Es staubt auf vielen deutschen Feldern, auch in der Wetterau. Langer Landregen wäre jetzt gut. Außerdem müssen sich die Landwirte umstellen und anders vorsorgen. 	FOTOS: GEO/PM/DPA
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Es staubt auf vielen deutschen Feldern, auch in der Wetterau. Langer Landregen wäre jetzt gut. Außerdem müssen sich die Landwirte umstellen und anders vorsorgen. FOTOS: GEO/PM/DPA

»Noch keine Dürre 2020«

  • vonGeorgia Lori
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Wetterauer Landwirte kämpfen im dritten Jahr in Folge mit Trockenheit. Auf den Feldern breiten sich zunehmend Schädlinge aus. Agraringenieur Rainer Vogel aus Nidderau und Andrea Rahn-Farr aus Büdingen vom Bauernverband beziehen dazu Stellung.

Die Trockenheit ist wie der Feind - und langfristig dagegen »anplanen« können Landwirte eigentlich nicht. Andrea Rahn-Farr aus Büdingen vom Bauernverband und Agraringenieur Rainer Vogel aus Nidderau zeigen auf, welche Folgen die Trockenheit für die Landwirtschaft und für die Bevölkerung hat und welche Maßnahmen getroffen werden können.

Wie Vogel erklärt, mussten Landwirte für das Erntejahr 2020 beim Anbau der Getreidearten bereits Entscheidungen im Spätherbst des vorhergehenden Jahres treffen. Die Landwirte hätten in den drei zurückliegenden, sehr trockenen Jahren Erfahrungen gesammelt. Die Niederschläge hätten nie ausgereicht, um die Bodenreserven aufzufüllen. Die Konsequenz sei, dass der Landwirt mit geringeren Erträgen rechne und entsprechend sein Feld bestelle. Es werde dünner gesät und Sorten ausgewählt, die trockentoleranter seien. Daher werde seit gut zehn Jahren die Sojabohne angebaut. Andere Landwirte bauen Sonnenblumen an, erklärt Vogel.

Leitungswasser ist zu teuer

Kurzfristig auf die Trockenheit reagieren sei nicht möglich, eine Beregnung wie beim Gemüse sei bei Getreide nicht zu finanzieren. Auch das Wasser aus der Leitung sei zu teuer. Eine Alternative sei, wasserschonend auf den Flächen zu arbeiten, damit vorrätiges Wasser den Pflanzen zur Verfügung stehe.

Pflanzen, die unter Stress litten, seien anfälliger für Schädlinge. Während Pilzkrankheiten bei trockenem Wetter keine Chance hätten, sei ein Lausbefall im Getreide oder an Obstbäumen nicht auszuschließen. Trockenstress schade auch der Getreidepflanze. »Die Folge ist, dass es weniger Erträge geben wird und dies wiederum dazu führen kann, dass der Getreidepreis steigt«, sagt Vogel.

Der Getreidepreis hänge auch eng mit dem Rohölpreis zusammen, weil aus Weizen und Mais auch Bioethanol gewonnen wird. Versorgungsengpässe in der Region sieht Vogel allerdings nicht.

Die Wetterau ist klassisch ein Getreideanbaugebiet. Eine neue, gegen Trockenheit resistentere Getreidesorte zu züchten, dauere zehn bis 15 Jahre. Vogel spricht sich deshalb für die Bio-Landwirtschaft mit geringeren Erträgen, aber einer wasserschonenden Arbeitsweise aus. »Alle Maßnahmen, die das Wasser im Boden halten, haben oberste Priorität«, sagt er.

Andrea Rahn-Farr, Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Wetterau-Frankfurt am Main findet es zu früh, um die Dürre 2020 zu beschwören. Sie verweist auf reichlich Niederschläge im Januar, Februar und Anfang März.

Corona sorgt für Schwierigkeiten

»Es wäre jetzt problematisch, wenn keine Niederschläge mehr kommen«, sagt sie in ihrer Position als Milchviehhalterin. Ohne Regen falle der erste Schnitt zu 70 Prozent aus. Saftiges, nährstoffreiches Gras als Futter sei dann nicht zu erwarten. Nötig sei ausdauernder Landregen. Da das Bewässern und Gießen auf dem Weizenfeld undenkbar sei, hat sich Rahn-Farr in der Fruchtfolge angepasst, indem sie weniger Sommerungen anbaut. »Das sind Feldfrüchte, die erst im Frühjahr auf das Feld kommen, wie Sommergerste, Hafer oder Mais«, sagt Rahn-Farr. Sie spricht sich für Wintermenggetreide aus, das schon über den Winter wachse und die Winterfeuchtigkeit mit in das Frühjahr nehme.

Problematisch seien die aktuellen Regeln der Politik, die auf den vermehrten Anbau von Sommerungen setzten.

Schwierig sei es, wenn eine Pandemie mit einer Dürre zusammenfiele. In den Ländern mit einer Ausgangssperre könnten Arbeiter nicht auf das Feld, um die Früchte zu pflegen und zu ernten. Sie plädiert dafür, das Risiko im eigenen Betrieb zu streuen. Mais sei zwar relativ resistent gegenüber Trockenheit, doch auch ein verstärkter Anbau dieser Getreidesorte könne nicht die Lösung sein.

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