von der Fahrbahn ab und prallt gegen einen Baum. 

NPD-Ortsvorsteher in Altenstadt: Geflüchteter eilt zur Rettung

Und wer rettet ihn aus seinem Wrack? Wer leistet Erste Hilfe? Es sind (unter anderem) Flüchtlinge, die den Unfall beobachtet hatten. Ausgerechnet Flüchtlinge, gegen die Jagschs Partei bei jeder Gelegenheit hetzt. Internationale Medien greifen den Fall auf, und die NPD würdigt halbherzig die „humane Leistung“ der Flüchtlinge.

Zuerst berichtet seinerzeit die Frankfurter Rundschau über den Unfall. Für die FR ist Jagsch im Frühjahr 2016 längst kein Unbekannter mehr. Zwar sind seine Ergebnisse bei Bundestags- und Landtagswahlen eher bescheiden. Doch in Frankfurt hatte er bereits 2014 für ein Politikum gesorgt.

NPD-Vorsteher hatte vor Gericht geklagt

Jagsch nämlich arbeitete im Jobcenter im Stadtteil Höchst. Eingesetzt war er am Empfang, das wird noch wichtig werden. Als der Stadtverwaltung klar wird, wen sie da beschäftigt, schmeißt sie ihn raus. Der Politiker hatte seinerzeit schon hochrangige Ämter in seiner Partei inne. Für einen derart aktiven Rechtsextremen sei kein Platz bei der Stadt, heißt es.

Doch die Kündigung hält der gerichtlichen Überprüfung nicht stand. Jagsch, so urteilt das Arbeitsgericht, sei einfacher Büroangestellter. An seinem Arbeitsplatz sei kein besonderes Maß an Verfassungstreue erforderlich. Jagsch fängt wieder bei der Stadt an.

NPD-Ortsvorsteher ist zentrale Figur

Die Zahl der Ämter, die Stefan Jagsch in der NPD schon innehatte, ist für einen 33-Jährigen groß. Vor seinem Aufstieg zum stellvertretenden Landesvorsitzenden war der gelernte Automobilkaufmann unter anderem Mitglied im Wetterauer Kreistag, Fraktionschef in der Gemeindevertretung von Altenstadt und Vorsitzender des Bezirksverbands Wetterau-Kinzig.

Welche Bedeutung Jagsch in der Partei hat, zeigen die hessischen Verfassungsschutzberichte 2013 und 2014, in denen er namentlich genannt wird. Ohne Frage ist Jagsch eine zentrale Figur der NPD in Hessen, die bei Neonazi-Aufmärschen mitläuft und Rechtsrock-Konzerte besucht.

Zwei Jahre nach seinem Autounfall will Stefan Jagsch Bürgermeister in Altenstadt werden. Er holt sechs Prozent – ein extrem hohes Ergebnis für einen NPD-Mann. Doch sein größter politischer Erfolg ist nun die Wahl zum Ortsvorsteher.

Die Wahl eines NPD Politikers zum Orstvorsteher in Altenstadt schlägt bundesweit hohe Wellen. Alle aktuellen Entwicklungen können Sie in unserem Liveticker auf fr.de* lesen. 

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